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Schleckers Scheitern - von Christian Icking

01.06.2012 | 17:26 Uhr
Schleckers Scheitern - von Christian Icking

Das Image der Drogeriemarktkette war schon lange am Boden

Der gnadenlose Wettbewerb in Deutschlands Einzelhandelsbranche hat ein neues Opfer gefordert: Mit Schlecker trifft es nach Quelle einen weiteren prominenten Namen und einstigen Marktführer. Auch in diesem Fall hat der Insolvenzverwalter das Unternehmen nicht retten können. Zuletzt konnten offenbar auch die Konzepte von Karstadt-Retter Nicolas Berggruen und dem US-Investor Cerberus die Gläubiger nicht überzeugen, das Risiko eines Neuanfangs zu wagen.

Bei Schlecker wie einst bei Quelle haben schwere Versäumnisse des Managements, das viel zu spät auf sich ändernde Marktbedingungen reagierte, das Aus eingeläutet. Es gibt aber einen Unterschied: Das Image des Drogerieriesen war schon lange am Boden. Schlecker stand für schmuddelige Filialen, dauerhafte Repressalien gegenüber Mitarbeiterinnen und Preise oberhalb des Marktniveaus. Firmen-Patriarch Anton Schlecker hatte viel zu spät erkannt, dass es nicht mehr reichte, die Republik bis in den hintersten Winkel mit seinen weiß-blauen Lädchen überzogen zu haben. Die Kunden waren schon in Scharen zur Konkurrenz übergelaufen.

Für die Verbraucher in den Städten ist das Ende Schleckers kein Verlust. Eher schon für die auf dem Lande, weil einer der letzten dörflichen Nahversorger verschwindet.

Bitter ist das Ende aber für die immerhin noch mehr als 13 000 Schlecker-Mitarbeiterinnen, die der ersten Filial-Schließungswelle noch entgangen waren und auf einen Neustart – vielleicht unter einer anderen Dachmarke – gehofft hatten. Diese letzte Chance ist jetzt vorbei. Einen Teil der Verantwortung dafür trägt auch die FDP, die sich auf Ministerebene gegen die Einrichtung einer Transfergesellschaft für die 10 000 Mitarbeiterinnen der bereits geschlossenen Filialen gesperrt hatte. Die darauf folgende Welle von Kündigungsschutzklagen machte als finanzielles Risiko das Unternehmen für potenzielle Investoren deutlich unattraktiver.

Vielleicht wird Schlecker als Beispiel dienen. Dafür, dass sich Unternehmenserfolg dauerhaft nicht auf dem Rücken von Mitarbeitern gründen lässt. Dann hätte diese Pleite wenigstens etwas Gutes.

Christian Icking

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