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Nicht lachen, der Onkel ist krank

14.02.2010 | 14:14 Uhr
Nicht lachen, der Onkel ist krank

Männer sind Masochisten. Eine andere Erklärung kann es jedenfalls nicht geben, wenn sich Herren der Schöpfung am Abend vor dem Valentinstag, also dem Tag, an dem sie sich der schönen Lieben an ihrer Seite widmen, in der Stadthalle auch noch demütigen lassen.

Dafür, dass sie eben Männer sind! Testosterongetriebene Wesen mit dem Hang zum Primitiven, unsensibel und egoistisch noch dazu. So haben echte Kerle stets eingetrichtert bekommen – von Ingo Appelt, ihrem Idol. Sozusagen dem männlichsten aller Männer, der einst kein Blatt vor den Mund nahm, um Frau und der Welt mitzuteilen, wie toll es ist, eben die Krone der Schöpfung zu sein.

Weg mit den
Teufelshörnchen

Aber genau jener gibt nun den Frauenversteher, versucht zu erklären, warum die Dame das starke Geschlecht präsentiert, warum sie den Mannsbildern in allen Belangen überlegen ist. Meint der das ernst oder ist der Onkel einfach nur ein bisschen krank? Appelt würde diese Frage wohl entschieden mit Nein beantworten. Obwohl er gerade vom Untergang des männlichen Abendlandes erzählt, an dessen Aufbau er über Jahre hinweg erfolgreich mitgewirkt hat. Mit seiner gegelten Haarzunge in der Stirn, den aufgesetzten Teufelshörnchen und jeder Menge respektloser Unverschämtheiten gegenüber dem anderen Geschlecht. So ist Appelt in den Neunziger Jahren bekannt geworden, so hob er wohltuend aus dem stetig wachsenden Comedian-Einheitsbrei ab. Schlagkräftig, ironisch und frech wie Rotz, alles unter dem Motto: Der Mann leidet unter der Frau Höllenqualen. Klamauk war nicht sein Ding, bei Appelt ging’s unter die Gürtellinie; und das tut auch schon mal weh. Er, der glaubt, ein einzelnes Worte der Fäkalsprache salonfähig gemacht zu haben, weil es in jedem seiner Sätze mehrfach vorkam, polarisierte – entweder man mochte „Dirty Ingo“ oder verabscheute ihn.

Fernsehstars aus NRW

Eineinhalb Jahrzehnte später hat sich das Blatt gewendet. „Männer muss man schlagen“ heißt sein zweieinhalbstündiges Programm, mit dem Ingo Appelt nach Mülheim gekommen ist. Es dreht sich immer noch um Sex, multiple Orgasmen und das eigene Gemächt, dem er ein Lied gewidmet hat. Aber irgendwie wird der Besucher den Eindruck nicht los, dass sein Programm mariobarthisiert ist, Appelt auch das Feld Männchen-und-Weibchen-Gelaber beackern möchte, auf dem der Berliner so viel verbrannte Erde hinterlassen hat. Seit dem Perspektivenwechsel stellt er vieles aus der Sicht der Frau dar, der Mann verkümmert zum bemitleidenswerten „G-Punkt-Pfadfinder“. Es ist zotiger und weichgespülter – so wie es die Haare sind, die der heute 42-Jährige nunmehr nach oben fönt.

Das Verstecken der
eigenen Talente

Das ist insofern bedauerlich, als Appelt sich damit Volkes breitem Willen hergibt – vielleicht als Konsequenz der Quoten-Flops seiner TV-Versuche („Ingo Appelt Show“ und „Freitag Nacht News“). Zweifelsohne bedient er das Publikum immer noch besser als es Barth je könnte. Aber er stellt seine Eigenständigkeit in den Hintergrund – und damit seine Talente. Die Kunst der Beobachtung zum Beispiel, die Männer beim Pinkeln oder beim „Unter-Liegen“ urkomisch erscheinen lässt und für die er mehr Beifall als zuvor erntet. Unschlagbar sind seine Parodien: Appelt hat sie alle drauf und sucht unter Politikern, Schauspielern, Musikern und Comedy-Kollegen die letzten männlichen Leitbilder – natürlich vergeblich.

Ingo Appelt selbst würde nur allzu gerne dieser emanzipatorisch erstarkten Frauenwelt entgegentreten und ihr die nun ja freigelegte Stirn bieten: Beim finalen „Striptease for Germany“ entledigt er sich aller Kleidungsstücke, bis das beste Stück nur noch von der paillettenbesetzten Unterhose verdeckt ist. Der kleine Wohlstandshügel unter dem lilafarbenen Hemd verrät: Er ist nicht mehr das Leitbild seiner eigenen Bewegung.

Andreas Berten

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