Sportklettern - Sauerländer wollen hoch hinaus
24.07.2012 | 18:30 Uhr 2012-07-24T18:30:00+0200
Wenden. Die Zahl der aktiven Sportkletterer im Sauerland wächst. Fritz Blach aus Wenden hat unter dem Titel „Land der tausend Berge“ einen Kletterführer für das Sauerland verfasst. Das Klettergebiet Südwestfalen, so meint er, sei einzigartig.
Unter dem Titel „Land der tausend Berge“ ist im Geoquest-Verlag Halle soeben ein Kletterführer Sauerland erschienen. „Warum einen Kletterführer fürs Sauerland?“, fragt Autor Fritz Blach im Vorwort. Der Sportkletterer aus Wenden und Referent für Klettern und Naturschutz beim Landesverband NRW des Deutschen Alpenvereins gibt selbst die Antwort: „Ganz einfach, weil es sich lohnt.“
Frage: Herr Blach, ganz konkret: Warum lohnt sich ein Kletterführer Sauerland?
Fritz Blach: Für andere Klettergebiete wie Franken, die Südpfalz oder das Elbsandsteingebirge gibt es schon längst Kletterführer. Von daher war es für das Sauerland überfällig. Kletterer brauchen verlässliche Orientierungshilfen, z.B. Angaben über Wandhöhen oder Schwierigkeitsgrade.
Sie sprachen bekannte Klettergebiete in Deutschland an. Wo steht das Sauerland?
Wir sind noch am Beginn, den Klettersport in Südwestfalen zu etablieren. Derzeit gibt es 300 bis 400 Sportler, die im Sauerland klettern - natürlich nicht alle so perfekt wie der Deutsche Meister Daniel Jung, der aus Südwestfalen kommt. Die 14 Klettergebiete werden schon gut angenommen. An manchen Wochenenden sind einige Gebiete mit Sportlern aus dem Sauerland, dem Ruhrgebiet und dem Rheinland fast überlaufen. Am Unteren Elberskamp bei Heggen finden Sie an schönen Sonntagen schon einmal 40 Kletterer.
Was reizt Kletterer am Sauerland?
Es gibt wenig Klettermöglichkeiten im Fels in NRW. Das Sauerland ist mit seinen 10 bis 50 Meter hohen Kletterwänden eine schöne Alternative, auf seine Art einzigartig. In Südwestfalen sind 11 000 Felsen kartiert, eine reichhaltige Geologie und eine Vielfalt an Herausforderungen für Kletterer.
Was reizt Menschen am Klettern?
Es kommt nicht nur auf Kraft und Technik an. Klettern ist wie Schachspielen. Man muss Lösungen finden, wie man eine Route bewältigen kann. Es ist ein Breitensport, der einen körperlich und mental fordert. Eben Abenteuer, Naturerleben und Entspannung.
Skifahrer schwingen sich hier gerne für den Urlaub in den Alpen ein. Klettert man im Sauerland, um sich andernorts an höheren Herausforderungen zu versuchen?
In den 80er Jahren bereiteten sich hier noch alpine Kletterer vor. Heute ist es Selbstzweck - in einem sehr beliebten Areal, auch wenn das Sauerland nicht mit Top-Klettergebieten mithalten kann. Dazu reicht die Felsqualität an den ehemaligen Steinbrüchen nicht ganz aus. Unbestritten ist aber, dass noch Bedarf für weitere Gebiete besteht.
Damit könnte es weitere Konflikte mit Naturschützern geben.
Wir sind immer zu Kompromisslösungen mit Behörden und Naturschützern bereit. Wir gehen verantwortungsvoll mit Felsgebieten mit geschützten Arten um. Ein Naturschützer hat sich vor Tagen bei uns bedankt, dass wir im Hönnetal Rücksicht auf einen brütenden Uhu genommen haben. Die Jungen sind jetzt ausgeflogen, erzählte er. Wir hoffen, dass die derzeit laufende Umweltverträglichkeitsprüfung im Hönnetal bestätigt, dass sich bestimmte Felsen als naturverträgliche Kletterwände eignen. Bedauerlich ist, dass die Bezirksregierung Arnsberg derzeit versucht, mit Hilfe eines „Prüfschemas“ die Erschließung von Klettermöglichkeiten in Naturschutzgebieten und geschützten Biotopen pauschal zu untersagen. Damit wäre die weitere Entwicklung des Klettersports im Sauerland in Frage gestellt.
Zum Abschluss: Haben Sie ein Lieblings-Klettergebiet im Sauerland?
Der Untere Elberskamp bei Heggen ist eine zweite Heimat für mich geworden. Ich schätze, dass ich in den letzten 30 Jahren 8000 Mal die Wand geklettert bin. Die ist schnell abtrocknend - was in diesem Sommer ein großer Vorteil war.

0mitdiskutieren