Pokalschreck FC Kosova will mit Disziplin nach oben
12.01.2010 | 18:16 Uhr 2010-01-12T18:16:00+0100
Hagen. Zwei Spielzeiten in Folge verpassten die Kreisliga-B-Fußballer von Kosova Hagen um Haaresbreite den Aufstieg in die A-Liga. Auch in der laufenden Saison kann sich das kosovarische Team berechtigte Hoffnungen auf die Meisterschaft machen.
Mit 40 Punkten rangiert Kosova als Tabellenzweiter nur einen Zähler hinter Ligaprimus Berchum/Garenfeld II. Und ist darüberhinaus als Halbfinalist letzter Hagener Vertreter im Kreispokal.
Die Strippen im Hintergrund bei den Kosovaren zieht ein Deutscher. Seit 2007 steht Michael Kutsche als 1. Vorsitzender dem Verein vor. Eher durch Zufall kam der 50-jährige Fahrlehrer damals zu Kosova. „Ich habe in einer albanischen Fahrschule in Hagen gearbeitet. Dort haben mich zwei Fahrschüler angesprochen, die noch einen Coach für die zweite Mannschaft suchten”, blickt der Iserlohner zurück, der spontan zusagte. „Dann hat man mich gefragt, ob ich übergangsweise auch den Vorsitz des Vereins übernehmen könnte.” Es wurde eine Dauerlösung.
Dass die Arbeit in einem ausländischen Klub in mancher Hinsicht schwieriger ist als in einem anderen Verein, dessen ist sich Kutsche bewusst: „Die Disziplin und Mentalität ist anders als in einer deutschen Mannschaft”, vergleicht der Klubchef. „Da ist Durchsetzungsvermögen elementar. Viele von den Jungs sind auf der Straße groß geworden.” Kernelemente in seiner Arbeit als Vorsitzender und Reservetrainer zugleich sind für Kutsche, der bis zu einer schweren Knieverletzung in der Jugend beim TuS Iserlohn kickte, Fairness auf dem Spielfeld und die positive Außendarstellung des Vereins: „Wir werden mit vielen Vorurteilen konfrontiert und wollen vom schlechten Image weg.”
Nachdem Kosova 2006 aus der C-Liga in die Kreisliga B aufstieg, verpasste man nun zwei Jahre hintereinander knapp in der Relegationsrunde den Sprung in die A-Liga. „Diese Spannung kann ich mir nun wirklich nicht noch einmal antun”, hofft Kutsche nun auf den direkten Aufstieg.
Bemerkenswert liest sich die Vita der Kosovaren im Kreispokal. In der letzten Saison bezwang man Landesligist Hasper SV, im aktuellen Wettbewerb musste dessen Klassenrivale SSV Hagen gegen das Team von Trainer Hassan Bungu die Segel streichen. „Gegen höherklassige Gegner sind wir immer besonders motiviert. Wir sind wohl einfach unterschätzt worden”, sagt Kutsche. Gegen Bezirksligist SC Obersprockhövel steht man aktuell im Halbfinale.
Zwei Seniorenteams und rund 40 aktive Fußballer zählen aktuell zur Kosova-Familie, in der mit Tim Wilkes auch ein Deutscher zuhause ist. Ebenfalls „Ausländer” im kosovarischen Klub ist Sascha Claußnitzer - „Mädchen für alles” und Co-Trainer der zweiten Mannschaft. „Nebenbei fülle ich die Spielberichte aus, wasche die Trikots und erledige den Rest, der abseits des Spielfeldes noch so anfällt”, sagt der 32-Jährige.
Für die Zukunft wünscht sich Kutsche den Aufstieg des weitgehend aus Beiträgen finanzierten Klubs („Es ist schwer, als ausländischer Verein deutsche Sponsoren zu finden") in die Kreisliga A, um sich dort dann nach Möglichkeit zu etablieren. Dass hierfür noch ein hartes Stück Arbeit vor den Verantwortlichen liegt, ist dem Fahrlehrer klar, „Man muss schon manchmal hart durchgreifen, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Nur mit Disziplin sind unsere Ziele mit den gegenwärtigen Möglichkeiten im Klub zu erreichen.”

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