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Mit Jordan kann Phoenix nur gewinnen

03.01.2010 | 19:42 Uhr
Mit Jordan kann Phoenix nur gewinnen

Hagen. Ohne ihn haben sie fast nie gewonnen, mit Michael Jordan dagegen kann Phoenix Hagen anscheinend nicht verlieren. Nach zwei Heimsiegen gegen Trier und Braunschweig zum Ausklang 2009 gilt das auch im neuen Jahr.

02. Januar 2010. Hagen. Basketball Bundesliga BBL / Phoenix hagen gegen LTi Gießen 46ers (68:65) / Michael Jordan +++ Foto: Michael KLEINRENSING / Westfalenpost Lokalredaktion Hagen +++ Tel.: 02331 9174167 ## e-mail: m.kleinrensing@westfalenpost.de ## - Schürmannstraße 4 - 58097 Hagen +++

Und als dem Basketball-Bundesligisten gegen Tabellennachbar LTi Gießen 46ers doch die Niederlage drohte, regelte der US-Neuzugang die Angelegenheit selbst - per Dreier zum 68:65 (39:28)-Endstand 2,9 Sekunden vor der Schlusssirene.

Draußen rieselte unaufhörlich der Schnee, doch zwei Tage nach Silvester wurde in der mit 3013 Besuchern zum zweiten Mal ausverkauften Phoenix-Halle schon Karneval gefeiert. „Nie mehr zweite Liga”, sangen die Fans auf den brechend vollen Stehrängen, baten das Team nach der bei Siegen mittlerweile obligaten Ehrenrunde zur „Humba”, anschließend ließen die ausgelassen feiernden Spieler Wellen über alle vier Tribünen schwappen. Allen voran Quentin Pryor, der zurück zu alter Leistungsstärke und aus dem Aufstiegsjahr gewohntem Temperament gefunden hat - und nach der Schlusssirene den Ball vor Freude knapp über die Köpfe der Zuschauer hinweg vehement gegen die hintere Hallenwand gefeuert hatte.

Die Besucher im G-Block und auf den Stehplätzen blieben unbeschadet, wie auch Phoenix das im Abstiegskampf enorm wichtige Traditionsduell mit den bisher sieggleichen Gießenern glücklich überstand. Was am Ende wieder maßgeblich ein Verdienst des zwischenzeitlich müder werdenden Michael-Hakim Jordan war. Trotz vorangegangener drei Ballverluste kannte der 32-Jährige keine Nerven, als die Gießener 23 Sekunden vor dem Ende durch Kevin Johnson zum 65:65 erstmals ausgeglichen hatten. Nach einer Phoenix-Auszeit brachte Jordan sicher den Ball nach vorn, ließ die Uhr herunterticken. Und statt - wie zuvor meist - den Pass unter den Korb zu versuchen, nahm der Routinier 2,9 Sekunden vor der Sirene selbst aus mehr als acht Metern ansatzlos den Dreier, ohne den erst mit drei Teamfouls belasteten Gästen die Gelegenheit zum Eingreifen zu geben. Sein Wurf saß, während der letzte Verzweiflungsversuch von Gießens David Teague sein Ziel verpasste, danach gab es auf Parkett und Rängen kein Halten mehr.

Es war das Happy End eines Rückrunden-Auftakts, dem die Bedeutung für beide Teams anzumerken war. Dabei konnten die Gastgeber die Nervosität früher ablegen und nutzten ihre Überlegenheit auf den Centerpositionen. Während Chase Griffin den mit Trainingsrückstand auflaufenden Liga-Topwerfer Teague mit starker Defensive aus dem Spiel nahm, aber auch selbst gut verteidigt wurde, fand Jordan mit seinen Anspielen immer wieder John Turek und Jonathan Kale. Bis zum 14:6 (7. Minute) waren sie allein für die Phoenix-Punkte verantwortlich, auch nach dem 16:14 (11.) durch Gießens Zwischenspurt während einer kurzen Jordan-Pause auf der Bank setzten sich die aggressiv verteidigenden Hagener - nun zunehmend mit Fastbreaks - wieder ab.

Nach dem Wechsel allerdings hatten die Gäste sich besser auf das Phoenix-Spiel eingestellt. Jordan - vor der Pause ohne Wurfversuch, aber mit starken neun Assists - fand nun seltener Anspielpartner, das Hagener Offensivspiel wurde statischer. In einer hektischer und zerfahrener werdenden Partie schaffte Gießen beim 48:47 (28.) den Anschluss. Mehr indes nicht, Phoenix blieb stets vorn. Und als Jordan und Griffin dann endlich ihre ersten Dreier trafen (64:56, 37.), schien die Vorentscheidung geschafft. Doch Ballverluste brachten die Gäste wieder ins Spiel. Bis zum 65:65, dann war endgültig „Jordan-Time”.

„Genau dafür haben wir ihn ja geholt”, freute sich nicht nur Phoenix-Coach Ingo Freyer über den dritten starken Auftritt seines Spielmachers: „Seitdem Michael Jordan da ist, kann jeder andere auch besser spielen.” Und Kapitän Matthias Grothe blickte optimistisch voraus: „Mit diesem Selbstbewusstsein ist eine Menge möglich."

Statistik Hagen - Gießen

68:65 (39:28)

Phoenix Hagen: Pryor (13, 3 Steals), Griffin (5, 1/6 Dreier), Grothe, Fleetwood (2), Kruel (10, 8 Rebounds), Jordan (10, 2/2 Dreier, 12 Assists, 5 Ballverluste), Kale (18, 4/12 Freiwürfe, 11 Rebounds), Turek (12, 8 Rebounds).

LTi Gießen 46ers: Williams (14), Johnson (11, 8 Rebounds), Lischka (2), Weber, Teague (5, 18% Wurfquote), Freese (5), Jeffers (12), Werner (9), Strickland (7).

Spielviertel: 16:12, 23:16, 13:19, 16:18.

Teamstatistik: 53:46 % Wurfquote, 4/14:3/14 Dreier, 8/17:6/11 Freiwürfe, 38:29 Rebounds, 19:8 Assists, 19:14 Ballverluste, 9:7 Steals, 2:4 Blocks. 3013 Zuschauer.

Stimmen

Ingo Freyer (Trainer Hagen): Jordan war im letzten Viertel der entscheidende Mann. Aber auch unsere Center haben einen sehr guten Job gemacht. Griffin hat sich offensiv zurückgenommen, aber eine sehr starke Defensive gegen Teague gespielt. Einzig negativ war die hohe Zahl der Ballverluste, 19 sind einfach zu viele. Aber alles, was heute zählte, war der Sieg.

Vladi Bogojevic (Trainer Gießen): Es war das erwartete Duell zweier Teams, die schon jetzt gegen den Abstieg kämpfen müssen. Uns hat die Nervosität in der ersten Hälfte noch mehr gelähmt als Phoenix. Nach dem Wechsel haben wir den Energie-Level steigern können und einen Rückstand aufgeholt. Am Ende hat uns in der Situation, als wir unser viertes Teamfoul hätten nutzen können, die Cleverness gefehlt.

Matthias Grothe (Kapitän Hagen): Das war ein unheimlich wichtiger Sieg. Wir haben eine Super-Defensive gespielt, jeder hilft jedem. Bei Jordan kann sich jeder darauf verlassen: Wenn er offen ist, kriegt er den Ball.

Axel Gaiser

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