Magdalena Neuner gewinnt historisches Gold
16.02.2010 | 21:47 Uhr 2010-02-16T21:47:00+0100
Whistler.Biathletin Magdalena Neuner aus Wallgau hat bei ihrer Premiere bei Olympischen Winterspielen eine historische Goldmedaille für Deutschland gewonnen. Die sechsmalige Weltmeisterin setzte sich nach Silber im 7,5-Kilometer-Sprint am Dienstag im Verfolgungsrennen über 10 Kilometern durch.
Mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht flog Olympiasiegerin Magdalena Neuner auf den letzten Metern der Ziellinie entgegen. Nach ihrem Sturmlauf zum heißersehnten Biathlon-Gold im Jagdrennen von Whistler riss die 23-Jährige die Arme nach oben und schlug ungläubig die Hände vors Gesicht. „Ja, jetzt bin ich Olympiasiegerin, das ist einfach nur der Wahnsinn“, rief die 23-Jährige, nachdem sie sich ihren großen Traum erfüllt hatte: „Ich habe zwar den letzten Schuss danebengezittert, aber ich wusste trotzdem, dass es reicht.“
Es war eine historische Goldmedaille für das deutsche Team, das in der ewigen Medaillenliste der Winterspiele Russland als Nummer 1 ablöste. Doppel-Olympiasiegerin Andrea Henkel belegte mit 1:24,5 Minuten Rückstand auf Neuner Platz zehn, die dreimalige Olympiasiegerin Kati Wilhelm wurde Zwölfte knapp vor Simone Hauswald 16.
Thomas Bach: „Aus diesem Holz sind Olympiasieger geschnitzt“
Nachdem sie Gold bei ihrer Olympia-Premiere in Whistler noch um 1,5 Sekunden verpasst und hinter der Slowakin Anastazia Kuzmina „nur“ Silber gewonnen hatte, drehte die sechsmalige Weltmeisterin im Jagdrennen wie entfesselt den Spieß um. Mit 26 Sekunden Vorsprung auf Kuzmina kam Neuner zum letzten Stehendschießen, ließ die letzte Scheibe stehen, flog durch die Strafrunde und ging mit 6,2 Sekunden Vorsprung auf Kuzmina in die letzte Runde: „Ich wusste, dass ich es schaffe“, sagte die glückliche Siegerin: „Sechs Sekunden muss man erstmal aufholen.“
„Hut ab, Magdalena Neuner ist unglaublich. Phantastisch, mit welcher Nervenstärke und mit welchem Willen sie ihr Ziel umgesetzt hat. Aus diesem Holz sind Olympiasieger geschnitzt“, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach und umarmte Biathlon-Chefcoach Uwe Müssiggang: „Aber meine Nerven haben gelitten.“
Dieser Triumph wird das ganze Team wachrütteln
Im Ziel hatte Neuner trotz zweier Schießfehler 12,3 Sekunden Vorsprung auf Sprint-Olympiasiegerin Kuzmina. Bronze gewann die Französin Marie-Laure Brunet. „Lena war läuferisch überragend. Dieser Triumph wird das ganze Team wachrütteln“, sagte Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, mit Tränen in den Augen.
Vor dem Rennen hatte Neuner vor Selbstbewusstsein geradezu gestrotzt, auch im Rennen vermittelte sie nie die Spur eines Zweifels. Schon 800 m vor dem Ziel huschte ein Lächeln über ihr Gesicht: „Da habe ich nur gehofft, dass ich auf den Skiern bleibe und nicht auf der Abfahrt noch abfliege.“
Acht Rennen in Serie hatte Neuner zuletzt auf dem Siegerpodest gestanden, mit nur 1,5 Sekunden Rückstand auf Kuzmina ging sie auf die Jagd nach dem Gold. Bis kurz vor dem Start hatte es geregnet und geschneit, doch dann riss über der mit Schneezement befestigten Strecke der Himmel auf. Neuner stürmte sofort wie der Teufel los und überholte Kuzmina schnell. „Beim ersten Rennen waren wir mit dem Material nicht gut dabei. Aber unsere Techniker haben reagiert“, sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang.
Der siebte Olympiasieg der Geschichte für die deutsche Biathlon-Frauen
Beim ersten Schießen schossen die beiden Spitzenreiterinnen schnell, fast simultan und fehlerlos. So wuchs der Vorsprung der beiden auf das Verfolgerfeld auf über eine halbe Minute. Beim zweiten Liegendschießen traf Neuner ähnlich schnell alle fünf Scheiben, während sich Kuzmina einen Fehler leistete. So lag die Deutsche bei Halbzeit der 10 km mit 25 Sekunden Vorsprung klar auf Goldkurs. Beim ersten Stehendschießen ließ Neuner eine Scheibe stehen, doch Kuzmina patzte ebenfalls, der Vorsprung blieb bestehen. Beim vierten Schießen war Neuner sehr schnell, ließ aber die letzte Scheibe stehen: „Beim letzten Schuss war ich so brutal nervös, weil ich daran gedacht habe, jetzt geht es um den Olympiasieg. Prompt ging er daneben.“
So ging sie nur mit 6,2 Sekunden Vorsprung auf die Schlussrunde, ließ sich auf dem Weg zu Gold aber nicht mehr stoppen. Sie holte den siebten Olympiasieg der Geschichte für die deutschen Biathlon-Frauen. Zusätzlichen Motivationsschub vor dem Goldrennen hatten Neuners Mutter Margit und Vater Paul aus dem heimatlichen Wallgau nach Whistler gebracht. Die Eltern hatten vor dem Rennen jede Menge nachträglicher Geburtstagspräsente von Freunden und Verwandten abgeliefert, denn die Tochter war am 9. Februar 23 Jahre alt geworden. Neuner hat ihre nächste Goldchance am Donnerstag über 15 km - falls sie Bundestrainer Uwe Müssiggang nominiert. „Sie wird auf jeden Fall starten, außer sie sagt von sich aus, dass sie Probleme hat.“ (sid)

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