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Parteien verlangen Strafverfolgung

27.07.2009 | 20:30 Uhr
Parteien verlangen Strafverfolgung

Siegerland. Wahlwerbeplakate sind in diesem Sommer bevorzugtes Objekt der Zerstörungswut von Unbekannten. Überall klagen Parteien und ihre Kandidaten über die Vorgänge, die richtig ins Geld gehen können. Politische Motive drängen sich auf.

Siegerland. Wahlwerbeplakate sind in diesem Sommer bevorzugtes Objekt der Zerstörungswut von Unbekannten. Überall klagen Parteien und ihre Kandidaten über die Vorgänge, die richtig ins Geld gehen können. Politische Motive drängen sich auf.

Das liege nahe, sagte Netphens Bürgermeister Rüdiger Bartsch unserer Zeitung. Immerhin tauchten an denselben Stellen, an denen Werbung für demokratische Kandidaten zerstört wurde, NPD-Plakate auf. Irritiert zeigte sich Bartsch, dass der Verwüstungszug am Wochenende anscheinend unbeobachtet geschen konnte. „Die haben selbst unter hellen Laternen keine Scheu.”

Die Netphener SPD und Bürgermeisterkandidat Paul Wagener haben nach der Zerstörung ihrer Wahlplakate durch bislang unbekannte Täter Strafanzeigen erstattet. Wagener, der für SPD, UWG, FDP und Grüne kandidiert, beziffert seinen Schaden auf rund 4 400 Euro. „Zuerst gegen die Meinungsfreiheit, dann gegen die Menschen”, schreibt Wagener. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionschef Manfred Heinz, der als Kreistagskandidat auch persönlich betroffen ist - ein Drittel seiner Plakate, die er am Samstag in drei bis vier Metern Höhe befestigt hatte, war am Sonntag abgerissen. „Antidemokratische und extremistische Kräfte wollen die Demokraten einschüchtern”, erklärt Heinz. SPD-Vorsitzende Annette Scholl verlangt eine polizeiliche Aufklärung: „Wer die Plakate nicht duldet, duldet auch keine anderen Meinungen.”

Von dem Vorfall in Netphen ist auch die CDU betroffen: „Unsere sämtlichen Großplakate wurden zerstört”, berichtet Kreisgeschäftsführer Werner Müller. Wolfgang Decker, Einzelberwerber für das Bürgermeisteramt in Netphen, hat sich schon vor der endgültigen Zerstörung seiner Wahlwerbung mit Schmierereien abfinden müssen: „Das hat mich stark getroffen.” Das nun fällige Aufräumen hat Bürgermeister Bartsch mit der Aufforderung an die Bewerber verbunden, Plakate von Bushaltestellen und Lärmschutzwänden zu entfernen. „Ich habe die Parteien gebeten, sich zusammenzunehmen.”

NPD–Anhänger hinterließen Spuren

Walter Kiß, SPD-Bürgermeisterkandidat in Kreuztal, ist - wie auch sein Parteifreund Horst Fischer in Freudenberg - mit roter Farbe „beschossen” worden: Ein roter Fleck prangt mitten auf der Stirn der beiden Bewerber um das Bürgermeisteramt. Kiß: „Ein simulierter Kopfschuss hat eine andere Qualität, als wenn einem ein Schnurrbart angemalt würde.” Der Politiker sieht darin allemal eine „versteckte Bedrohung”, ganz abgesehen von den Kosten für das Überkleben der beschädigten Plakate.

Davon weiß auch FDP-Kreisspitzenkandidat Guido Müller zu berichten. Zuletzt musste ein großformatiges Wahlplakat in Heisberg überklebt werden, an dem NPD-Sympathisanten sich illegal zu schaffen gemacht hatten; ähnliches passierte in Freudenberg auch der CDU. Jeden Abend fährt Müller durch seinen Wahlbezirk in Siegen-Mitte und auch im angrenzenden Kreisgebiet herum, um vernichtete Wahlständer und -plakate einzusammeln und zu entsorgen. „Damit bin ich rund um die Uhr beschäftigt”, sagt Müller. Und: „So schlimm war es noch nicht.” Der parteilose Bürgermeisterkandidat Rainer Beel aus Freudenberg hat ähnliche Erfahrungen. Seit Wochen muss er die von Künstlern gestalteten Fahnen mit seinen Wahlslogans erneuern.

Aus Netphen wurde von der Partei „Die Linke” mitgeteilt, dass am frühen Samstagmorgen gegen 4 Uhr ein Kommunalwahlkandidat „unsanft aus dem Bett geklingelt” worden sei. Vor seiner Tür fand er zehn demolierte Wahlplakate seiner Partei, die im Raum Netphen entfernt worden waren. Schon zu Ostern sei das Auto eines parteilosen Kandidaten der „Linken” demoliert worden. Der Staatschutz ermittelte, konnte jedoch die Täter nicht einwandfrei überführen.

Rüdiger Marten, stellvertretender Leiter der Staatsschutzabteilung im Polizeipräsidium Hagen, nennt das Siegerland „keinen besonderen Schwerpunkt” solcher Vorkommnisse, die er als „politisch motivierte einfache Straftaten” bezeichnet. Doch: „Sachbeschädigung bleibt Sachbeschädigung, Diebstahl bleibt Diebstahl.” Und das werde verfolgt. sw/hn

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Kommentare
09.08.2009
23:22
Parteien verlangen Strafverfolgung
von Max | #21

Nun, in der ganzen Bundesrebuplik werden NPD-Plakate abgerissen verbrannt und übermalt. Viele Täter stellen besagte Straftaten dann noch ins Netz und tortzdem laufen die meisten eingeleiteten Vefahren ins leere. Passiert dies aber bei besagten Demokraten gibt es direkt einen Aufschrei in der Presse. Daher hält sich mein Mitgefühl in Grenzen.

02.08.2009
00:14
Parteien verlangen Strafverfolgung
von Ehemaliger sPD Wähler | #20

Man sieht doch die Politköppe jeden Tag zu irgendeiner noch so lächerlichen Gelegenheit in der Zeitung (bei uns in Iserlohn Bogatzki cDU ) dem sein dämliches Lachen einen entgegenspringt, dann will doch keiner mehr Wahlplakate sehen.............

31.07.2009
21:51
Parteien verlangen Strafverfolgung
von juergengojny | #19

Wollen die Parteien nach dem 30. August auch die Strafverfolgung der Wähler in die Wege leiten, weil ihnen das Ergebnis nicht paßt?

31.07.2009
19:33
Parteien verlangen Strafverfolgung
von marwang | #18

das geld für die dämlichen plakate sollte man lieber den kindergärten geben

29.07.2009
23:28
Parteien verlangen Strafverfolgung
von Hansi | #17

Diese sogenannten Parteien sind mit ihrem intellektuellen Level auf dem Niveau des vergangenen Jahrtausends stehen
geblieben.
Sie haben keine Zukunft mehr.
Nur begriffen haben sie es noch nicht.

29.07.2009
15:27
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.07.2009
12:21
Parteien verlangen Strafverfolgung
von Ronsdorf | #15

@Werner Riesenhuber:
Nicht ganz. Dafür gibt es eine fette Wahlkampfkosten-Entschädigung. Anders formuliert: Wir Wähler werden - ob wir wollen oder nicht - nach Strich und Faden verscheissert und mit grenzdebilem Werbemüll zugeschüttet, dürfen diese Ur-demokratische Massnahme dann nach brav mit unseren Steuern finanzieren. Ich weiss, ich sollte jetzt dankbar sein. Trotzdem kommt mir die Galle hoch, wenn ich jetzt durch die Stadt gehe!

29.07.2009
12:03
Parteien verlangen Strafverfolgung
von Werner Riesenhuber | #14

Plakate sind nur unnötige Kosten, die die Partei dann als Werbungskosten von der Steuer absetzt....also müssen wir alle dann den jahrzehntelangen Blödsinn
bezahlen. Die Parteien sollten das viele Geld lieber
für Hartz4 Empfänger ausgeben, dann könnten die dazu beitragen dass die Wirtschaft angekurbelt wird

28.07.2009
23:55
Parteien verlangen Strafverfolgung
von Nils | #13

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Diese sinnlose Marketing mit dem Gießkannen-Prinzip. Immer schön auf alle drauf mit der Botschaft oder manchmal auch nur mit dem eigenen Abbild. Die Reduktion auf die eigene Zielgruppe wäre nicht nur billiger, sondern auch viel effektiver.
Jeder Konsumgüterhersteller weiß, ob er seine Produkte zum Beispiel besser im Seniorenkreis (z.B. im ZDF-Vorabendprogramm) oder bei Männern (z.B. Sportschau) bewirbt, und dass die Botschaft indviduell auf die Zielgruppe zugeschnittet sein muss. Aber die Parteien, die ja die Weichen für die Zukunft stellen wollen, kriegen es nicht auf die Reihe, ihre Zielgruppe(n) individuell und mit der passenden Botschaft anzusprechen. Und dass man sich am Wahlabend dann wieder über eine Wahlbeteiligung von nur 68% wundert, schlägt dem Fass Weltfremdheit dann noch den Boden aus. Das Fazit wird wieder lauten wir konnten unserer Wähler nicht mobilisieren und dann fragt man sich einerseits wenn wunderts? und andererseits habt ihr überhaupt noch Wähler?
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28.07.2009
20:01
Parteien verlangen Strafverfolgung
von robsiegen | #12

Die Plakate nerven, insb. beim Fotografieren. Stadtbildaufnahmen kann man die nächsten zwei Monate abhaken. Dass sie nichts bringen, meldete auch schon der WDR. Und dann meinen die Parteien ja auch noch die Kandidaten wie Models per Photoshop retuschieren zu müssen.... Darauf kommt es also in der Politik an: Kaschieren und Verdecken.

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