Neuer wird von Fans als „Judas“ beschimpft
18.09.2011 | 19:32 Uhr 2011-09-18T19:32:36+0200
Gelsenkirchen. Für Torwart Manuel Neuer war’s kein leichter Auftritt auf Schalke. In seinem einstigen „Wohnzimmer“ schlug ihm blanke Wut entgegen. Von den Gelsenkirchener Fans wurde der Bayern-Keeper mit „Judas“-Sprechchören empfangen. Doch er blieb cool.
Am Freitag hatte Manuel Neuer noch gesagt, dass er sich selbst „nicht auspfeifen würde“. Doch die Fans von Schalke 04 waren da anderer Meinung. Als der Nationalkeeper am Sonntag als neue Nummer eins von Bayern München sein einstiges „Wohnzimmer“ betrat, musste er ein gellendes Pfeifkonzert und üble Anfeindungen über sich ergehen lassen.
„Judas“- und „Neuer, Du A...loch“-Sprechchöre hallten durch die Arena, während Neuer eine knappe Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff die Arena auf Schalke zum Aufwärmen betrat. Über der Nordkurve, dort, wo die Treuesten der Treuen in Königsblau stehen, hing ein 30 Meter langes Banner mit der Aufschrift: „Wir trauern um M. Neuer - zwischen 2005 und 2011 - Wiederauferstanden als charakterlose Marionette“.
Tönnies: „Schmährufe würde ich nicht verstehen“
Der Schalker Anhang kannte keine Gnade. Der Wechsel zum deutschen Rekordmeister im Sommer, der dem Verein erfolgsabhängig eine Ablösesumme von bis zu 25 Millionen Euro bringen kann, war es nicht alleine, der die Anhängerschaft auf die Barrikaden brachte. Nein, Neuer habe seine Herkunft verleugnet, als er seinen Fahnenlauf nach dem 1:0 der Schalker in München vor zwei Jahren relativiert hatte, um den Bayern-Anhang zu besänftigen.
Natürlich könne er die Enttäuschung der Leute nachvollziehen, sagte Vereinsboss Clemens Tönnies in einem Doppel-Interview mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß in der „Bild am Sonntag“ zu dem Transfer. „Als Schalker verstehe ich das, aber eventuelle Schmährufe oder Drohungen würde ich allerdings nicht verstehen. Das fände ich unfair“, sagte Tönnies. Hoeneß meinte: „Manuel hat immer großen Wert darauf gelegt, es nicht aufs Schlimmste ankommen zu lassen, nämlich ein Jahr zu warten und dann 2012 ablösefrei zu gehen. Manuel wollte unbedingt, dass Schalke eine Ablösesumme bekommt, weil er diesem Verein unheimlich viel zu verdanken hat.“
Neuer bleibt cool
Doch was die Klub-Oberen oder ehemalige Schalker Idole wie Olaf Thon (“Auf jeden Pfiff folgen 100 Rufe für Neuer“) dachten, interessierte die Fans nicht. Die waren im Gegensatz zum EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Österreich gegenüber Neuer gnadenlos. Der 25-Jährige musste in der ersten Halbzeit direkt vor die Nordkurve. Jede Ballberührung, auch wenn es nicht viele waren, wurde von Pfiffen begleitet. Auf jeden Abstoß von ihm folgten tausendstimmige Beschimpfungen übelster Art.
Doch der Weltklassemann ließ sich davon nicht beeindrucken. Seine Vorderleute machten es ihm wie schon in den letzten Spielen auch leicht. Neuer stand zumeist vor der 16er-Linie, wenn die Bayern in der Offensive waren, manchmal sogar in der Nähe des Mittelkreises. (dapd)
09:43
Mit einem Verein (Fans & Verantwortliche), der so mit Menschen umgeht, kann ich mich nicht mehr identifizieren. Nach über 40 Jahren (!) Schalke wars das für mich. Bei aller Loyalität gegenüber dem Verein darf Menschlichkeit, Respekt und Toleranz nicht auf der Strecke bleiben. Der Umgang mit Manuel Neuer ist unfair und erbärmlich.
19:50
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18:27
EbbesRache hat hier durchaus recht.
Allerdings haben sich Schalker Fans bei diversen Transparenten und Choreographien mehr Ruhm verdient als gestern. Beissende Ironie wäre angebrachter gewesen. Vielleicht mit dem Spruch War Deine Liebe zu Schalke auch ein Blackout? Das hätte mehr gezogen. Vor allem hätte er in den Medien nicht ausweichen können.
17:37
in den gelsenkirchener köpfen ist ja mittlerweile jeder schiri ein bayern-fan. leider kann man nicht immer seine eigene, schlechte leistung auf den schiri schieben.
wir münchener wissen das, ihr anscheinend nicht.
15:03
Ich habe auch gestern in der Nordkurve gestanden und würde mich als Schalker von Herzen bezeichnen, aber was da gestern gegen MN abgegangen ist, war schon um einiges zu heftig. Das hat mit Wut oder Enttäuschung über sein Verhalten beim so unerwarteten Wechsel nichts mehr zu tun gehabt, das war blanker Hass und übelste Beleidigung und Pöbelei. Und davon muss ich mich einfach distanzieren.
Ich hätte mir stattdessen gewünscht, wir hätten die Kraft weniger gegen MN als für unsere Elf aufgewendet und diese durch - sonst auch übliches und selbstverständliches - lautstarkes Schreien angefeuert. Das hätten sie nämlich bitter nötig gehabt. Aber da war es vor allem in der zweiten Halbzeit größtenteils mucksmäuschenstill und so hatten die Schalker auf dem Feld nicht nur den grottenschlechten Bayernfan und Schiedsrichter Mayer gegen sich, sondern auch noch die meisten Schalker auf den Tribünen, insbesondere in der Nordkurve. Und das ist ein viel größeres Problem, als ein ehemaliger, in Gelsenkirchen geborener Torwart, der dem Lockruf des Geldes nach Süddeutschland gefolgt ist - was uns allen doch seit zwei Jahren schon klar war, oder?
12:14
Wer MN als Hure beschimpft muss ja wohl wissen, wie eine aussieht...
11:32
nur euros zählen
11:27
Was soll das, ich muß auch bei meinem neuen Arbeitgeber das beste geben.
Job ist Job und Sentamilitäten kann man sich nicht erlauben
11:26
Neuer ist sehr cool geblieben, er hat sich nicht gefreut bei den Toren und war nachher bei seinen alten Spielern zum Teil Freunde.. Hab das Spiel bei Sky gesehen - für mich ist er auch ein Judas, aber was soll das? So ist der Profifußball leider, wir Fans hatten geglaubt da steht einer von uns auf dem Platz! Nein er ist ein normaler Spieler wie alle anderen auch.. Aber uns als Fans schlecht hinzustellen weil wir Emotionen zeigen ist sehr flach... Wenn er nächstes Jahr kommt wird es schon normal sein das er ein Bauer ist...
11:13
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