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Niemand braucht mehr Helsinki

28.05.2007 | 08:53 Uhr

(sw) In seinem "guten Stern" besingt er den Abschied von seinem Auto ("Jetzt bist du bei den gelben Engeln") und dichtet eine Zeile hinzu: "Wir waren in Helsinki..." Man muss es ja erwähnen.

Und noch mal, als er "Frauen regieren die Welt" als siebtes Stück auf dem Giller anstimmt: "Über den siebten Platz hätte ich mich wirklich sehr gefreut." Dann ist es aber auch gut. Erstens, weil die 1400 im Zelttheater längst mit Roger Cicero, dem 19. im Eurovisions-Contest, swingen. Und zweitens, weil jetzt der König von Deutschland kommt, die Hommage an Rio Reiser. Der junge Mann mit Hut im Straßenanzug besingt den Frontmann von Ton, Steine, Scherben - und das Publikum singt mit: "Weil ich König von Deutschland bin." Da treffen sich 1970er Protest und 1960er Big Band, Robert Lemke und Angela Merkel, Showtreppe und Anarchie.

Der Sohn von Eugen Cicero ist Profi, studierter Jazzsänger. Seine elfköpfige Band schafft den ganz großen Sound: Bass- , Tenor- und Altsaxophonisten, Posaunisten und Trompeten, Bassisten und Schlagzeugern - ihnen lässt der 36-Jährige jede Menge Raum, ihnen gehört sein Respekt, allen voran dem Mann am Flügel: Lutz Krajenski ist auch musikalischer Leiter und Arrangeur des Projekts. "Männersachen" heißt die Überschrift, unter der die Herrschaften über die beim Seitensprung ertappte Frau ("Scheiße, mein Mann...") und über die Loose-loose-Situation bei der Frage "Was soll ich anziehen?" sinnieren. Immer leichtfüßig, niemals unanständig. Und selbstironisch, wie bei den "Kompromissen": "Du wolltest nach Hamburg, ich nach Berlin, es wurde Schwerin."

Die Big Band spielt die Erkennungsmelodie des Aktuellen Sportstudios - auch so eine Männersache, wegen der Cicero am Samstagabend vielleicht weniger Chancen gehabt hätte. Klar, das weiß der Charmeur natürlich auch, wenn er sich an die wendet, die "heute Abend nicht so ganz freiwillig mitgekommen sind". "Tausend Mal berührt" von Klaus Lage dürfte - nach all den Männersachen - den weiblichen Teil des Publikums stärker angesprochen haben, und bei "Schieß mich doch zum Mond" hatte man natürlich "Fly me to the Moon" von Doris Day im Ohr. Da gebietet es die Dramaturgie, in den Zugaben für einen Ausgleich zu sorgen und mit "Zieh die Schuh aus" und "Anna" doch noch einmal die ewig missverstandene Männlichkeit zu bedienen.

Ein ganz großes Konzert, der größte Top Act dieses Festivals, und irgendwie auch ganz großes Kino mit Marching Band und lebendem Bild im Finale. Kein Mensch redet von Helsinki, Roger Cicero auch nicht mehr. "Der Weg hierhin hat sich gelohnt", sagt er, und die Ovationen drücken aus, dass sie alle ihm die gerade begonnene, neue Karriere wünschen.

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