Preisverleihung in Cannes
25.05.2009 | 06:15 Uhr 2009-05-25T06:15+0200"Das weiße Band" von Regisseur Michael Haneke ist in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden.
Der österreichische Filmemacher Michael Haneke ist beim Filmfest in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt worden. Die Jury kürte Haneke mit seinem in Deutschland gedrehten Film «Das weiße Band» am Sonntagabend zum Gewinner des Wettbewerbs. Es war das erste Mal seit Jahren, dass Haneke auf Deutsch gedreht hatte; in dem Film über eine deutsche Kindheit vor dem Ersten Weltkrieg spielen unter anderem Ulrich Tukur und Susanne Lothar.
Haneke sagte nach der Bekanntgabe der Auszeichnung, seine Frau frage ihn bisweilen, ob er glücklich sei - «heute kann ich sagen, dass ich sehr glücklich bin». Der 67-jährige Österreicher war mit seiner deutsch-österreichisch-französischen Koproduktion im Wettbewerb gegen Schwergewichte wie Oscar-Preisträger Ang Lee aus Taiwan und US-Kultregisseur Quentin Tarantino angetreten. Insgesamt gingen 20 Regisseure ins Rennen um die Goldene Palme.
Christoph Waltz ist bester Schauspieler
Den Vorsitz der Jury hatte die französische Schauspielerin Isabelle Huppert, die 2001 «Die Klavierspielerin» mit Haneke gedreht hatte. Sie kündigte den Preis für Haneke «mit einer gewissen Emotion» an. Der Filmemacher bekam im Laufe seiner Karriere schon etliche Preise verliehen, unter anderem in Cannes für die beste Regie für «Caché» vor vier Jahren. Im deutschen Kino war von Haneke zuletzt «Funny Games U.S.» zu sehen. Sein Schwarzweißfilm «Das weiße Band», der jetzt in Cannes Weltpremiere hatte, spielt am Vorabend des Ersten Weltkrieges in Norddeutschland.
Ebenfalls ein Österreicher bekam in Cannes den Darstellerpreis: Christoph Waltz wurde die Auszeichnung für seine Rolle als SS-Offizier in Tarantinos «Inglourious Basterds» verliehen. Als beste Schauspielerin wurde die Französin Charlotte Gainsbourg geehrt, die der Festivalleitung dafür dankte, den umstrittenen Film «Antichrist» für den Wettbewerb ausgewählt zu haben. Das jüngste Werk des dänischen Filmemachers Lars von Trier sei ihre bislang «intensivste, schmerzhafteste und aufregendste Erfahrung», sagte die 37-Jährige. Der französische Filmemacher Alain Resnais wurde für sein Lebenswerk geehrt.
Mit der Vergabe der Goldenen Palme ging das glamouröse Filmfest an der französischen Riviera zu Ende, das am Mittwoch vergangener Woche begonnen hatte und diesmal wegen der Wirtschaftkrise deutlich bescheidener ausgefallen war. Als Abschlussfilm wurde «Coco Chanel & Igor Stravinsky» vom niederländischen Regisseur Jan Kounen gezeigt. Vergangenes Jahr war der französische Regisseur Laurent Cantet für «Die Klasse» mit der Goldenen Palme geehrt worden. (afp)