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Gesundheit

Reha auch Jahre nach einem Schlaganfall effektiv

15.07.2010 | 16:51 Uhr
Reha auch Jahre nach einem Schlaganfall effektiv

Krefeld. Nach einem Schlaganfall müssen Reha-Maßnahmen schnell eingeleitet werden. Lange galt dieser Grundsatz. Neue Untersuchungen zeigen jetzt, dass Physiotherapie auch Jahre nach dem Schlaganfall noch Erfolge erzielen kann.

Beim Schlaganfall zählt jede Minute. Und das nicht nur bei der akuten Behandlung, auch bei der Nachbehandlung. Lange ging man davon aus, dass die Physiotherapie gleich nach dem Anfall beginnen muss, um verloren gegangene Fähigkeiten schnell wiederzuerlangen.

Neue Studien belegen jetzt aber, dass sich Lähmungserscheinungen auch noch Jahre danach mit der richtigen Physiotherapie verbessern können. Das berichten die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter Berufung auf eine Studie. „Bisher gingen Experten davon aus, dass die Erholungsphase etwa sechs Monate nach dem Schlaganfall abgeschlossen ist“, erläutert Professor Martin Grond, Vorstandsmitglied der DSG. Daher endet die Physiotherapie häufig nach einem halben Jahr.

Erfolge sind noch nach fünf Jahren möglich

Die Studie einer US-Veteranenklinik zeige jedoch, dass Patienten auch über diesen Zeitraum hinaus die Chance haben, einen Teil ihrer Unabhängigkeit zurückzugewinnen, erklärt Professor Karl-Heinz Mauritz von der Median Klinik in Berlin. Bei der Studie wurden die Auswirkungen einer intensiven Physiotherapie an Betroffenen untersucht, bei denen mehr als sechs Monate seit dem Schlaganfall vergangen waren. Der Schlaganfall lag bei der Hälfte der Patienten fünf Jahre oder länger zurück. Trotzdem erwies sich die Physiotherapie als erfolgreich. Im Rahmen der Behandlung führten die Patienten über ein Vierteljahr insgesamt 36 Trainingsstunden durch. „Dabei wurde versucht, durch gezielte Übungen Beweglichkeit und Kraft in Schulter, Arm und in der Hand zu verbessern“, erklärt Mauritz. Teilweise wurden Trainingsroboter unterstützend eingesetzt. Auch ohne Roboter lieferten die Patienten bei der Studie gleich gute Ergebnisse. „Wichtig sind die Dauer und Intensität der Übungen und der Lerneffekt“, erläutert der Experte.

Die Verbesserungen hielten über das Ende der Therapie hinaus weiter an. So konnten die Patienten sechs Monate später zum Beispiel ihre Arme besser einsetzen als vor der Therapie. Die erlernten Fähigkeiten wendeten die Betroffenen im Alltag an. Daher konnten sie ihre Lebensqualität verbessern. Kann ein Patient wieder mit Messer und Gabel essen und sich im Haushalt betätigen, ist das ein großer Schritt in die Normalität des alltäglichen Lebens. Betroffene gewinnen dadurch neuen Lebensmut und besuchen wieder Freunde und Verwandte. (mp)

DerWesten

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