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Multiple Sklerose – eine Krankheit mit 100 Gesichtern

15.10.2009 | 11:47 Uhr
Multiple Sklerose – eine Krankheit mit 100 Gesichtern

Essen. Die Multiple Sklerose ist die häufigste Nervenkrankheit von jungen Erwachsenen. Problematisch ist vor allem, dass sie sehr unterschiedlich verläuft und deshalb oft erst spät erkannt wird.

Multiple Sklerose, auch als MS bezeichnet, ist eine Nervenerkrankung, die vor allem bei jungen Erwachsenen zum Ausbruch kommt. Meist wird sie zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt. Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft sind schätzungsweise zweieinhalb Millionen Menschen weltweit betroffen. Doch wie entsteht die Krankheit?

Entzündungen sind die Ursache

Die menschlichen Nervenzellen besitzen lange Arme, die sogenannten Axone. Sie leiten aufgenommene Reize an das Gehirn weiter, sowie Befehle vom Gehirn zu den Körper-Regionen. Die Axone sind von einer Hülle aus Eiweißen und Fetten umgeben, aber nicht vollständig, sondern durch Einschnürungen unterbrochen. Reize wandern deshalb nicht über den gesamten Arm, sondern werden von Schnürung zu Schnürung weitergegeben. So werden Signale blitzschnell übertragen.

Durch die Multiple Sklerose entzünden sich die Eiweißhüllen der Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark. Das Immunsystem reagiert auf diese Entzündungen, indem es Abwehrstoffe, die eigentlich gegen Krankheitserreger kämpfen sollen, bildet. Diese Abwehrstoffe greifen die entzündeten Eiweißhüllen an. MS gehört also auch zu den Autoimmunkrankheiten. Die Folge können erhebliche Einschränkungen in Körperempfindung und Bewegung sein.

Die Ursache für MS ist, trotz intensiver Forschung noch nicht eindeutig geklärt. Aber erbliche Faktoren scheinen einen Einfluss zu haben, denn Untersuchungen ergaben, dass Kinder von MS-kranken Eltern ein zehn - 30 mal höheres Risiko haben selbst zu erkranken.

Es gibt keinen typischen Krankheitsverlauf

Genauso wenig wie einen typischen Krankheitsverlauf gibt es auch kein typisches MS-Symptom. Deshalb wird sie auch als Erkrankung mit den 100 Gesichtern bezeichnet. Häufig sind Seh- und Empfindungsstörungen, sowie Muskellähmungen. Weitere Symptome können Sprachstörungen, Inkontinenz und Verstopfung sowie psychische Erkrankungen sein: depressive Stimmungen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, aber auch Euphorie.

Vor allem die Erkennung von MS im Frühstadium ist für den Arzt schwierig. Wenn der Verdacht besteht, können nur mehrere neurologische Untersuchung Aufschluss geben:

  • Untersuchung der Sehnerven
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Untersuchung das Nervenwassers
  • Computertomographie (CT) und Röntgenuntersuchung können andere Erkrankungen des Nervensystems ausschließen.

MS verläuft meist in Schüben

Die Erkrankung verläuft in den meisten Fällen in Schüben. Das heißt in wenigen Tagen zeigen sich Symptome, die Tage oder Wochen anhalten und danach wieder vollständig verschwinden können. Faktoren, die das Immunsystem schwächen, können akute Schübe auslösen. Dazu gehören: Stress, hormonelle Veränderungen, die in den Wechseljahren oder der Pubertät entstehen können, Virus-Infekte.

Multiple Sklerose kann aber auch ohne Schübe verlaufen. Die Beschwerden werden dann meist schleichend stärker. Bei einer anderen Verlaufsart verringert sich dagegen die Anzahl der Schübe im Laufe der Zeit, wobei die Symptome jedoch steigen.

Patienten sind verunsichert

Viele Patienten sind durch eine einseitige Darstellung der Erkrankung in Gesundheitsbüchern und Lexika oft verunsichert. Dabei ist die Prognose nicht so schlecht, wie allgemein vermutet wird. Nach einer mittleren Krankheitsdauer von 18 Jahren sind noch etwa ein Drittel der Betroffenen in ihrem täglichen Leben kaum eingeschränkt, gehen arbeiten und können den Haushalt selbstständig führen.

Carolin Voss

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