Literatur
Mutierte Zecken werden in Wissenschafts-Thriller zur Waffe
07.07.2009 | 09:35 Uhr 2009-07-07T09:35:00+0200
Hagen. Der Bestsellerautor Jürgen Kehrer ("Wilsberg") schreibt einen spannenden Thriller über Biowaffen. In "Fürchte Dich nicht!" kommt es zu einer Zecken-Panik auf Norderney.
Der Münsteraner Bestsellerautor Jürgen Kehrer ist durch seine Wilsberg-Krimis berühmt geworden. Manchmal geht Kehrer seinem Privatdetektiv allerdings fremd und erfindet neue Ermittler-Figuren. So wie in „Fürchte Dich nicht!”, einem packenden Wissenschafts-Thriller.
Der Schauplatz ist passend zu den Ferien gut gewählt: die Insel Norderney. Und die Mordwaffe hat auch einen Bezug zum Sommer: mutierte Zecken. Mit diesen Zutaten ist Spannung garantiert.
Martin Geis, Leiter der Polizeistation, ist nach Norderney strafversetzt worden. Seine Laune bessert sich nicht, als die Insel zum Schauplatz eines internationalen Gipfeltreffens gewählt wird und er für die Sicherheitsleute der Regierung den Fremdenführer spielen muss.
Als sich sehr merkwürdige Vorfälle im Zusammenhang mit Zeckenbissen häufen, kann Geis zunächst keine Querverbindung herstellen. Bei der Berliner Wissenschaftlerin Viola de Monti schrillen allerdings die Alarmglocken, als sie erfährt, dass die Frühsommerliche Meningoenzephalitis in Gebieten auf dem Vormarsch ist, wo normalerweise witterungsbedingt keine Zecken auftreten.
Keine Angst mehr
Viola de Monti leidet seit einem Überfall an Angstattacken. Die Opfer der mutierten Zecken hingegen entwickeln ein auffallend irrationales Verhalten. Ein Junge klettert auf einen Leuchtturm und springt, weil er fliegen will. Eine schmächtige Frau schlägt ihrem gewalttätigen Mann eine Bratpfanne auf den Kopf. Alle Symptome deuten darauf hin, dass die Infizierten Angst nicht fühlen können.
Kehrer ist ein sehr routinierter Autor, und mit „Fürchte Dich nicht!” legt er einen blitzsauberen „Seitenumdreher” vor. Psychologischen Tiefgang darf man hier nicht erwarten, der Leseanreiz liegt in der Koppelung der ungewöhnlichen Hauptfiguren, dem frustrierten Kommissar und der angstkranken Wissenschaftlerin, die beide ihre Grenzen überschreiten müssen, um hinter das Geheimnis der Plage zu kommen.
Was wird aus einer Welt, in der es keine Angst mehr gibt, in der vor allem Politiker keine Furcht mehr kennen? Paradies oder Hölle? Eher unauffällig bringt Kehrer gravierende ethische Fragen ins Spiel, die im Widerspruch zu üblichen Biowaffen-Szenarios stehen. Denn diese gehen ja davon aus, dass ein Einsatz verheerende Folgen hat.
Wilsberg vermisst der Leser also diesmal nicht. Wer das Buch im Strandkorb liest, darf sich auch bei Hitzewellen auf ein paar Stunden voller Gänsehaut freuen. Mit Zeckenspray fühlt man sich dabei allerdings wohler. . .
Jürgen Kehrer. Fürchte Dich nicht! Grafit-Verlag, 332 Seiten, 18,90 Euro

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