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Interview

Oliver Kalkofe - Der Rächer der Entnervten

14.09.2009 | 06:59 Uhr
Oliver Kalkofe - Der Rächer der Entnervten

Essen. Den Antihelden des deutschen Fernsehens Oliver Kalkofe („Kalkofes Mattscheibe”) verschlägt's wieder auf die Bühne: Vor dem Start seiner Tour-Fortsetzung sprachen wir mit dem Meister der Mediensatire über TV-Schrott, deutschen Humor und beleidigte Promis.

Herr Kalkofe, können Sie eigentlich noch vor dem Fernseher abschalten – oder müssen Sie dafür abschalten?

Kalkofe: (lacht) Nein, ich habe da ein ähnliches Problem wie zum Beispiel ein Fliesenleger. Der muss im Bad immer nachschauen, ob auch alles richtig verfugt wurde – anstatt sich daran zu erfreuen, dass das Bad schön sauber ist. Und so geht es mir mit dem Fernsehen.

Ihr professioneller Blick auf das TV-Geschehen hat wunderbare Parodien auf Uri Geller oder Bruce Darnell hervorgebracht. Damit sich die Rechtsabteilungen diverser Sender schon einmal darauf einstellen können: Wer sind Ihre nächsten Opfer?

Kalkofe: Geller wird auch bei meinen kommenden Live-Auftritten eine Zielscheibe sein. Seine „Ufos & Aliens”-Show haben leider zu wenige Menschen gesehen, da muss man einfach weiter was drüber machen. Vielleicht sind auch „Gräfin gesucht” oder „Giulia in Love?!” meine Themen. Mal gucken.

Gab es mal einen Prominenten, der Ihnen nach einer Verarbeitung in „Kalkofes Mattscheibe” Prügel angedroht hat?

Kalkofe: Bisher noch nicht. Bei manchen hatte ich wirklich Bedenken, z.B. bei Kay One oder Bushido. Das sind oft Leute, die jung, ungehalten und bewaffnet sind. Aber selbst die konnten darüber lachen. Wie eigentlich die meisten meiner Opfer. Oder wenigstens haben sie so getan.

Von Bernd Ulrich vom Schlager-Duo Amigos, das Sie in Ihrer Sendung als „weinerliche Wasserleichen” verunglimpft haben, darf ich Ihnen das Folgende ausrichten: „Hättest du in der Schule besser aufgepasst, müsstest du nicht auf solche Art und Weise dein Geld verdienen”...

Kalkofe: Ja, ein großartiges Zitat! Das habe ich irgendwo mal in einem Interview gelesen.

Stimmt, bei uns. Ich habe aus unserer Ausgabe vom 30. Juli zitiert.

Kalkofe: Toll! Er hat Recht, ich hätte aufpassen sollen. Hätte ich wie er den Doktor gemacht, könnte ich ja jetzt als dritter Amigo dabei sein...

Eine reizvolle Idee...

Kalkofe: (lacht) Ja, aber dafür verkaufe ich mein Abitur nicht.

Und wie kommen Sie mit Witze-Papst Fips Asmussen klar, dem Sie schon mal die Batterien aus der Mütze klauen wollten?

Info
Oliver Kalkofe live:

6.10. Düsseldorf (Savoy Theater, Tickets: 0211 / 32 91 91)

19.10. Menden (Wilhelmshöhe)*

20.10. Recklinghausen (VestArena)*

Karten (*) gibt es für ca. 24-27 € in unseren TICKET-SHOPs unter 01805/280123, www.DerWesten.de/tickets

Kalkofe: Ich komme prima mit ihm zurecht. Aber ich glaube, er nicht mit mir. Auf seiner Homepage, wo er den „Joke der Woche” präsentiert, gab es eine Zeit lang Anti-Kalkofe-Witze. Die habe ich dann auf der Bühne präsentiert. Und ich habe sein Buch „Lachen ist gesund” als Hörbuch eingesprochen – mehr kann man einen Menschen kaum ehren.

Viele Menschen halten das Privatfernsehen für die Keimzelle allen TV-Übels. Andererseits: Würde es Sie ohne Privatfernsehen überhaupt geben?

Kalkofe: Bestimmt nicht. Inzwischen hat sich das Privatfernsehen selber in die Bedeutungslosigkeit gesendet und uns mitleiden lassen. Leider haben sich ARD und ZDF in dieser Zeit tot gestellt und dem Privat-TV ein unglaublich verschnarchtes Programm entgegengestellt – in der Hoffnung, dass keiner merkt, dass es das öffentlich-rechtliche TV überhaupt noch gibt. Sonst kommt womöglich noch einer auf die Idee zu fragen: „Wozu bezahlen wir eigentlich noch unsere Gebühren?” Auf die Öffentlich-Rechtlichen bin ich deshalb fast noch wütender.

Das klingt etwas zynisch: Eben diese Zustände in den Sendern ermöglichen erst ihre Arbeit. Der Müll, den die Sender zeigen, versorgt Sie mit frischem Material...

Kalkofe: Ja, aber meine Arbeit ist eine besondere Form des Recyclings. Ich schaffe aus dem Schrott ein eigenes Werk, das dann aber auch genauso kritikfähig ist. Ich muss mir schließlich auch gefallen lassen, dass manche sagen: „Herr Kalkofe, das war aber blöd.”

Hat sich denn schon jemand mal an einer Kalkofe-Parodie versucht?

Kalkofe: Nein, was ich auf eine Art sehr bedauerlich finde. Aber wenn sie gut gemacht wäre, würde ich sie gerne einmal sehen.

Sie synchronisieren auch die englische Sketch-Reihe „Little Britain”, die in Deutschland leider nur auf Comedy Central gezeigt wird...

Kalkofe: Ja, demnächst bin ich wieder im Studio, wir sprechen sechs neue Folgen ein.

Haben Sie eine Lieblingsfigur in „Little Britain”?

Kalkofe: Marjorie von der „Fat Fighters”-Gruppe – in gewisser Weise bin ich ja selbst ein Betroffener. Es macht so einen Spaß, diese Figur zu sprechen, sie schwankt so wunderbar zwischen überfreundlich und zynisch, zwischen schleimig und böse. Marjorie hat alles.

Kennen Sie auch die Sitcoms von Ricky Gervais, dessen Serie „The Office” Vorbild für „Stromberg” ist?

Kalkofe: Ja, großartig! Die Sachen von Gervais sind eine Neuerweckung für Comedy überhaupt. Das ist einer, der nach Monty Python das Genre neu erfunden hat und uns allen zeigt, was noch alles möglich ist. Fantastisch!

Was kann der britische Humor, was der deutsche nicht leisten kann?

Kalkofe: Die Engländer trauen sich einfach, etwas zu versuchen. Das könnten wir auch. Aber in deutschen TV-Redaktionen wird jeder Gag komplett ausdiskutiert, bis er niemandem mehr weh tut. Dabei kann Humor nicht durch ein Gruppenvotum entschieden werden.

Da gibt es nur eine Lösung: Sie müssen die Intendanz bei einem Sender antreten...

Kalkofe: (lacht) Das wäre schön, aber das wird keiner zulassen. Ich wäre unbequem und bestimmt kein Garant für gute Quoten – vielleicht aber für interessante Programme.

Carsten Dilly

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