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Niemanden mit der Angst alleine lassen - von Björn Lohmann

31.01.2012 | 19:09 Uhr

Rudi Assauer ist einer von 1,1 Millionen Deutschen. So viele Menschen leiden an Demenz, meist an Alzheimer. Jeder Dritte, dem es gelingt, seinen 65. Geburtstag zu erleben, wird im Laufe seines Lebensabends an Demenz erkranken. In einer alternden Gesellschaft bedeutet das eine enorme Herausforderung, die die Sozialsysteme schultern müssen – finanziell und personell.

Mindestens ebenso sehr aber ist Alzheimer eine emotionale Belastung. Ich bin in die Küche gegangen und weiß nicht mehr warum. Gestern habe ich einen Bekannten getroffen, konnte mich aber nicht an seinen Namen erinnern. Ist das bereits Alzheimer? Der Gedanke dürfte so manchem schon durch den Kopf gegangen sein, und er macht Angst. Eine Demenz zerstört unaufhaltsam unser Ich.

Hoffnung auf Heilung liegt in weiter Ferne. Immerhin gibt es Fortschritte bei der Früherkennung. Manche mag die Gewissheit quälen, sich unweigerlich auf dem Pfad in die Demenz zu befinden. Aber das frühe Wissen ermöglicht nicht nur, bei klarem Verstand für die schwere Zeit vorzusorgen. Es kann helfen, diese Zeit nach hinten zu verschieben. Untersuchungen zeigen, dass Geselligkeit und geistige wie körperliche Fitness den Ausbruch der Demenz erheblich verzögern können. Nebenbei ist das ein probates Mittel gegen weitere Alterskrankheiten.

Da passt es gut ins Bild, was eine Studie vor wenigen Jahren fand: Die Forscher wollten wissen, was Menschen gemeinsam haben, die im Alter geistig fit sind. Viele von ihnen trafen sich regelmäßig zu Kartenspielrunden – Geselligkeit und geistige Fitness eben. Doch noch etwas fiel auf: Mitspieler, deren Leistung nachließ, wurden konsequent aus den Runden ausgeschlossen. Das dürfte weniger den sinkenden Spielchancen für die Spielpartner geschuldet sein als der Sorge, den Verfall eines Freundes zu beobachten und dabei eine mögliche eigene Zukunft zu sehen. Mag es auch schwer sein, aber damit müssen wir umgehen lernen. Diesen Weg darf niemand alleine gehen müssen – erst recht, weil es auch unser Weg sein könnte.

Björn Lohmann

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