Musiker Kutlu setzt in Siegen Zeichen gegen Rassismus
17.12.2009 | 11:42 Uhr 2009-12-17T11:42:00+0100
Siegen. Zwanzig Jahre und kein bisschen weiter: „Wir dürfen nie aufhören, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen”, rief der Kölner Musiker Kutlu den rund 500 Demonstranten vor dem Siegener Rathaus zu. 65 Jahre nach dem verheerenden Bombenangriff in der Stadt seien Zeichen gegen Rassismus wichtig.
Der Sänger der Rap-Band „Microphon Mafia” weiß, wovon er spricht. „Wir haben vor 20 Jahren angefangen, mit unseren Liedern gegen den Rassismus zu singen”, erzählte er. Und fügt bedauernd hinzu: „Es hat sich seitdem nichts geändert.”
Deshalb sei es so wichtig, „auch in der Dunkelheit Gesicht zu zeigen”, mahnte Jan Vering, Dramaturg des Apollo-Theaters und Moderator der Kundgebung, die den Abschluss des Sternmarsches zum Kornmarkt bildete.
Eindrucksvolle Absage an Neonazis
Auch wenn es nicht so viele waren, wie die Organisatoren des Siegener Bündnisses für Demokratie gehofft hatten, es war eine eindrucksvolle Absage an die kleine Gruppe von Neonazis, die den 65. Jahrestag der Bombardierung Siegens durch englische und amerikanische Flieger erneut zum Anlass nehmen wollten, aus dem Tod von fast 400 Menschen politischen Nektar zu saugen.
Dass Geschichte nicht für ideologische Zwecke missbraucht wird, forderte Bürgermeister Steffen Mues, der wegen einer Krankheit seine Rede von seinem Stellvertreter Jens Kamieth vortragen ließ. „Der 16. Dezember darf von Faschisten und ihren Nachfolgern nicht missbraucht werden. Und ich protestiere dagegen, dass die Geschichte und der Name unserer Stadt für Propagandazwecke von Neofaschisten in den Schmutz gezogen wird.”
Bürgermeister fordert neue Kulur des Gedenkens
Mues erinnerte an Antwerpen. Die flämische Stadt, mit der Siegen über Peter Paul Rubens verbunden sei, wurde am 16. Dezember 1944 durch deutsche V2-Raketen zerstört. Der Befehl für den Abschuss sei von einem Kommandostand in Siegen aus erfolgt. In Antwerpen starben 567 Menschen. Der Siegener Bürgermeister forderte in diesem Zusammenhang„eine neue Kultur des Gedenkens”.

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