Porzellanmalerei ist eine Sucht

Erika Diehn ist eine Porzellanmalerin.
Erika Diehn ist eine Porzellanmalerin.
Foto: Dietmar Wäsche

Bergkamen.. Gelb frisst rot, rosapurpur wirkt blass besser und mit Spiritus lässt sich Porzellanfarbe ganz fix retuschieren. Doch die Frau, die die Farbe mit dünnem Pinselstrich so gern auf Teller, Tassen und Vasen bannt, muss das einmal Gemalte nur selten korrigieren.

Erika Diehn lebt ihren Traum von der Porzellanmalerei und ist glücklich mit den unzähligen Exponaten, die sie im Laufe der vergangenen Jahre geschaffen hat.

Zehn Jahre alt war sie, als sie in Linz am Rhein hinter einer Scheibe eine Frau entdeckte, die Porzellan bemalte. Ein Bild, das sie ihr Leben lang nicht wieder los ließ. „Meine Oma musste mich damals dort wegtrommeln, von allein wäre ich nicht gegangen“, erinnert sich die 68-Jährige heute. Jahrelang hat sie davon geträumt, reines, pures Porzellan mit Motiven, Formen und Farben zu bemalen. Mit 60 endlich hatte sie Zeit genug, den lang gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen. Sie besuchte unzählige Seminare, in Fürstenberg, in der Schweiz, in Bayern. Und inzwischen ist Erika Diehn als Porzellanmalerin gefragt, gibt selbst Kurse bei der VHS und will auf jeden Fall die filigrane Kunst in Bergkamen publik machen. Denn das Hobby kann zur Sucht werden: An weißem Porzellan, egal welcher Form, kommt sie nicht vorbei. Es ließe sich ja bemalen. Zuhause, in ihrem Arbeitszimmer, stapeln sich in einem Regal noch die Rohlinge. Fünf, sechs Services hat sie bereits bemalt, für zwölfteilig, für den Kaffeetisch. Vergissmeinnicht, Rosen, Pflaumen, Mispeln schmücken Teller und Tassen. „Das Schönste ist die innere Ruhe, die mir das Malen bringt“, sagt Erika Diehn. Stundenlang kann sie malen, auch nachts. Und inzwischen teilt sie ihre Leidenschaft nicht nur mit den Teilnehmerinnen ihres VHS-Kurses, sondern mit Porzellanmalern auf der ganzen Welt. Denn Erika Diehn hat das Internet entdeckt, sich kurzerhand bei Facebook angemeldet und findet in der Gruppe der Porzellanmaler Gleichgesinnte, die sich aus Kanada, Italien und Griechenland melden und mit ihr austauschen. „Wenn die mir schreiben, dass ihnen meine Kunst gefällt, gehe ich auf Wolken“, lacht Erika Diehn. Doch ihr eigentliches Ziel, die Porzellanmalerei in Bergkamen bekannter zu machen, verliert sie dabei nicht aus den Augen. Schließlich kommt sie aus Marl, dort sei diese filigrane Kunst viel bekannte, dasselbe wünscht sie sich auch für die Nordbergstadt. Wer mehr über das Geheimnis der dreizehn Farben, die Kunst des Brennens und des Porzellans erfahren möchte, kann sich gerne bei ihr melden – Erika Diehn ist telefonisch unter 87693 zu erreichen – wenn sie nicht gerade Zerbrechliches mit Kunst versieht.