Schmied und Autopionier
16.04.2009 | 18:26 Uhr 2009-04-16T18:26:00+0200
Die Familie Kleinebrink ist seit mehr als 120 Jahren mit Horst verwachsen. Der Stammsitz liegt an der Burgstraße, wo auch heute noch das Autohaus zu finden ist. Der Stammvater kam aus Bottrop-Boy.
Horst und die Familie Kleinebrink gehören schon mehr als 120 Jahre zusammen. 1888 war es, als Johann Kleinebrink, der Stammvater der Kleinebrinks an der Emscher, vom benachbarten Bottrop-Boy nach Horst kam. Er konnte nicht ahnen, dass sein Name später einmal in Horst für Autos und den Autohersteller Opel stehen würde.
Johann Kleinebrink (im Bild oben sitzend) war Schmied und übernahm an der Burgstraße Haus und Schmiede des langjährigen Horster Schmiedemeisters Röttgen, der sich zur Ruhe setzte. „Er war ein tüchtiger Handwerksmeister”, berichtet seine Enkelin Elisabeth Krämer (78). Vor allem beschlug er fleißig die Hufe der damals noch zahlreichen bäuerlichen Pferde in Horst. Aber auch kunsthandwerkliche Arbeiten verließen seine Schmiede, u.a. schmiedete er für die neue St.-Hippolytus-Kirche Turmkreuz und Wetterhahn an. Auch am Horster Schloss fanden und finden sich Arbeiten Johann Kleinebrinks. „Das Geschäft florierte”, weiß Elisabeth Krämer. Schon in den ersten Jahren hatte ihr Großvater Gesellen und Lehrlinge.
1897 gebar ihre Großmutter Gertrud, die Johann noch in der Boy geheiratet hatte, ihren Vater Heinrich, wenig später Tochter Maria, die früh verstarb, und die Drittgeborene Elisabeth, die später in die Horster Familie Trah einheiratete. 1901 starb Großmutter Gertrud viel zu früh. Johann heiratete nicht wieder und erzog die Kinder allein, was damals ungewöhnlich war. „Er war gottesfürchtig und streng”, weiß Elisabeth Krämer. Viele Jahre habe er den Schlüssel zur Hippolytuskirche gehabt und sie jeden Morgen aufgeschlossen. Auch ihr Vater Heinrich wurde Schmiedemeister, lernte das Handwerk beim Vater, der kurz nach Kriegsende 86-jährig verstarb.
Als Heinrich 1921 den väterlichen Betrieb übernahm, hatte sich schon längst Jahr für Jahr die Zahl der zu beschlagenen Pferde verringert, da die bäuerlichen Höfe in Horst verschwanden und auf den Äckern Wohnsiedlungen entstanden. Heinrich Kleinebrink erkannte die Zeichen der Zeit: Die Zukunft der Straße gehört den Autos! 1925 schloss er seinen ersten Vertrag als Händler mit Opel ab und wandelte seine Schmiede Zug um Zug in ein Autohaus um. Vor allem nach dem Krieg, unter dem der Betrieb sehr litt, baute er sein Unternehmen aus, zunächst 1958 mit einem Neubau an der Turfstraße, später mit Ausstellungsräumen am alten Standort der Schmiede an der Burgstraße. 1976 kam das fünfstöckige Ausstellungsgebäude an der Turfstraße hinzu.
Bereits 1921 hatte er die Horsterin Maria Steinrötter geheiratet (die 1968 starb) und mit ihr fünf Kinder, wobei der Erstgeborene, Johannes, im Krieg vor Stalingrad blieb. Tochter Anne Maria und die Jüngste, Elisabeth Krämer, blieben am Ort, während ihre Schwestern Klara und Ursula heute in Remscheid und Garmisch wohnen.
1971 zog sich Heinrich Kleinebrink, der 92-jährig 1990 verstarb, aus dem Betrieb, zu dem zeitweise auch eine Fahrschule gehörte, zurück und übergab die Leitung an seine Tochter Elisabeth, die noch heute als Seniorchefin neben ihren Töchtern Annette Thaler und Gabriele Twickler sowie Schwiegersohn Rolf Twickler das Autohaus leitet.
Heinrich Kleinebrink: Poahlbürger durch und durch
Heinrich Kleinebrink, der 50 Jahre lang den gleichnamigen Familienbetrieb führte, war ein Poahlbürger durch und durch, blickte stets über den Tellerrand der eigenen Firma. Als Nachfolger von Walter Düsing bleibt der fußballverrückte Horster in den 50er Jahren als Vorsitzender der längst untergegangenen STV Horst-Emscher in Erinnerung.
Gemeinsam mit dem Ruhrgebietskaplan Merk baute er in den 20er Jahren, als große Armut herrschte, ein Kinderhilfswerk im Revier auf und vermittelte Kinder aus armen Familien in Heime und Privatfamilien in den Schwarzwald. „Er hat so damals vielen Kindern geholfen”, weiß seine Enkelin, Elisabeth Krämer.
Als begeisterter Autofahrer zählte er zu den Gründern des Emschertaler Automobil- und Motorradklubs, der bis 1933 beachtliche sportliche Erfolge erzielte. Gleichzeitig war Heinrich Kleinebrink auch Vorsitzender der ADAC-Gruppe West, die aber in den 30er Jahren aufgelöst wurde.
Während des 2. Weltkriegs war Heinrich Kleinebrink mit seinem Betrieb in Horst von der Wehrmacht verpflichtet worden, Militärfahrzeuge zu warten. Nach dem Krieg verpflichteten ihn die Amerikaner für die gleichen Dienste.

00:54
Für mich wäre noch interessant wie die Eltern von Maria Steinrötter waren!?!
Ich erstelle den Steinrötter-Stammbaum... ;-)
06:07
Sehr erfreulich, dass einer der alten Horster Anerkennung findet.
Mein Grossvater war eine Persoenlichkeit.
21:09
Das Autohaus wird nicht mehr von Kleinebrink betrieben, Nach einem Zusammenschluss von Opel-Doerpinghaus und Kleinebrink unter dem Namen AC-GE Autocentrum.