Mini-Welt voll ungewöhnlicher Ideen
29.10.2008 | 17:08 Uhr 2008-10-29T17:08:13+0100Olpe/Wendenerhütte. Mit der Kaffeetasse in der Hand kommt er auf die skurrilsten Ideen. Otmar Kieserling, Ex-IT-Leiter der Firma EMG in Wendenerhütte, liebt Miniaturwelten - schon seit 30 Jahren. ...
... Der gewöhnliche Modellbahn-Bauer legt Wert auf schöne Bäume, tolle Landschaften und authentische Häuser. Auch für Otmar Kieserling sind Details wichtig, doch sie sehen oft erfrischend anders aus als die seiner Kollegen. Auf 30 Quadratmetern im Obergeschoss seines Wohnhauses liegen Landstreicher in der VIP-Loge des Tennisturniers, tummeln sich Kapitäne zur See auf den Wies'n in Hamburg oder steht der Olper Schützenzug vor der geschlossenen Bahnschranke.
"Heute kann man alle Szenerien offiziell oder unter der Ladentheke bekommen", erklärt der Modellbauer, der vom Miniland-Fieber in Wengen (Allgäu) und Hamburg angesteckt wurde. Szenen wie aus dem Leben - und dazwischen rollen quietschende, dampfende und pfeifende Züge.
Auf dem Dach des Zirkus Krone beschäftigt sich ein Tiger mit der entführten Dompteuse. "Ich überlege, noch einen dritten ausbrechen zu lassen", so Kieserling, der ständig an neuen Szenarien arbeitet, die auch lokalen Charakter haben können.
Ümmerich darf nicht fehlen
Bei seinen Dioramen darf natürlich auch der Ümmerich nicht fehlen. Hunderte Schützen tummeln sich auf dem Festplatz. Auf dem Dach landet ein Polizeihubschrauber, dessen Besatzung den jetzt einsitzenden Ex-Schützenkönig, der eine Wildsau auf der Schulter trägt, beim Freigang begleitet. Und im Kreuzbergstadion sitzt ein afrikanisches Ehepaar mit blondem Nachwuchs auf der Tribüne.
"Heute bekommt man alles über's Internet", weiß Kieserling, der bei Ebay und anderen Portalen ständig auf der Suche nach Figuren zur Umsetzung seiner Ideen ist. "Waren es vor 30 Jahren eher die biederen Standard-Situationen mit Wanderern im Gebirge oder Badegästen an der See, bekommt man heute fast alle erdenklichen Szenerien: vom Pärchen, das Liebe im Auto macht, bis zum Blasmusikorchester." Der Modellbauer kennt die Szene und hat schon so machen Euro für Figuren und Szenerien ausgegeben. Wie viel, das will er lieber nicht sagen.
Auf seiner Anlage könne acht Züge fahren, die vom "Schattenbahnhof" unter der Tischplatte über Serpentinen an die Oberfläche kommen. Dort fahren dann Dampflokomotiven oder der französische TGV entlang an Kirmesbesuchern, die mit dem Luftgewehr Grillhähnchen erschießen, an Anglern im Pinguin-Gehege oder einem Spanner, der während der Beerdigung vor der Witwe den Mantel öffnet. Beim einmaligen Rundblick über seine Anlage lassen sich die witzig-originellen Situationen längst nicht erfassen.
"Was soll ich mich als Rentner vor den Fernseher setzen? Da kann ich doch lieber etwas Sinnvolles machen", erklärt Kieserling. Die Ideen gehen dem 60-Jährigen nicht aus. Während er unzählige Kabel unter der Winkelplatte sauber in Kabelkanäle verlegt, fällt ihm immer wieder was Neues ein. Augenzwinkernde Kreativität statt Eintönigkeit: Auf dem Diorama der Krombacher Brauerei auf Kieserlings Spanplatte macht gerade ein Warsteiner-Zug Station...
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