Ruhiger Advent für SV Neukirchen?
02.12.2009 | 22:30 Uhr 2009-12-02T22:30:00+0100
Neukirchen-Vluyn. Was am Freitag bei der Sitzung der acht Abteilungsleiter los getreten wurde, geht weiter. Vorwürfe gegen Burgstaller.
Auf eine ruhige Adventszeit hoffen die Verantwortlichen beim SV Neukirchen momentan wohl vergebens. Wie berichtet, will Gesamtvereinsvorsitzender Dietmar Burgstaller nach einem einstimmigen Beschluss des Gesamtvorstandes zum Saisonende am 30. Juni 2010 dem Trainerstab um Trainer Achim Veit, seinem Co-Trainer Robert Zester und der Physiotherapeutin Barbara Lohrbach kündigen. Zu teuer, so die Begründung.
Die Fußballabteilung hat eine Schuld von knapp 16 000 Euro – 6500 Euro alte Steuerschuld aus den drei Jahren 2005 bis 2007, Honorar für die Steuerberatung und „7000 Euro kommen zu den aktuellen Forderungen von insgesamt 9000 Euro”, prognostiziert Jürgen Theuvsen, Schatzmeister des Gesamtvereins. Wie konnte das passieren?
Steuererklärungen vom Gesamtverein
Die von 2006 bis vergangenen Freitag im Amt tätige Kassiererin Petra Oster versichert, niemals einen Steuerbescheid gesehen zu haben: „Die Steuererklärungen werden vom Gesamtverein gemacht. Die einzelnen Abteilungen erhalten dann eine Auflistung, was sie zu zahlen haben.”
Die erste Auflistung habe sie erst 2008 erhalten. Zuvor sei sie davon ausgegangen, dass die anfallenden Steuern von den 20 Prozent der abgeführten Jahresbeiträge der Fußballabteilung an den Hauptverein beglichen würden. „Das sind für dieses Jahr 3618 Euro”, weiß Theuvsen. „Es ist absoluter Quatsch, davon auszugehen, dass davon die Steuern bezahlt werden. 50 Prozent davon sind für Verwaltungskosten, 50 Prozent für Rücklagen des Gesamtvereins. Und der ist kerngesund.”
„Ich habe Freitag bei der Sitzung der acht Abteilungsleiter versucht, ein Konzept vorzulegen”, so Petra Oster weiter. Es ging darum, wie die Abteilung aus den Miesen kommen könnte. Doch Dietmar Burgstaller habe sie gar nicht zu Wort kommen lassen.
Weiter haben die Bezirksliga-Kicker samt Trainerstab geschlossen versichert, ohne Aufwandsentschädigung aufzulaufen. „25 555 Euro kostet die Mannschaft momentan im Jahr”, weiß Theuvsen. Darin enthalten sind jeweils 180 Euro im Monaten pro Mitglied des Trainer-Trios.
Im Januar fließen turnusmäßig mehr als 16 000 Euro Halbjahresbeiträge aufs Abteilungskonto. So könnte ein halbjährlicher Verzicht der Spieler und Trainer ausreichen, um das Loch in der Kasse deutlich zu verringern.
Scherzhaft ein Darlehen vorgeschlagen
Ein Abteilungsleiter soll am Freitag sogar vorgeschlagen haben, den Fußballern unbürokratisch unter die Arme zu greifen. Das habe Burgstaller jedoch abgelehnt. Die Frage eines anderen Abteilungsleiters, ob die Trainer bleiben könnten, wenn die Schulden der Fußballer bis zum 30. Juni 2010 getilgt würden, hat Burgstaller rigoros verneint, versichert ein Mitglied der Versammlung.
„Johanna Wicklein, die Abteilungsleiterin der Turner, hat scherzhaft gesagt, wir können der Fußballabteilung ja ein Darlehen geben”, versichern Burgstaller und Theuvsen unisono, dass niemand einen ernsthaften Vorschlag gemacht habe, weil es rechtlich gar nicht möglich sei.
Gestern erhielt die Redaktion außerdem noch einen Anruf von Lars Derpmann, aktueller Trikotsponsor bei den Fußballern vom SV Neukirchen. Er berichtete, dass er mit Dietmar Burgstaller im September 2008 in Vertragsverhandlungen für den Verein war und bereits eine mündlich Zusicherung hatte. Dann habe er einige Zeit nichts mehr von dem Vereinsboss gehört, und ihn Ende November angerufen. Burgstaller soll dann allerdings von der Vertragsunterzeichnung Abstand genommen haben, woraufhin ihn Derpmann seinerseits an die mündliche Zusage erinnerte. Daraufhin habe er einen Termin bei dem Vereinsvorsitzenden bekommen.
„Dabei eröffnete er mir”, so erinnert sich Lars Derpmann, „dass er den Vertrag nur unterschreiben wolle, wenn ich ihm im Gegenzug schriftlich geben würde, dass ich mein Sponsoring niemals mit dem Fußball-Förderverein, sondern nur mit dem SV Neukirchen machen würde.” Derpmann wollte sich nicht vorschreiben lassen, wie er mit seinen Sponsorengeldern umzugehen hat und nahm seinerseits Abstand von dem Vertrag.
Keine Gelder aus dem Förderverein
„Ich habe den Vertrag unterschrieben und darauf hingewiesen, dass wir jetzt einen Förderverein haben. Der Gesamtverein hat aber auch einen Beschluss, der da lautet, wir nehmen keine Gelder aus dem Förderverein an, solange es keine vertragliche Regelung gibt”, hält Dietmar Burgstaller dagegen.
Jetzt bleibt zu wünschen, dass sich die Parteien endlich wieder zusammenraufen – und so vielleicht doch noch Ruhe finden in der Adventszeit – und im Jahresabschluss.

0mitdiskutieren