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Parkinson beginnt meist unauffällig

13.08.2010 | 16:21 Uhr
Parkinson beginnt meist unauffällig
Die Parkinson-Erkrankung beeinflusst die Lebensqualität meist stark. Viele Betroffene versuchen ihre Krankheit zu verbergen.

Frankfurt/Main. Die Parkinson-Erkrankung beginnt meist unauffällig. Ab und zu zittert die Hand, langsam kommen weiterer Bewegungsstörungen hinzu. Doch neben den körperlichen Beschwerden kommen auch seelische hinzu.

Ein Zittern der Hand, damit fängt es oft an. Schleichend kommen weitere Bewegungsstörungen hinzu. Bei völlig klarem Verstand müssen Parkinson-Patienten hinnehmen, dass der Körper einfach nicht mehr mitspielt. Medikamente können die Symptome anfangs in lindern. Doch die benötigte Dosis wird schnell größer, leicht nehmen Nebenwirkungen überhand. Die Lebensdauer wird durch die neurologische Erkrankung zwar kaum beeinträchtigt. Wohl aber die Lebensqualität. Viele Betroffene ziehen sich zurück in die Isolation.

„Schuhe zubinden, Kleidung anziehen oder Zähne putzen - die einfachsten Dinge machen plötzlich Schwierigkeiten“, sagt Hermann Terweiden, der seit vielen Jahren an Parkinson leidet. Ein weiteres Problem sei, dass man mit den Symptomen der Krankheit „auffällig“ wird. Um trotz Zittern und unsicherem Gang in der Öffentlichkeit einen möglichst „normalen“ Eindruck zu machen, habe er wie viele andere Patienten auch lange Zeit versucht, zu tarnen und zu tricksen. „Das ist eine Sache, die natürlich viel Kraft kostet.“

Mangel an Dopamin ist die Ursache

Bei der im Deutschen auch Schüttellähmung genannten Krankheit kommt es durch langsam fortschreitende Zerstörung von Zellen im Gehirn zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin. Dies beeinträchtigt vor allem die Kontrolle der Bewegung. „Parkinson ist eine Krankheit, die zu einer gewissen Stigmatisierung der Betroffenen führt, weil man ihnen trotz optimaler Einstellung der Medikation die Symptome häufig ansehen kann“, sagt der Herforder Neurologe Matthias Sitzer. Sowohl bei den Patienten selbst als auch in ihrem Umfeld könne das leicht Akzeptanzprobleme mit sich bringen.

„Ein entscheidender Punkt ist, dass die Krankheit nicht einfach von einem Tag auf den anderen beginnt, sondern einen langen Vorlauf hat“, erklärt Sitzer. Patienten hätten oft über viele Jahre bereits Symptome, die allerdings häufig so unspezifisch seien, dass sie der Erkrankung nicht zugeordnet werden können. „Typische Frühsymptome sind etwa schmerzhafte Schultern, Rückenverspannungen, zum Teil aber auch bestimmte affektive Störungen, dass die Patienten zu Depressionen neigen, ganz oft auch Schlafstörungen.“

Wohnprojekt und Selbsthilfegruppe

Hermann Terweiden hatte schon in seiner Jugend mit Bewegungsstörungen zu kämpfen. Eine eindeutige Diagnose bekam er jedoch erst mit 42. Ein bisschen sei es damals auch wie eine Erlösung gewesen, endlich Gewissheit zu haben. „Es ist wichtig, dass man nicht in Panik verfällt, sondern dass man erst mal versucht, Ruhe einkehren zu lassen, sich einen Überblick zu verschaffen“, sagt der heute 60-Jährige. Im hessischen Florstadt-Staden gründete Terweiden ein Wohnprojekt, dass ganz auf die Bedürfnisse von Parkinson-Kranken eingerichtet ist, außerdem einen Selbsthilfe-Verein und eine Stiftung zur Forschungsförderung. Seine eigenen Erfahrungen gibt er heute in Beratungsgesprächen an andere Betroffene weiter.

Berufstätige, die an Parkinson erkranken, nehmen oft viele Medikamente. Anders könnten sie die erwartete Leistung nicht erbringen. (Bild: Imago)

Deutschlandweit sind rund 200.000 Menschen von Parkinson betroffen. Die überwiegende Mehrzahl erkrankt erst in höherem Alter, meist erst nach dem 50. Lebensjahr. Etwa zehn Prozent sind bei Diagnosestellung allerdings noch jünger als 40. „Für junge Menschen, die noch berufstätig sind, ist das natürlich eine Katastrophe - unter dem zunehmenden Leistungsdruck haben die kaum eine Chance, irgendwo am Ruder zu bleiben“, sagt Terweiden. Nur wenige hätten das Glück, einen Vorgesetzten zu haben, der sie unterstützt und in Bereichen einsetzt, wo sie krankheitsgerecht arbeiten können. Die meisten sähen daher keine andere Möglichkeit als den verstärkten Einsatz von Medikamenten.

Krankengymnastik ist wichtig

Eine intensive medikamentöse Therapie ist fast immer zentraler Bestandteil bei der Behandlung von Parkinson. „Medikamente gibt es sehr viele, unterschiedlichster Art“, sagt der Herforder Neurologe Sitzer. Zum Teil seien die Medikamente sehr effektiv, viele hätten allerdings auch nicht ganz unerhebliche Nebenwirkungen. „Am Anfang war ich von den Medikamenten auch begeistert“, sagt der Parkinson-Patient Terweiden. „Wieder richtig laufen können, nicht mehr zittern - das ist wie in einem Rausch. Aber mit der Zeit holen immer mehr Nebenwirkungen die guten Wirkungen ein.“ Bei Langzeitbehandlung oder Überdosierung könne es sowohl zu extremen Überbewegungen kommen als auch zu Halluzinationen. Inzwischen sucht Terweiden daher verstärkt nach alternativen Lösungen.

„Was in jedem Fall zur Therapie dazugehört, ist eine intensive Krankengymnastik“, erklärt Sitzer. Seine Klinik in Herford biete neben klassischer Physiotherapie auch besondere Tanzstunden extra für Parkinson-Kranke an. Vielfach seien solche Maßnahmen mindestens genauso wirksam wie die medikamentöse Therapie, sagt der Neurologe. Aufhalten könne man die Krankheit allerdings weder durch das eine noch durch das andere. „Bei allem geht es im Grunde nur darum, den Patienten immer wieder so zu behandeln, dass er gemäß seines Stadiums eine optimale Lebensqualität hat.“ (apn)

DerWesten

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