Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Biathlon

Neuners Silber ist „schon ganz schön cool“

14.02.2010 | 11:50 Uhr
Neuners Silber ist „schon ganz schön cool“

Whistler.Einige Reporter standen sogar auf den Stühlen, um nur ja jedes Wort von Magdalena Neuner mitzubekommen. Zwei Stunden nach ihrem zweiten Platz im Biathlon-Sprint über 7,5 Kilometer erzählte die 23-Jährige immer noch, wie sie zwar die erste Medaille für das deutsche Olympiateam bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver gewonnen, aber auch mit dem klitzekleinen Rückstand von 1,5 Sekunden auf die Slowakin Anastazia Kuzmina das Gold verloren hatte.

Wenn Biathlon auf dem olympischen Programm steht, dann drängen sich die deutschen Reporter so dicht um die Protagonisten der Skijagd wie bei keiner anderen Wintersportart. Biathlon bringt den Fernsehsendern Quote, weil die Sportart auch ein Publikum vor das Gerät lockt, das sich nicht am Tanz um das runde Leder beteiligt. Magdalena Neuner ist der Star des deutschen Biathlons, weil sie alles mitbringt, um in Deutschland außerhalb des Fußballs ein Star zu werden. Sie strahlt jugendliche Frische aus, sie ist nicht auf den Mund gefallen und sie ist schon in jugendlichen Jahren mit sechs Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften äußerst erfolgreich gewesen.

Jetzt ist Magdalena Neuner, die bodenständige junge Frau aus dem Wallgau, von der ihre Fans wissen, wie gern sie Socken strickt und im Kreise ihrer Familie im oberbayerischen Wallgau auch mal in die Harfe greift, auf dem besten Weg, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus die Aufmerksamkeit der Medien zu erregen. Das angesehene Wall Street Journal hat einen Reporter an die Biathlon-Strecke nach Whistler geschickt, um der US-Leserschaft von diesem Fräulein-Wunder aus Bayern zu erzählen.

Über Silber „darf man sich nicht beschweren“

Magdalena Neune freut sich über Silber.

Die Kunde von Neuners Silber bei ihrer olympischen Feuertaufe wird nicht nur in die Vereinigten Staaten dringen. Nicht das Silber ist entscheidend, denn Medaillen gewinnen so viele, deren Namen einen Tag nach dem Triumph schon längst vergessen sind. Neuner ist eine Hypothek auf die Zukunft, sie könnte hier in Vancouver noch vier weitere Medaillen im Biathlon und eine mit der deutschen Langlauf-Staffel gewinnen. Ihren ersten Olympiasieg hat Neuner aber erste einmal verpasst. Um 1,5 Sekunden. Das ist nicht viel. Doch verwundert es schon, dass Neuner die ebenfalls mit einer Strafrunde belastete Kuzmina auf der letzten Runde nicht abhängte. Schließlich ist die Deutsche die beste Skaterin unter den Biathletinnen, während die gebürtige Russin Anastazia Kuzmina, die vor ihrer Hochzeit Schipulina hieß und erst seit 2008 für die Slowakei startet, nicht mehr als ein Geheimtipp für die Wettbewerbe in Vancouver war. Aber Neuner konnte die Mutter eines zweijährigen Kindes nicht besiegen. „Wenn man eine olympische Medaille holt, darf man sich nicht beschweren“, sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang: „Aber wir müssen noch darüber reden, dass wir läuferisch nicht dabei waren. Wenn Lena auf der Schlussrunde Zeit verliert, dann stimmt etwas nicht.“

Da scheint es unterschiedliche Auffassungen von Sportlerin und Trainer zu geben. „Ich habe alles versucht“, erzählte die Deutsche, „am letzten Anstieg habe ich jedoch gespürt, dass ich keine Kraft mehr hatte. Ich habe mich voll ausgegeben und bin im Ziel zusammengebrochen.“ Auch wenn es sie selbst überraschte, dass Kuzmina eine minimal bessere Laufzeit hinlegte, wollte sich Neuner das Silber nicht schlecht reden lassen. Sie sei unheimlich glücklich über diesen zweiten Platz, sagte sie. Dafür habe sie unheimlich hart gearbeitet. Wie sehr sie bei ihrer Olympia-Premiere von diesem Gewinn der Silbermedaille ergriffen war, zeigte sich bei der Siegerehrung auf der Medals Plaza in Whistler. „Bei der Nationalhymne habe ich mich bemüht, nicht loszuheulen“, schilderte sie später ihre Gefühle, „ich versuche einfach, es total zu genießen und mich zu freuen.“

Die Zeit des reinen Genießens geht jedoch schnell zu Ende. Bereits am Dienstag (10.30 Uhr Ortszeit/19.30 Uhr MEZ) steht mit dem Verfolgungsrennen die nächste Entscheidung auf dem Programm. Nur 1,5 Sekunden nach Anastazia Kuzmina wird Magdalena Neuner auf die zehn Kilometer lange Strecke geschickt. Neuners Ziel ist ganz klar: „Ich will in jedem Rennen Olympiasiegerin werden.“ Sollte sie diesmal Gold gewinnen, wird nicht nur das Wall Street Journal ihren Lesern von der schnellen jungen Frau aus Bayern berichten.

Thomas Lelgemann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3418911/create

Umfrage
Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Dirt: Showdown
Bildgalerie
Fotostrecke
Mario Tennis Open
Bildgalerie
Fotostrecke
Bilder zu "Awesomenauts"
Bildgalerie
Fotostrecke
Max Payne 3
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Was das Satire-Orakel dem MSV Duisburg prophezeit
MSV-Satire
Der MSV Duisburg hat sicher schon ruhigere Zeiten erlebt. Am Abend spielen die Zebras gegen Greuther Fürth. Wohin führt der Weg des Fußball-Zweitligisten? Was das Satire-Orakel dem MSV so alles prophezeit.
Greulich gibt Antworten auf Fragen zu Tiger & Turtle
Bezirksvertretung
!5 Punkte umfasst ein Fragenkatalog, den die Fraktionen von SPD und Grüne sowie Mirze Edis für die Linken nun als Tischvorlage bei der letzten Sitzung der Bezirksvertretung vorgelegt haben. Obwohl druckfrisch auf dem Tisch, stimmten CDU und Dr. Horst Wegner (FDP) der Aufnahme auf die Tagesordnung...
Foto Video 8 Kommentare 8