Schwulsein: „In der Provinz alles andere als normal”
11.08.2009 | 19:00 Uhr 2009-08-11T19:00:00+0200Die CSD-Veranstaltergemeinschaft feiert gleich zwei Jubiläen: Das schwul-lesbische Straßenfest zum „Christopher Street Day” in Siegen findet zum zehnten Mal statt.
Und der Tag, an dem in der New Yorker „Christopher Street” Lesben, Schwule und Transgender Widerstand gegen die alltäglichen Razzien und Verfolgungen durch die Polizei leisteten, jährt sich zum vierzigsten Mal.
Noch immer Ausgrenzung
„Zehn Jahre CSD – das klingt nach Normalität”, erklärt Ansgar Cziba. „Doch Schwulsein in der Provinz ist alles andere als normal”, betont das Vorstandsmitglied der Schwulen-Initiative Siegen (SIS) Entsprechend haben die Veranstalter das Motto „...jetzt erst recht!” gewählt. „Gerade wegen der noch immer vorhandenen gesellschaftlichen Vorurteile und ausgrenzenden Tendenzen stehen wir selbstbewusst zu uns”, erklärt Cziba. „Wir wollen mit dem Tag Sichtbarkeit im Alltagsleben schaffen.”
Außerdem wollen sie ein klares Zeichen gegen weitere Sparpläne der schwarz-gelben Landesregierung setzen: Diese hat bereits Kürzungen im Sozialbereich durchgesetzt, die auch die psychosozialen Beratungsstellen für Schwule, Lesben und Transgender betroffen hat. Dass sich die Arbeit der Siegener Beratungsstelle mitnichten erledigt hat, darauf verweist Sozialarbeiter Andreas Zimmer. „Als wir 1998 mit der Beratung begonnen haben, kamen 98 Ratsuchende. Im letzten Jahr waren es 288.”
Der CSD soll für Vertrauen werben und will Homosexuelle als bunten und vielfältigen Teil der Stadtgesellschaft präsentieren. Daher findet auch im Herzen Siegens, auf der Siegplatte, am Samstag von 14 bis 22 Uhr das Straßenfest statt. Mehrere Gruppen und Vereine bieten zusammen mit Gastronomen ein vielseitiges Bühnenprogramm, verspricht Moderator Ulli Wiese. Geplant ist auch ein Polit-Talk. Schirmfrau des Siegener CSD ist die Präsidentin des Landtags NRW, Regina van Dinther. Ab 22 Uhr gibt's die CSD-Party in der Siegerlandhalle.
Novum: Gottesdienst am Vorabend des CSD
Ein Novum ist der ökumenische Gottesdienst, zu dem die Gruppen am Freitag um 18 Uhr in die Martinikirche einladen. Das Motto hier: „Wir sind auf dem Weg”. „Wir betreten Neuland und sind gespannt auf die Resonanz. Das Thema beschäftigt schließlich viele Gemüter”, so Zimmer.
Das Programm am Samstag:
[14.00 h] Eröffnung des Straßenfestes und Begrüßung der Gäste durch die Moderatoren Ulla v. Donnerscheid, Chris Castle, Sydney van der Löhr und Franky Sunshine
[14.20 h] Liveband, solid SEVEN
[15.20 h] Polit-Talkrunde mit den Bürgermeisterkandidaten
[15.45 h] PopKabarett, Holger Edmaier
[16.05 h] Liveband, solid SEVEN
[17.00 h] Cheerleadertanz, Power Puschels
[17.40 h] Susanne Hoffmann
[18.15 h] PopKabarett, Holger Edmaier
[18.40 h] Comedy, P.Laste & E.Laste
[19.35 h] Travestie, Cherchez la Femme und Linda Farrell
[20.05 h] AnnGellz und Ingo Düe – 40 Jahre Stonewall, eine muskalische Reise
[20.50 h] Gedenkminute
[21.00 h] Travestie-Comedy, Ham & Eggs
[22.00 h] LICHT AUS, AB ZUR PARTY IN DIE SIEGERLANDHALLE
