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Schweizer Defago stiehlt Didier Cuche die Show

16.02.2010 | 12:14 Uhr
Schweizer Defago stiehlt Didier Cuche die Show

Whistler. Die Schweiz hatte fest mit Didier gerechnet, mit Didier Cuche natürlich. Der Abfahrtsdominator im Weltcup sollte seine glänzende Saison, ja seine erfolgreiche Karriere mit olympischem Gold in Whistler krönen.

Die eidgenössischen Fans hatten am Montag extra Kuhglocken mitgebracht, um gleich an der Piste die Siegerparty einzuläuten. Aber dann kam der andere Didier aus der Schweiz und stahl Cuche die Show. Didier Defago gewann die Abfahrt auf der Dave-Murray-Piste in Whistler Creekside die Abfahrt mit sieben Hundertstelsekunden Vorsprung vor dem Norweger Aksel Lund Svindal und Bode Miller aus den USA, der weitere zwei Hundertsel zurücklag. Der 32-Jährige bescherte der Schweiz damit die erste Goldmedaille in der Königsdisziplin seit 22 Jahren, seit dem Triumph von Pirmin Zurbriggen 1988 in Calgary.

„Die Piste ist härter und unruhiger geworden, das liegt mir. Bei der Besichtigung war ich schon überzeugt, dass ich gut fahren würde, aber so gut, das hätte ich nicht gedacht. Das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben.“ Nur einmal hatte Defago noch bangen müssen um seine Goldmedaillen, als nämlich Cuche unterwegs war. Bis zur letzten Zwischenzeit war der Neuenburger fast gleichauf, im Schlussstück erwischte der Sieger von Kitzbühel allerdings nicht die optimale Linie und viel noch auf den sechsten Platz zurück.

„Dass ich so gut fahren würde, hätte ich nicht gedacht“

Es ist Gold: Der Schweizer Didier Defago ist überwältigt.

Vom falschen Didier zu sprechen, verbietet sich aber, denn Defago ist keiner jener Sieger, die manchmal bei Olympischen Spielen wie Phönix aus der Asche auftauchen. Er zählt seit Jahren zur Abfahrtselite, hat in der vergangenen Saison immerhin die Klassiker von Wengen und Kitzbühel gewonnen. In diesem Winter stand er bisher allerdings im Schatten von Cuche und dem jungen Aufsteiger Carlo Janka. Nur einmal schaffte er es auf das Podest, Ende Dezember in Bormio wurde er Zweiter, war aber bei vier von sechs Abfahrten immerhin unter den besten zehn platziert.

Dennoch musste sich Defago einen Platz im Team erst gegen Patrick Küng und Tobias Grünenfelder behaupten, die beide in der Disziplinwertung weit hinter Defago rangieren. Das hatte dem Westschweizer nicht gefallen. Er könne nicht nachvollziehen, ließ er in der vergangenen Woche verärgert wissen, warum er eine Ausscheidung fahren müsse.

Seine gute Leistung im einzigen gewerteten Trainingslauf bescherte ihm den Platz, aber dass mit Defago nun plötzlich ganz vorne zu rechnen sein würde, war dennoch unwahrscheinlich. Die großen Favoriten waren andere. Cuche natürlich, Bode Miller vielleicht, und vor allem die Kanadier Manuel Osborne-Paradis und Robbie Dixon, die die Abfahrtsstrecke bestens kennen. Ende Januar durften sie ein paar Tage lang darauf trainieren. Geholfen hat der Heimvorteil nichts, Osborne-Paradis landete auf Rang 16, und Dixon stürzte nach einer waghalsigen Fahrt, die an „Crazy Canucks um Ken Read und Steve Podborsky, die legendären Vorgänger der „Cowboys“, wie sich die aktuellen kanadischen Abfahrer nennen, erinnerte. Bester Kanadier war dann Erik Guay als Fünfter.

Die Österreicher hatten zwar nicht zu den Favoriten gezählt, schließlich waren sie ohne einen Abfahrtssieg in der laufenden Saison nach Kanada gereist. Aber der gute Eindruck den Michael Walchhofer hinterließ, hatte die Hoffnung im rotweißroten Skiteam auf wenigstens eine Medaille genährt. Und fast hätte es tatsächlich geklappt. Allerdings war es nicht Walchhofer, sondern Maria Scheiber, dem eine gute Fahrt gelang. Sie war allerdings nicht gut genug. Der Osttiroler verpasste den dritten Platz um zwölf Hundertstelsekunden. Der einzige deutsche Starter, Stephan Keppler, landete auf dem 24. Rang.

Elisabeth Schlammerl

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