Norbert Scheuer an der Quelle des Seins
26.09.2009 | 00:35 Uhr 2009-09-26T00:35:00+0200Essen. Sich erinnern, fischen gehen, sich erinnern - Ein Fluss in der Eifel ist der Angelpunkt in Norbert Scheuers Roman „Überm Rauschen”.
Das Leben, ein Fluss – ewig, vergänglich. Das Bild ist so alt wie der denkende Mensch selbst. Norbert Scheuer aber setzt Fische aus in diesem Fluss und ein Gasthaus ans Wehr, welches die Menschen „Rauschen” nennen. Sein Roman „Überm Rauschen” erzählt vom Angeln nach Glück, auf eine schlichte und doch tief tauchende Weise, er steht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.
Auch den Leser hat Scheuer gleich am Haken – mit einem Thema, das wir längst zu den Globalisierungsopfern zählten: Heimat, die Quelle unseres Seins. Scheuer wurde 1951 geboren in Prüm/Eifel, heute lebt er mit seiner Familie in Kall/Eifel. Sein Ich-Erzähler aber hatte die Eifel, die Familie verlassen. Nun kehrt er zurück, weil der ältere Bruder Hermann „den Verstand verloren” hatte, er wurde abgeholt in eine Klinik.
Nur Zufallsprodukte aus Liebesnächten
Die Finalisten des Deutschen Buchpreises 2009:
- Rainer Merkel mit "Lichtjahre entfernt" (S. Fischer, März 2009)
- Herta Müller mit "Atemschaukel" (Hanser, August 2009)
- Norbert Scheuer mit "Überm Rauschen" (C. H. Beck, Juni 2009)
- Die Gewinnerin: Kathrin Schmidt mit "Du stirbst nicht" (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2009)
- Stephan Thome mit "Grenzgang" (Suhrkamp, August 2009)
- Clemens J. Setz mit "Die Frequenzen" (Residenz, Februar 2009)
Verliehen wurde der Deutsche Buchpreis am 12. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers. Der erste Platz ist mit 25.000 Euro dotiert.
Der Erzähler reist mit dem Zug in das (fiktive) Eifeldorf, er erinnert sich, er geht fischen, er erinnert sich. An die Mutter, deren Kinder „nur Zufallsprodukte aus Liebesnächten nach anstrengenden Markttagen hinter der Theke” waren. An den Ziehvater, für den das Fischen „das Leben” war, „in dem er allerdings immer nur verlor”. Seine Utopie ist der Fang des Ur-Fisches, Ichthys, auf dessen Schuppen alle Fische abgebildet seien.
Abbildungen gibt es auch in diesem wundersamen Buch: gezeichnet von Hermann, der Tonbandkassetten besprach mit Geschichten „von scheuen Äschen, zutraulichen Barben, gierigen Hechten, über dem Flussgrund wandelnden Groppen . . .”
Scheuer lässt Fabel, Erinnerung und Realität ineinander fließen. Wir lauschen diesem Rauschen, verzaubert. Ein Lob der Heimat in klaren, erfrischenden Worten.
N. Scheuer: Überm Rauschen. C.H. Beck, 17,90 Euro, 167 S.
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