Mit der Harley geht es nach Småland
13.05.2009 | 19:58 Uhr 2009-05-13T19:58:00+0200Siegen. Rund 1 100 Kilometer sind es von der Ziegelwerkstraße in Siegen nach Kosta. Kosta liegt in Småland, Schweden, und ist die Heimat von Yvonne Spickermann. Die gebürtige Schwedin kam mit 19 Jahren nach Siegen. Das war 1973.
Ihr späterer Ehemann war mit Freunden auf Motorradtour Richtung Norden gefahren. „Wir sahen uns, und es hat gleich eingeschlagen”, sagte Yvonne Spickermann. Sofort habe sie gewusst, „mit dem muss ich mit.” Da wusste sie auch schon, dass ihr Zukünftiger sein Geld mit Bestattungen verdient. Sie gab ihre Arbeit als Verwaltungsangestellte auf. Zehn Tage später ging es Richtung Siegerland: „Das war das erste Mal, dass ich meinen Vater weinen sah.” Doch er habe auch gesagt, wenn es nicht funktioniert, könne sie jederzeit wieder zurück kommen.
Siegener haben sie
herzlich empfangen
Aber es funktionierte. Zwar gab es zu Anfang einige Probleme: „Ich habe alle drei Monate meine Aufenthaltserlaubnis erneuern lassen müssen.” Und die blonde Schwedin durfte auch nicht arbeiten. Doch die Siegener hätten sie herzlich und mit viel Gastfreundschaft empfangen.
Ihr Zuhause sieht sie inzwischen in Kosta und in Siegen: „Bin ich in Siegen, sehne ich mich nach Schweden, bin ich in Schweden, will ich nach Siegen.” Sie sei halb und halb, das Herz könne sich nicht auf eine Seite schlagen. Trotzdem habe sie das Gefühl, ihre Wurzeln in Småland zu haben. „Die Luft dort ist eine Andere.”
Die Siegener Filiale eines schwedischen Möbelverkäufers bringe ein Stück blau-gelbe Heimat in die Ziegelwerkstraße. Dennoch brechen die Spickermanns mindestens einmal im Jahr nach Schweden auf. Im Sommer werden die beiden – jeder mit seiner eigenen Harley-Davidson – wieder die 1 100 Kilometer fahren. Etwa 400 Kilo wiegt ihre Maschine, vollgepackt und vollgetankt.
Politisch sei sie überhaupt nicht. Sie werde aber wählen gehen. Als Deutsche, denn seit zwei Jahren hat sie beide Staatsangehörigkeiten. Sie freue sich auf die schwedische Ratspräsidentschaft: „Mal sehen, was Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt machen wird.”

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