„Rechtsextreme nicht ungehindert marschieren lassen”
04.12.2008 | 23:00 Uhr 2008-12-04T23:00:00+0100Siegen. Der 16. Dezember, seit Jahrzehnten in Siegen ein Tag der Erinnerung an den verheerenden Bombenangriff von 1944, könnte in diesem Jahr turbulent werden. Die NPD hat eine Kundgebung angekündigt, aber es gibt bereits einen Aufruf zur Gegendemonstration.
Siegens Polizeisprecher Georg Baum bestätigte gestern Nachmittag: „Ein Siegener Bürger, der dem rechten Spektrum zugerechnet werden kann, hat eine Veranstaltung für die Innenstadt angemeldet – „zum Gedenken an die Bombardierung Siegens am 16.12.1944”. Rund 80 Teilnehmer werden erwartet, Einzelheiten über den genauen Ort werden laut Baum „zwischen den Beteiligten”, also Polizei und der rechtsextremen Partei, „abgestimmt”.
Gestern Abend trafen sich Vertreter eines breiten Spektrums, das sich zum Bündnis „Siegen für Demokratie” zusammengeschlossen hat. Es ruft auf zu einem Protestzug „Geh Denken” unter dem Motto „Aus der Geschichte lernen – für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit”. Die Gegendemonstration soll um 16 Uhr an der Siegerlandhalle starten. In dem Aufruf heißt es: „Wir rufen alle Menschen – Junge und Alte, aus unserer Heimat, mit oder ohne deutschen Pass – auf, Rechtsextreme nicht ungehindert durch Siegen marschieren zu lassen. Gerade weil wir als Demokratinnen und Demokraten das Recht auf freie Meinungsäußerung als hohes Gut schätzen, müssen wir uns denen entgegenstellen, die die unveräußerlichen Menschenrechte mit Füßen treten und die Demokratie beseitigen wollen. Dieser Entwicklung wollen wir . . . mit unserer Demonstration und Kundgebung aktiv begegnen.”
Das Bündnis schreibt weiter: „Viele Siegenerinnen und Siegener gedenken am 16.12.2008 der Opfer der Zerstörung Siegens vor 64 Jahren. Im Ergebnis eines verbrecherischen Krieges wurde unsere Stadt zerstört und viele Menschen fanden den Tod. An die Opfer werden wir in friedlicher und würdevoller Weise erinnern. Heute, 75 Jahre später, marschieren wieder die Anhänger dieser tödlichen Ideologie, drängen in die Parlamente . . und besetzen den öffentlichen Raum. Sie machen kein Geheimnis daraus, dass sie wieder genau so handeln würden wie damals. Die Abschaffung der Demokratie und die Demontage der Bürger- und Menschenrechte ist ihr erklärtes Ziel.”
