Rat: acht verkaufsoffene Sonntage
25.02.2009 | 19:38 Uhr 2009-02-25T19:38:00+0100Siegen. In einer langen, zum Teil von heftigen Emotionen gekennzeichneten Debatte stimmte der Stadtrat am Mittwochabend für acht verkaufsoffene Sonntage in den vier Siegener Stadtbezirken. In geheimer Abstimmung votierten 33 Ratsmitglieder mit Ja, 26 lehnten die sonntägliche Öffnung der Geschäfte ab
Dazu gab es eine Enthaltung.
In der zum Teil hitzigen Diskussion drehten sich die Redebeiträge um die Aspekte „Werte” und „Kaufkraft”. Gegner und Befürworter beider Seiten gab es in allen Fraktionen.
So wurde befürchtet, dass der Einzelhandel in Siegen geschwächt werden könne, wenn es in der Stadt keine verkaufsoffenen Sonntage gebe, dafür aber das Umland mit offenen Läden locke. Die Kaufkraft anzuziehen sei auch im Sinne der Angestellten des Einzelhandels in der Stadt. Zwei offene Sonntage im Jahr pro Stadtgebiet seien keine besondere Belastung für die Verkäuferinnen. Auch Freizeiteinrichtungen und Tankstellen hätten sonntags geöffnet. Im Übrigen habe sich das Freizeit- und Konsumverhalten der Bürger in den vergangenen Jahren sehr verändert.
Sonntagsarbeit müsse eingeschränkt und nicht ausgeweitet werden, argumentierten die Gegner, Konsum könne nicht an oberster Stelle der Werteliste stehen. Der mögliche Verlust der Kaufkraft jage den Menschen größere Angst ein als der Wegfall von Werten, hieß es.
Die Gegner der verkaufsoffenen Sonntage sprachen sich vehement für ein „Nein” aus; nur so könne die Spirale des Werteverlustes durchbrochen werden.
Kommentar
Von Wolfgang Thomas
Acht verkaufsoffene Sonntage in diesem Jahr – das sind aus Sicht der Beschäftigten im Einzelhandel und ihrer Gewerkschaft exakt acht zuviel. Auch wenn jedes Siegener Einkaufszentrum nur zweimal an der Reihe ist: Das heißt für jede Verkäuferin, jeden Verkäufer zweimal Verzicht auf einen Sonntag mit der Familie, zweimal einen Marathon mit Menschenmassen zwischen den Regalen und an den Kassen.
Acht verkaufsoffene Sonntage – das sind wahrscheinlich auch für viele Händler acht zuviel, weil sich erfahrungsgemäß gerade für kleinere Geschäfte die Sonntagsöffnung nicht rechnet. Doch die Inhaber müssen mitmachen, weil zumindest die Kaufhäuser und die City-Galerie auf jeden Fall dabei sind.
Acht verkaufsoffene Sonntage in diesem Jahr – an ihnen führt, und so hat es ja auch die Ratsmehrheit gesehen, trotz alledem kein Weg vorbei. Siegen würde sonst Gefahr laufen, im Wettbewerb der Einkaufsstädte mächtig an Boden zu verlieren. Weil Einkaufen nicht mehr nur dazu dient, den täglichen Bedarf zu decken, sondern weil es längst zu einem Erlebnis hochstilisiert wurde.
Dieses Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen, und so gibt es nur zwei Alternativen: Entweder Siegen heult mit der Konkurrenz bis nach Wetzlar und Gießen und präsentiert sich als Einkaufsstadt, deren Besuch auch in der Woche lohnt, oder es gibt eine Regelung, die verkaufsoffene Sonntage bundesweit unmöglich macht. Diese Variante wäre die richtige, darauf zu warten und bis dahin einen Siegener Alleingang zu starten allerdings wäre ein Wagnis mit kaum absehbaren Folgen.

0mitdiskutieren