Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Organspende

Nierenspende rettet Leben

23.08.2010 | 15:02 Uhr
Nierenspende rettet Leben
Die Nieren sind lebenswichtige Organe. Werden sie krank, braucht der Betroffene ein Spenderorgan. Doch die Wartezeit ist oft lang. (Bild: Imago)

Essen. Das Angebot an Spenderorganen ist knapp: Tag für Tag sterben Menschen in Deutschland, weil sie vergeblich auf eine Niere warten.

Frank-Walter Steinmeier erklärte am Montagmorgen, er werde eine politische Auszeit nehmen. Der Grund: Er will seiner kranken Frau eine Niere spenden. Damit gehört der SPD-Fraktionschef zu den etwa 600 Menschen, die jährlich eine Niere hergeben.

Die Zahlen sind erschreckend: Etwa 8 000 schwer kranke Menschen, deren Überleben von einer Nierenspende abhängt, stehen auf der Warteliste. Betroffene müssen heute etwa fünf bis sechs Jahre auf eine Niere warten. Oft vergeblich: Täglich sterben Menschen, weil sie das lebenswichtige Organ nicht bekommen.

Die Kläranlage des Körpers

Wenn die Nieren nicht mehr funktionieren, wird die Dialyse lebensnotwendig. (Bild: Imago)

Die Nieren sind die Kläranlage des Körpers. Sie schleusen Giftstoffe aus dem Körper wie Medikamente oder Abbauprodukte des Stoffwechsels. Funktioniert die Filteranlage durch eine Nierenerkrankung nicht, bleiben die Gifte im Körper. Und das bedeutet Lebensgefahr. Ein Dialyse-Gerät kann diese Filterung über einige Jahre übernehmen. „Jedoch mit verminderter Lebenserwartung und Lebensqualität für den Patienten“, sagt Prof. Oliver Witzke vom Essener Transplantationszentrum des Universitätsklinikums. 2Ein Spenderorgan verbessert beides deutlich.“

Je ähnlicher, desto besser

Der menschliche Körper ist darauf trainiert, Eindringlinge zu bekämpfen und sich so vor Krankheiten zu schützen. „Dieser Schutzmechanismus wirkt aber leider auch bei Organtransplantationen“, sagt Witzke. „Damit eine Niere nicht vom Immunsystem abgestoßen wird, müssen deshalb einige Merkmale von betroffenen und Empfänger übereinstimmen.“

Zum einen ist die Blutgruppe entscheidend. Es müsse jedoch nicht zwingend die gleiche Blutgruppe sein, so der Experte. Hat der Empfänger etwa die Blutgruppe A, kann auch ein Organ vom Spender mit der Blutgruppe 0 genutzt werden.

„Wichtig sind außerdem die Gewebemerkmale“, sagt Witzke. Diese bezeichnet man als HLA-Merkmale. Die sogenannten HLA-Antigene sind Oberflächenstrukturen, die sich auf den meisten Zellen im Körper befinden. Sie helfen dem Immunsystem, zwischen fremd und körpereigen Zellen zu unterscheiden. Je ähnlicher die HLA-Antigene der Spenderniere denen des Empfängers sind, desto besser reagiert der Körper auf das fremde Organ.

Die Spende kann ein Freundschafsdienst sein

Seit etwa zehn Jahren ist es möglich, dass gesunde Menschen Nieren spenden. „Ein Viertel der Nierenspenden kommt heute von Lebendspendern“, sagt Witzke. Jedoch könne nicht jeder spenden. „Wer als Spender infrage kommt, wird von einer Kommission entschieden.“ Vorschrift sei nach dem Transplantationsgesetz, eine persönliche enge Verbundenheit mit dem Kranken. „Dazu gehört entweder eine Blutsverwandtschaft, eine Ehe oder eheähnliche Beziehung oder eine tiefe in die Zukunft gerichtete Freundschaft“, so der Experte. Die psychologische Eignung wird mit Hilfe von Psychologen ermittelt.

Spende auch noch mit 70 Jahren möglich

Neben der Blutgruppe, den Gewebemerkmalen und psychologischen Aspekten ist auch der körperliche Zustand des Spenders wichtig. „Das kann man nicht am Alter festmachen“, sagt Witzke. „Wer mit 70 Jahren noch gesundheitlich in der Lage dazu ist, darf auch spenden.“ Egal wie sehr das Organ gebraucht werde, wichtig sei auch das körperliche Wohl des Spenders. Deshalb werden alle Organe gründlich überprüft, so dass viele Krankheiten ausgeschlossen werden können.

Lebenslang Medikamente

Mehr zum Thema
Transplantationszentrum Universitätsklinikum Essen

Auf dem Gebiet der Transplantation zählt das Universitätsklinikum Essen weltweit zu den herausragenden Zentren. Insgesamt transplantiert Team des Universitätsklinikums Essen etwa 30 Nieren von Lebendspendern pro Jahr. Neben Nieren werden hier Leber, Bauchspeicheldrüse sowie Herz und Lunge transplantiert.

Damit der Körper die neue Niere nicht abstößt, muss der Patient auch nach der Operation Medikamente nehmen, die die körpereigene Abwehr schwächen. „Deshalb heilen Wunden oft weniger gut und die Genesung dauert etwas länger.“ Da es auch Jahre nach der OP noch zu Abstoßungsreaktionen kommen kann, werden Arzneien ein Leben lang nötig sein. Das erhöhe dem Experten zufolge, auch das Risiko von Infektions- und Tumorerkrankungen.

Wir brauchen keine zwei Nieren

Wer zwei Nieren hat, braucht auch zwei? Ein Irrtum! Jeder gesunde Mensch kann eines der beiden Organe spenden und damit steinalt werden. Das Risiko, dass die verbleibende Niere erkrankt sei Witzke zufolge genauso niedrig oder hoch wie bei einem Menschen, der beide Organe besitzt. „Die meisten Nierenerkrankungen befallen beide Organe, so dass im Falle des Falles auch das gespendete Organ krank geworden wäre“, sagt Witzke. Die Operation sei, wie jede andere, natürlich ein Risiko beispielsweise durch die Narkose. Der Verlust des Organs erhöhe jedoch nicht das Krankheitsrisiko.

.

Carolin Voss

Facebook
 
Kommentare
11.12.2010
23:19
Nierenspende rettet Leben
von Ronildo | #9

Hallo, mein Name ist Ronildo.
Ich lese Ihre Anzeige und beschloss, ihn zu schreiben.
Und ich will eine Niere zu spenden.
aber ich kann nicht in Kontakt mit den Menschen, die sie brauchen.
Ich bin Brasilianer, aber ich lebe in Portugal, ich habe nichts dagegen Reisen in einen anderen EU-Land.
Wenn Sie noch oder wissen Sie Menschen, die eine Transplantation benötigen. Bitte kontaktieren Sie mich oder Sie gehen meine E-Mail
Ich glaube nicht, dass finanzielle Entschädigung.
Mein Blut ist A

Roni.esantos @ yahoo.com

Vielen Dank!

Roni

24.08.2010
09:09
Nierenspende rettet Leben
von G. Nosse | #8

In diesem immer seltsamer werdenden Land ist es wohl notwendig, dass ein Ausschlussgesetz a la Österreich her muss, damit die Leute gezwungen werden, sich ernsthaft mit der Organspende auszusetzen.
Dieser sich innerhalb von Wochen abwetzenden Papierschnitzel Organspendeausweis ist abwertend und dem Anliegen Organspende gerade gegenüber kritischen Zeitgeisern kontraproduktiv....

23.08.2010
23:19
Nierenspende rettet Leben
von Yoboo | #7

Wir haben zu viele Organe -
und immer noch zu viel Blut!

Wie sonst kann es sein, dass im Jahr 2010 noch immer homo- und bisexuelle von der Organ-, Blut und Rückenmarkflüssigkeit-Spende ausgeschlossen sind?

23.08.2010
21:00
Nierenspende rettet Leben
von r.spendet | #6

Deiwi, deiwi!
Essen. Das Angebot an Spenderorgane ist knapp:
Und das so kurz vor dem Fest!
Was könnte man denen denn mal anbieten...ach, komm, erst mal `n Pils!

23.08.2010
20:18
Nierenspende rettet Leben
von sheggysen | #5

Antworten auf Kommentatoren 2 bis 4:
Es ist schon erstaunlich welche furchtbare Meinungen über die Transplantationen in D. vorherrschen. Natürlich gibt es Möglichkeiten über Gesetze, dass j e d e r Mensch in Deutschland der ein Organ benötigt weil seine Organe nicht mehr funktionstüchtig auch Organe zu bekommen. Nur solche Gesetze müssen erarbeitet werden. Wir wundern uns in D. schon nicht mehr darüber, dass unsere Pharmaindustrie selektiert und nur solche Medikamente herstellt mit denen Geschäfte gemacht werden können. Wer eine seltene Krankheit in D. hat muss selber sehen wie er überlebt. Wo bleibt da unsere Humanität? Nur Geld regiert auf allen Ebenen.

23.08.2010
18:43
Nierenspende rettet Leben
von peter111 | #4

es ist und bleibt ein sensibles Thema.
Für mich persönlich steht jedoch fest, ich werde nicht spenden. Mal abgesehen davon, daß sich die geehrten Herrn Doktoren in den letzten Jahren immer mehr zu Raffhälsen gemausert haben, die genau wissen, wie sie ihre eigenen Vorteile mehren können, so hatte ich in der Vergangenheit eine Erfahrung, die mir bis heute zu denken gibt. Ich habe vor 30 Jahren beruflich viel mit kranken Menschen zu tun gehabt, mehrheitlich mit Menschen, die Nierenleiden hatten, bzw. bereits Dialyse-Patienten waren. Auch hatte ich Kontakt mit mehreren Transplantationsteams, Ärzten, die vor einer Operation, die Organe bei den Organspendern entnahmen. Bei einem, nach der Entnahme der Organe, geführten Gespräch zwischen den Ärzten fiel eine Bemerkung, die mir noch heute eine Gänsehaut verursacht. Er sagte, er hätte den Einduck gehabt, die Person, der die Organe entnommen wurden, hätte Abwehrbewegungen gemacht. Kein Scherz! Seither ist das Thema für mich erledigt.

23.08.2010
18:27
Blockierter Kommentar.
von Helios der Sonnengott 666 | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.08.2010
17:05
Nierenspende rettet Leben
von user783 | #2

@#1: Ich rätsle immer noch über Ihren Kommentar: In Deutschland werden zu wenig transplantationsfähige Organe gewonnen. Ja sollte sie man denn gewinnen? Längerere Saison für Motoradfahrer ohne Streckensperrung, HartzIV-Kinder zur Abgabe einer Niere zwingen, haben ja schließlich 2 davon, oder was meinen Sie?

23.08.2010
16:45
Nierenspende rettet Leben
von sheggysen | #1

In Deutschland werden zu wenig transplantationsfähige Organe gewonnen. Schuld ist die nicht gute Aufklärung und die grösste Schuld haben wiederum die Politiker, weil sie nicht in der Lage sind wie auf mehreren Gebieten, ein vernünftiges für Gesamtdeutschland gültiges Transplantations- und Obduktionsgesetz zu erarbeiten und zu erlassen. Alles wird auf die lange Bank geschoben. Gibt es nicht in Deutschland nicht schon neben Sextourismus ein Organtourismus. Wer eben Geld hat.... Geld allein bringt auch nicht mehr transplantationsfähige Organe nach D.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3597455/create

Umfrage
Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Dirt: Showdown
Bildgalerie
Fotostrecke
Mario Tennis Open
Bildgalerie
Fotostrecke
Bilder zu "Awesomenauts"
Bildgalerie
Fotostrecke
Max Payne 3
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Was das Satire-Orakel dem MSV Duisburg prophezeit
MSV-Satire
Der MSV Duisburg hat sicher schon ruhigere Zeiten erlebt. Am Abend spielen die Zebras gegen Greuther Fürth. Wohin führt der Weg des Fußball-Zweitligisten? Was das Satire-Orakel dem MSV so alles prophezeit.
Greulich gibt Antworten auf Fragen zu Tiger & Turtle
Bezirksvertretung
!5 Punkte umfasst ein Fragenkatalog, den die Fraktionen von SPD und Grüne sowie Mirze Edis für die Linken nun als Tischvorlage bei der letzten Sitzung der Bezirksvertretung vorgelegt haben. Obwohl druckfrisch auf dem Tisch, stimmten CDU und Dr. Horst Wegner (FDP) der Aufnahme auf die Tagesordnung...
Foto Video 8 Kommentare 8