Maria Riesch verpasst ersehnte Olympiamedaille
19.02.2010 | 08:27 Uhr 2010-02-19T08:27:45+0100
Whistler.Skirennläuferin Maria Riesch hat eine Olympiamedaille im Abfahrtsrennen verpasst. Lindsey Vonn (USA) gewann souverän Gold, Riesch wurde nur Achte. Da halfen der Deutschen vor dem Start auch nicht die Gesten der Entschlossenheit, die sie sich von Schwimm-Weltmeister Paul Biedermann abgeschaut hatte.
Bevor Maria Riesch ihre olympische Premiere auf der Abfahrtsstrecke Franz’s Run gab, klopfte sie sich noch einmal ganz fest mit der rechten Faust auf die linke Brust. Genau so hatte es Paul Biedermann bei der Schwimm-WM im vergangenen Juli getan und dann den US-Superstar Michael Phelps bezwungen. Bei Maria Riesch zeigte die Geste der Entschlossenheit nicht die erhoffte Wirkung. Statt der ersehnten Medaille oder gar des Olympiasiegs sprang für die 25-Jährige nur der achte Platz heraus. Während Riesch noch nach Erklärungen suchte, wischte sich Lindsey Vonn die Tränen der Freude von den Wangen. Das US-Glamour Girl des Skisports hielt dem gewaltigen Druck stand und gewann die Goldmedaille vor ihrer US-Teamkollegin Julia Mancuso und der Österreicherin Elisabeth Görgl.
Spektakulärer Sturz der schwedischen Mitfavoritin Anja Pärson
„Es war ein harter Kampf“, sagte Vonn, die als erste US-Amerikanerin eine olympische Abfahrt gewann, „ich musste mich förmlich die Piste herunterarbeiten. Die Sprünge gingen höher und weiter, als ich das erwartet hatte. Aber ich habe es trotzdem geschafft.“ Im Gegensatz zu einigen anderen Rennläuferinnen, die bei strahlend blauem Himmel das Rennen mit Stürzen beendeten. Glücklicherweise scheinen alle Läuferinnen ohne schwere Verletzungen davongekommen zu sein. Besonders spektakulär war der Sturz der schwedischen Mitfavoritin Anja Pärson, die unmittelbar vor Riesch gestartet war, aber nach einem 58-Meter-Sprung auf die Piste aufschlug. Vielleicht war Riesch durch die Zwangspause aus dem Konzept gebracht worden. „Ich habe keinen großen Fehler gemacht“, lautete die Schnellanalyse von Maria Riesch, „vielleicht gab es ein paar kleine. Das war nicht in Ordnung von mir.“
Vier lange Tage hatten die besten Skirennläuferinnen der Welt auf ihre erste Entscheidung bei Olympia warten müssen. Während sich Maria Riesch trotz der Wetterkapriolen bemühte, ihre gute Laune zu bewahren und sich nicht durch die Verschiebungen aus dem Konzept bringen zu lassen, kam Lindsey Vonn das Wartespiel sehr gelegen. Jede Stunde brachte ihr Zeit, ihre Schuhrandprellung behandeln zu lassen. Die Verletzung hatte zeitweise sogar ihre Olympiateilnahme in Frage gestellt.
Das wäre bitter gewesen. Nicht nur für die zweifache Weltmeisterin von 2009, auch für den US-Fernsehsender NBC. Seit Tagen sollen die Zuschauer mit dem Werbespot „Verpassen Sie Vonn-couver nicht“ vor den Bildschirm gelockt werden. Noch lieber wäre den NBC-Strategen wohl eine Eiskunstläuferin gewesen, aber im Moment gibt es nicht den großen Star auf Kufen. Es sollen die „Vonn-Spiele“ werden, so wie es in Peking 2008 die „Phelps-Spiele“ waren. Fünfmal will Vonn in Vancouver starten, NBC würde gerne fünfmal Gold bejubeln und so die Einschaltquoten in die Höhe treiben. Gestern gab es die erste Siegesfeier.
Wichtige Rolle für Marie Riesch: die Widersacherin
Maria Riesch spielt eine wichtige Rolle in dieser Inszenierung. Ein Held braucht einen Widersacher. Und diesmal ist es nicht Gut gegen Böse, diesmal ist es das Duell zweier guter Freundinnen, die sich im Leben schätzen, aber auf der Piste bekämpfen. Für Vonn und Riesch war es nicht einfach, Privates und Sportliches vor diesem Höhepunkt ihrer Karriere zu trennen. Im Vorfeld war sogar spekuliert worden, ob die Schienbein-Verletzung der US-Amerikanerin nur ein großer Bluff war, um die Gegnerinnen zu irritieren und die Aufmerksamkeit der Medien noch weiter anzuheizen. „Ich glaube nicht, dass Lindsey ein Pokerspiel betreibt“, erklärte Riesch, „Sie hat sicher Schmerzen, aber es scheint sie nicht sehr zu beeinflussen.“
Das hat Vonn am Mittwoch beeindruckend bewiesen. Am Donnerstag geht es bereits weiter in „Vonn-couver“, wenn die Kombination auf dem Programm steht. Aber diesmal will Maria Riesch ihrer Freundin das Geschäft verderben: „In der Abfahrt hat es nicht sollen sein. Die Kombi ist ein neues Rennen. Da gehe ich Vollgas drauf.“

11:29
Der Abfahrtslauf der Damen, den ich in Unkenntnis der Übertreibungen bei der Kursgestaltung freudig erwartet hatte, war keine Werbung für den so schönen Sport, im Gegenteil, als Maria Riesch startete, hoffte ich nur, daß sie heil herunter kommen würde.
Ich liebe Sport. Ich liebe Sport so sehr, daß es mir wichtig ist, seine Schönheit, seine Dramatik und das gesunde Umfeld zu erhalten und zu fördern.
Doch höher-schneller-weiter hat seine Grenzen, die schon beim Rodel-Wettbewerb auf ebenso unverantwortliche wie tragische Weise deutlich wurden.
Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen von Nodar Kumaritaschwili, um den es mir unendlich leid tut. Sein Tod mußte Mahnung an alle Beteiligten und das Publikum sein, die Grenzen der Vernunft nicht zu überdehnen.
Aus seinem tragischen, vermeidbaren Unfall hat man keine Konsequenzen gezogen, zu sehr ist man offensichtlich der Brutalität und Sensationsgier verhaftet.
Es ist an der Zeit, trotz Millionengeschäftes, den Schutz der Athletinnen und Athleten wieder in den Vordergrund zu stellen. Boykott der Übertragungen könnte ein erstes Mittel sein.
10:51
Sicherlich war es mit dem Rodler eine tragische Geschichte, aber es war trotzdem, so lapidar es sich auch anhören mag, ein Fahrfehler. Sicherlich sind die Strecken und Bahnen auf höher, schneller und weiter getrimmt, das möchte ich auch gar nicht in Abrede stellen, aber ein Restrisiko bleibt auch immer vorhanden - selbst bei langsameren Bahnen. Dafür sind die Geschwindigkeiten nun einmal viel zu hoch und die genannten Sportarten einfach zu gefährlich. Die Leistung von Katja Riesch gestern ist sicherlich biter, aber auch vollkommen nachvollziehbar. Zum einen war der Rhythmus nach den ganzen Stürzen dahin, zum anderen überwiegte dann anscheinend doch noch die selbst gewählte Sicherheit.
08:52
..nicht zu glauben, da stirbt ein junger Rodler, weil man sich einfach über bestehende Risiken hinweggesetzt hat und jeder, der mit einem Sportlerherz gestern den Abfahrtslauf der Damen gesehen hat, konnte nicht nur ahnen, was in den Herzen der Mädels los war, als sie diesen Weg hinunter mußten. Herzlichen Glückwunsch nach Kanada zu diesem schlimmen Schauspiel, halleluja
06:13
Ich glaube nicht, dass Vonn ein Pokerspiel betreibt ??? Ich schon - für so etwas sind US-Sportler berühmt und berüchtigt, siehe z.B. Lance Armstrong.
Auf solch einer mörderischen Piste Medaillen auszufahren, kann man nur (vorsichtig formuliert) als sehr gewagt und total ignorant gegenüber der Gesundheit von Sportlern bezeichnen. Weitere Übertragungen aus Vancouver schaue ich mir nicht mehr an. Ich werde nicht durch eine hohe Einschaltquote solche Sensationsgeilheit der Medien unterstützen. Good bye Canada !