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Beschneidung

Recht und Religion

27.06.2012 | 18:12 Uhr

Ein Jahrtausende alter Ritus ist von einem deutschen Landgericht zur Straftat erklärt worden. So einfach ist es aber nicht. Hier stehen Grundrechte einander gegenüber: Religionsfreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Es ist ein heikles Terrain, auf das sich die Richter vorgewagt haben. Sie haben es in diesem Fall nicht mit der nötigen Umsicht betreten, sondern mit einer sachlichen Argumentation, die die sonst vor Gericht übliche Beachtung von Tradition, Geschichte, Religion und Kultur weitgehend außer acht ließ.

Es ist die Frage, ob man allein mit fachjuristischem Instrumentarium diese Frage entscheiden kann. Sicherlich gibt es religiös und kulturell begründete Rituale, die verhindert werden müssen, wie die grausame Genitalverstümmelung von Frauen. Die Entfernung der Vorhaut ist damit nicht vergleichbar.

Abkehr von der Religion

Man kann das Urteil auch als Symptom dafür lesen, wie sich das Verhältnis von Religion und Recht verändert, wie fremd religiöse Gebräuche auf eine zunehmend religionsskeptische Gesellschaft wirken. Selbst der Sinn christlicher Feiertage und Riten ist vielen unverständlich geworden – wie sehr sind es dann erst die der anderen? Diese Abkehr kann man beklagen, doch muss dies nichts Schlechtes sein, im Gegenteil: Unser Gemeinwesen baut auf die Trennung von Religion und Staat. Doch die wachsende Fremdheit muss zugleich mit dem gebotenen Respekt gegenüber dem Glauben anderer einhergehen.

Auch das ist Grundlage unseres Staates und als Religionsfreiheit im Grundgesetz verankert. Verständlich, dass muslimische und jüdische Religionsvertreter vom Gesetzgeber nun Rechtssicherheit fordern. Denn bliebe es bei dem Verbot der in der Bibel verankerten Praxis, würde vielen gläubigen Juden ein Leben in Deutschland beinahe unmöglich gemacht.

Christopher Onkelbach



Kommentare
13.07.2012
15:26
Zipfelreligion und Verstümmelung.
von Elvenpath | #15

Wenn jüdisches Leben ohne das Abschneiden des Zipfels des Penis von kleinen Junsg nicht möglich sein soll, entwerten die jüdischen Vertreter ihre eigene Religion und degradieren sie zur Zipfelreligion.
Werte, Ideale, Regeln Anschauungen aus ihren heiligen Schriften sind ofenbar nichts wert, wenn man männlichen (wie chauvinistisch übrigens, Frauen wird diese direkte Verbindung zu Gott verweigert) Babies nicht am Penis herumschnibbeln kann.

Übrigens ist die Vorhaut keine Haut, sondern Fleisch! Und wenn man ein Stück Fleisch vom Körper abschneidet, welches eine Funktion hat, ist es eine Verstümmelung des Körpers. Zudem wird noch die Sexualität verstümmelt, da die Vorhaut mit besonders vielen schmerz- und berührungsempfindlichen Sensoren ausgestattet ist. Das Gefühl beim Geschlechtsverkehr wird drastisch verändert. Und Masturbation ist deutlich schwieriger (deswegen wurde in den USA die Beschneidung eingeführt).

13.07.2012
14:26
Recht und Religion
von wbartolski | #14

Ich verfolge dieses Thema in verschiedenen Online-Medien. Überall da, wo man Kommentare abgeben darf, was ja leider heutzutage in D nicht mehr so selbstverständlich ist wegen der staatlich angeordneten Zensur, sprechen sich die Menschen gegen diese unmenschlichen Kindesmisshandlungen, denn nichts anderes ist es, aus.
In einer echten Demokratie, die wir ja anscheinend nicht mehr haben, sollte man über ein so wichtiges Thema die Bürger entscheiden lassen. Auch hier, wie bei vielen anderen Themen auch, würde die überwältigende Mehrheit der Bürger sich sicherlich gegen diese Misshandlungen aussprechen.
Leider machen unsere Politiker huetzutage nur noch exakt das Gegenteil von dem, was der Volkeswille ist. Dies wird früher oder später zu einer Katastrophe führen.

1 Antwort
Recht und Religion
von wbartolski | #14-1

Weiter: Das Grundgesetz sagt ganz eindeutig aus, das diese Beschneidungen, auch wenn sie nicht direkt angesprochen werden, ganz klar gegen die körperliche Unversehrtheit eines jeden Menschen verstößt. Also, hat das Gericht richtig gehandelt. Religiöse Fanatiker sollten, zumindest hier in Deutschland, niemals Recht bekommen, egal ob christlich, muslimisch oder jüdisch.

30.06.2012
20:15
Recht und Religion
von Auntie | #13

Religionsfreiheit ist ein hohes Gut. Er ermöglich es jeden einzelnen selber zu entscheiden was er glauben will. Keine Staat kann jemanden vorschreiben was er glauben will -aber auch keine Institution. Katholiken, die beispielsweise nicht der Lehre folgen dürfen trotzdem nicht verbrannt werden.. Weil der Staat seine Bürger ohne Unterschiede schützen muss. Religion - gerade die großen haben oft einen ultimativen Wahrheitsanspruch, den ein Staat in seiner Gesetzgebung nicht anerkennen kann. Das Urteil schütz die Religionsfreiheit von Jungen, die in den Alter willenlos ihren Eltern und deren Religion ausgeliefert sind. Beschneidungen an sich sind nicht verboten worden - nur sollte den, dem es betrifft -selber entscheiden dürfen. Ein Sieg der Religionsfreiheit des Einzelnen über die Macht von Instituionen. Und in der Bibel verankerte Praxis? Laut Mose 4,15 sollte man Leute die am Sabbath arbeiten steinigen. Also sollte die Todestrafe für alle, die Samstag arbeiten?

29.06.2012
09:49
PTBS als mögliche Folge
von JuergenRohn | #12


Lassen wir mal die Wissenschaft zu Wort kommen: S. Ramos & G.J. Boyle: Ritual and Medical Circumcision among Filipino Boys. In: G.C. Denniston, F.M. Hodges & M.F. Milos: Understanding Circumcision. A Multi-Disciplinary Approach to a Multi-Dimensional Problem. 2001 Zusammenfassung: 50 % der mit Lokalanästhetikum und 69 % der rituell (ohne Lokalanästhetikum) beschnittenen Jungen erlitten dadurch eine posttraumatische Belastungsstörung.

29.06.2012
06:10
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #11

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.06.2012
16:02
Recht und Religion
von clausalleinzuhaus | #10

Sie irren sich gewaltig. Es ist ganz einfach! Irgendwelchen Zauberern
hinterher zu laufen ist eine Sache, aber völlig wehrlose Säuglinge oder kleine Jungs zu verstümmeln eine ganz andere. Wenn Eltern meinen, ihre Kinder sind ihr persönlicher Besitz, mit dem sie verfahren können wie sie oder irgendein Zauberer es meinen, dann ist es Aufgabe des Staates diese Kinder vor diesem unzivilisierten Verhalten zu schützen.

28.06.2012
11:45
Recht und Religion
von joergel | #9

Es ist bezeichnend, dass der Kommentator, obwohl er es im Leittext als Grundrecht erwähnt, in seinem Artikel überhaupt nicht mehr auf das Recht der körperlichen Unversehrtheit eingeht.

Stattdessen wirft er dem Gericht vor, "die sonst vor Gericht übliche Beachtung von Tradition, Geschichte, Religion und Kultur weitgehend außer acht" zu lassen.

Lieber Herr Onkelbach, wenn sie dem Gericht Einseitigkeit vorwerfen, dürfen sie selbst nicht so einseitig argumentieren. Damit zeigen sie sich schlicht parteiisch und machen sich selbst unglaubwürdig...

28.06.2012
11:09
Recht und Religion
von Grobian57 | #8

Der Paragraph 4 des Grundgesetzes scheint mir mit einer der am meisten mißverstandenen Regelungen in Deutschland zu sein.
Er regelt - entgegen allgemeiner Meinung - nämlich nicht, dass Jedermann mit der Begründung, etwas sei religiös motiviert, in Deutschland Beliebiges tun darf. Es regelt lediglich, dass Jedermann glauben darf, was er will. Das war früher erstaunlicherweise nicht selbstverständlich!
Die Religionsausübung, also die Ausübung religiöser Rituale ist aber nach Paragraph 140 des Grundgesetzes (in Verbindung mit dem Paragraphen 136 der Weimarer Verfassung, auf den im §140GG verwiesen wird) an die Einhaltung der "bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten" gebunden. Oder anders ausgedrückt: Auch bei der Ausübung religiöser Rituale muß man sich an die Gesetze halten.
Wer unter diesen "religionsfeindlichen" Umständen nicht länger hier leben kann, sage mir bitte Bescheid. Ich helfe dann packen.

28.06.2012
10:43
Recht und Religion
von Dawadochwas | #7

Das ist doch endlich mal ein Ansatz für ein friedliches Miteinander
von Juden und Moslems. Na bitte!

28.06.2012
10:27
Wenig überzeugender Kommentar
von trapper | #6

Herr Onkelbach fordert "Umsicht" in solchen Angelegenheiten, eine Umsicht, die über das "fachjuristische Instrumentarium" und eine "sachliche Argumentation" hinausgeht. Gleichzeitig sagt er aber aber auch:
"Es ist die Frage, ob man allein mit fachjuristischem Instrumentarium diese Frage entscheiden kann. Sicherlich gibt es religiös und kulturell begründete Rituale, die verhindert werden müssen, wie die grausame Genitalverstümmelung von Frauen. Die Entfernung der Vorhaut ist damit nicht vergleichbar."
Jetzt frage ich mich, wo er denn hier die Grenze ziehen möchte und wie er diese dann begründen will. Doch wohl nicht mit dem vorher abgelehnten fachjuristischem Instrumentarium bzw. einer sachlichen Argumentation, denn beide werden der Sache ja angeblich nicht gerecht.
Das Recht auf körperliche Unversehrtheit steht über dem Recht auf freie Religonsausübung und Ersteres ist unabhängig davon, wie groß der Eingriff ist, ob er der medizinischen Vorsorge dient usw.

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