Nadjfeji trifft Phoenix ins Mark
17.01.2010 | 19:49 Uhr 2010-01-17T19:49:00+0100
Hagen. Es hätte ein Befreiungsschlag werden sollen, stattdessen ereignete sich der Rückfall in alte Schwächen:
Mit dem - zu Saisonbeginn noch notorischen - Aussetzer im zweiten Spielviertel brachte sich Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen bei der 70:88 (25:42)-Niederlage gegen die Walters Tigers Tübingen um alle Chancen. Und muss im Abstiegskampf weiter zittern - im Gegensatz zu den abgezockten Gästen.
Keine Frage, es hätte bessere Zeitpunkte gegeben, um auf die Walter Tigers Tübingen zu treffen. Vier Siege in Folge wiesen die Neckarstädter als Team im Aufwärtstrend aus, diesen Eindruck untermauerten sie in der Phoenix-Halle eindrucksvoll. Und verabschiedeten sich mit dem fünften Erfolg in Serie - eine solche Bilanz hatten sie zuvor in der Eliteklasse noch nie geschafft - endgültig aus der bedrohten Zone. „Das war der wichtigste Sieg, den wir in dieser Saison geschafft haben”, freute sich Tigers-Coach Igor Perovic, während Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann bedauerte: „Im zweiten Viertel haben wir uns ein Loch gegraben, aus dem wir nicht mehr herausgefunden haben.”
Danach sah es zu Beginn indes nicht aus, denn der Auftakt vor 2823 Zuschauern gehörte den Gastgebern. Quentin Pryor blockte gleich im ersten Angriff Tübingens Romeo Travis, beim 7:2 (3. Minute) und 13:8 (7.) schien Phoenix auf dem Weg zum vierten Heimsieg in Folge. Doch allmählich wirkte sich der Druck aus, den Tübingen mit wechselnden Gegenspielern auf Spielmacher Michael Jordan ausübte. Fehlpässe bei guten Fastbreak-Chancen, Fangfehler der Center oder mit aggressiver Defensive erzwungene Ballverluste häuften sich bei den Hagenern, bis zur Viertelpause kippte Tübingen die Partie schon.
Das setzte sich im zweiten Spielabschnitt fort, auch wenn Phoenix nach dem 15:23 (11.) auf 21:23 (15.) verkürzte. Als es aber Trainer Ingo Freyer mit drei „Kleinen” versuchte und den bis dahin starken Pryor vorerst auf die Bank beorderte, nutzte Tübingens sprungstarker 1,96-m-Flügel Travis das entstandene „Missmatch”. Zehn Punkte trug er zur 16:0-Serie der Gäste nach dem 23:26 bei, drei Offensiv-Rebounds griff er sich dabei. Als Pryor wieder aufs Feld kam (18.), lag Tübingen schon mit 23:40 deutlich vorn, während die Gastgeber sich offensiv in hilflosen Einzelaktionen verzettelten.
Auch in der Folge konterten die Gäste, bei denen Branislav Ratkovica überlegt Regie führte und die Centergarde um den routinierten Aleksander Nadjfeji immer wieder am Brett punktete, alle Phoenix-Aufholbemühungen ganz cool. Zumal das Hagener Spiel fehlerhaft blieb und der Dauerdruck auf Jordan, der aus der Distanz gar nicht traf, Wirkung zeigte. So waren es vornehmlich Chase Griffin mit drei Dreiern und John Turek, die die Phoenix-Fans noch einmal hoffen ließen. Doch nachdem Griffin zum 68:74 verkürzt hatte (37.), traf Nadjfejis eiskalter Dreier die Gastgeber ins Mark. Triumphierend reckte der 33-Jährige die Faust - die Entscheidung.
„Nach Nadjfejis Schuss war die Sache gegessen”, bedauerte Freyer, der den Schlüssel für die Niederlage auf den großen Positionen sah: „Da hatten unsere Center Probleme.” Dass sein Spielmacher nicht an seine starken Leistungen der ersten Heimauftritte anknüpfen konnte, war für den Phoenix-Coach verständlich: „Michael Jordan wird bald wieder besser spielen. Es ist normal, dass er nach dem starken Start jetzt etwas durchhängt.” Einen starken Jordan wird man angesichts des schweren Heim-Restprogramms auch benötigen. Nicht nur Freyer weiß: „Jetzt müssen wir auch Auswärtsspiele gewinnen, um den Klassenerhalt zu schaffen."
Statistik
Hagen - Tübingen
70:88 (25:42)
Phoenix Hagen: Pryor (11), Griffin (19, 3/5 Dreier, 4 Ballverluste), Malte Schwarz (2), Kristof Schwarz, Grothe, Fleetwood (9, 1/5 Dreier), Kruel (6), Jordan (2, 0/5 Dreier, 10 Assists), Kale (7, 7 Rebounds), Turek (14, 10 Rebounds, 4 Ballverluste).
Walter Tigers Tübingen: Ratkovica (17, 7 Assists), Wright (7), Nadjfeji (15, 7 Rebounds), Thomas, Jenkins (2), Kronhardt, Travis (20, 9 Rebounds), Watts (12, 2/3 Dreier, 3 Steals), Williams (15).
Spielviertel: 15:21, 10:21, 26:21, 19:25.
Teamstatistik: 40:48% Wurfquote, 5/20:5/15 Dreier, 19/24:25/33 Freiwürfe, 39:32 Rebounds, 13:15 Assists, 21:10 Ballverluste, 5:9 Steals, 4:4 Blocks. - 2823 Zuschauer.

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