„Mocki”: „Danke, es war der Hammer”
04.10.2009 | 23:04 Uhr 2009-10-04T23:04:00+0200
Köln/Wilnsdorf-Obersdorf. „Mocki-Baby war plattski.“ Sabrina Mockenhaupt brachte es auf den Punkt. Sie war so erschöpft, dass sich im Ziel gleich vier eifrige Herren darum kümmerten, dass die Siegerin des Köln-Marathons ganz schnell eine Jacke überzieht.
Die 28-Jährige aus dem Siegerland hat die Herzen der Kölner schon lange erobert. Da machte es auch nichts, dass sie den angekündigten Streckenrekord um drei Minuten verfehlte. Mit 2:30:12 Stunden hat sich der „Lauffloh” in die Siegerlisten eingetragen.
Sie wusste ganz genau, dass es ein Risiko war, sechs Wochen nach den 42,195 Kilometern bei der Weltmeisterschaft in Berlin erneut über die Marathon-Distanz an den Start zu gehen: „Ein paar Körner habe ich da verschossen.“ Aber der Gedanke an die Atmosphäre
in Köln hat sie beflügelt. Überredet hat sie weder ihr Trainer, noch ihr Manager, noch der Veranstalter. „Aber bremsen wollten wir sie natürlich auch nicht“, gab Renndirektor Harald Rösch unumwunden zu. Die „Mocki, Mocki“-Rufe aus 350 000 Kehlen zeigen deutlich, wer der Liebling des Köln-Marathons ist. „Es war wieder einmal der Hammer, die Zuschauer schreien sogar an Stellen, wo du es nicht erwartest“, erklärt Sabrina Mockenhaupt. Erinnerungen an Karneval werden wach. Nur Kamelle sind ihr keine zugeschmissen worden, „auch wenn ich aus dem Augenwinkel raus einen Süßigkeiten-Wagen am Rand gesehen habe.“ Lust auf Schokolade und Bonbons sind Sabrina Mockenhaupt schon früh vergangen. „Ich hatte schon nach zehn Kilometern keinen Bock mehr. Da war mir der Anstieg zur Deutzer Brücke zum Schluss total egal. Aber für die Kölner musst du einfach durchlaufen“, so die 28-Jährige weiter. Nach der WM hat sie nur eine Woche regeneriert. Dann vier Wochen trainiert. „Dafür war es doch noch o.k., oder?“, fragt sie schon fast entschuldigend.
Ihre Halbmarathon-Zwischenzeit lag bei 1:14 Stunden, eine Zeit um die 2:28 Stunden
war da noch drin. Doch sie wusste schon früh, dass sie dieses Rennen gewinnen wird. Zu schwach besetzt war die Konkurrenz. Die Zweite, Rose Nyangacha aus Kenia, kam erst acht Minuten später ins Ziel, die Drittplatzierte Prisca Kiprono (Kenia) gar 16 Minuten nach ihr.
Auch der Wind auf den Geraden hat Sabrina Mockenhaupt schwer zu schaffen gemacht. Ein kleiner, schmächtiger Tempoläufer konnte ihr das Problem nicht nehmen. Auch nicht Vater Alfred, der wieder einmal mit dem Fahrrad nebenher gefahren ist.
Mutter Hildegard hatte morgens den Halbmarathon absolviert. Ihre Zeit (1:35:58 Stunden) kann sich sehen lassen, sie war sogar die Beste in der Altersklasse W55.
Vater Fred auf dem Rad
- Mutter Hildegard lief
Familie und Freunde empfingen Sabrina Mockenhaupt am Nachmittag im Athleten-Hotel. „Von den Knochen her könnte ich heute Abend schon wieder tanzen gehen.“ Ein Scherz? Bei „Mocki“ weiß man nie. Ihr ist alles zuzutrauen. In jedem Fall will sie sich ein Kölsch genehmigen. „Ich habe mein Leben so geändert. Abgesehen von meinem großen Mundwerk passe ich gar nicht mehr zu der kölschen Lebensart.“ Das stimmt nicht ganz. Denn schon zehn Minuten nach Zieleinlauf hatte sie sich das Mikro gegriffen und animierte die Massen: „Liebe Freunde, liebes Publikum, danke für eure Mocki-Rufe, es war der Hammer...“ nico
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