„Man hört nie auf, Architekt zu sein“

Dafür hat Architekt Heiko Sasse eine Anerkennung erhalten.
Dafür hat Architekt Heiko Sasse eine Anerkennung erhalten.
Foto: ungeklärt

Schwerte.. Um Architekt zu sein, bedarf es einer gewissen Kreativität. Und einer gewissen Geschicklichkeit. Auch Pragmatismus ist kein Nachteil. Heiko Sasse vereint diese Eigenschaften ausgesprochen schmackhaft in seinem Hobby, dem Kochen. Bolognese ist ein Lieblingsgericht. Nicht mit Spaghetti, sondern mit Fussili. „Da bleibt die Soße besser haften“. Aha, ein Genießer!

„Schön, mal wieder in Schwerte zu sein“, sagt der 36-Jährige. Die Besuche in seiner Heimat sind selten, fünf-, sechsmal im Jahr treibt es ihn an die Ruhr. Hier kennt er nahezu alle Sportplätze. Richtig, der Architekt Heiko Sasse war einmal Fußballer. Ein guter zudem. Beim TuS Holzen-Sommerberg begann der, dem runden Leder nachzulaufen. Beim VfL Schwerte hat er gespielt, später in der Oberliga für den VfR Sölde. Er war beim ETuS Schwerte-Ost, zwischendurch beim TuS Iserlohn, hat in der legendären Viktor-Hötter-Kampfbahn am Grüntaler Teich die ganz großen Zeiten der DJK Schwerte mitgemacht und auch noch für den SV Geisecke gekickt. Und heute? Kein Fußball mehr, „die Sprunggelenke sind kaputt“, sagt er. Ein bisschen Tennis noch, das war’s in Sachen Bewegung.

In Sachen Architektur ist er weitaus aktiver. Heike Sasse arbeitet für das Kölner Architektenbüro LHVH ARCHITEKTEN, und da geht’s ganz schön ab. „Es gibt viel zu tun“, sagt er und meint damit nicht nur den Bau von Einfamilienhäusern. In Lüdenscheid zum Beispiel hat der Schwerter Junge das Projekt Lichtstele für den dortigen Bahnhofsvorplatz mitgestaltet. In Düren baut er momentan eine Zahnarzt-Praxis um, nachdem er genau diesem Herrn Doktor in der Eifel ein traumhaft schönes Wochenend-Haus mit einem traumhaft schönen Blick auf einen Rurstausee gebaut hat. Dafür haben das Büro und Heiko Sasse als Projektleiter sogar eine Auszeichnung erhalten.

Anerkennung zur Auszeichnung guter Bauten nennt sich die „Trophäe“, mit der sich Heiko Sasse schmücken darf. Verliehen wurde sie vom Bund Deutscher Architekten (BDA), hier von der Landesgruppe Aachen. Wer das Haus sieht, weiß warum. Oberhalb des Sees wurde es mitten in einem Eifel-Hang errichtet – mit Handarbeit von vorne bis hinten. „Das Haus ist 100m abwärts nur zu Fuß zu erreichen, und genauso haben wir das Material dorthin gebracht“, erklärt Heiko Sasse. Mit Kreuzhacke und Schubkarre habe man gearbeitet „wie vor 100 Jahren“. Auch die Gestaltung der Innenausstattung hat der Schwerter übernommen. Als das Haus fertig war, hat es vor der Jury den Vergleich „mit alten Ikonen an der kalifornischen Pazifikküste“ (Sasse) bestanden. „Ein Artefakt mitten in der Natur“, kommt selbst der Architekt ins Schwärmen.

Heiko Sasse wurde am 31. August 1974 in Hagen geboren, wuchs aber in Schwerte auf. Nach seiner Grundschulzeit in Holzen baute er am Friedrich-Bährens-Gymnasium sein Abitur. Danach arbeitet er in der Schlosserei seines Vaters Eberhard, machte dort seinen Metallbaumeister. Das Studium der Architektur „hatte ich aber immer schon im Hinterkopf“, so Sasse. So wechselte er aus dem väterlichen Betrieb mit 28 Jahren auf die Fachhochschule Dortmund und schloss dort sein Studium 2008 als Diplom-Ingenieur Architektur ab. Der Kontakt zum Kölner Büro war schnell hergestellt, weil er dort während seines Studiums ein Praxissemester absolviert hatte – mit offenbar bleibendem Eindruck.

Jetzt ist Heiko Sasse gefangen in seinem Job. Vor lauter Begeisterung. Ständig, verrät er, habe er ein Notizbuch in der Tasche, um Ideen sofort aufschreiben zu können. „Das Schöne an dem Job ist, dass sich Kreativität mit Technik verbindet“, sagt er. „Man hört nie auf, Architekt zu sein“. Es sei denn, eine Frau funkt dazwischen. So wie seine Lebensgefährtin Claudia. Die wird demnächst Zwillinge zur Welt bringen – was für eine herrliche Nachricht! Wetten, dass Heiko Sasse dann zwischenzeitlich auch mal gerne vergessen wird, Architekt zu sein?

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE