"Lear" war mit über 35 ein Tieropa
02.07.2009 | 18:05 Uhr 2009-07-02T18:05:00+0200LEAR, der über 35 Jahre alte Zwergflusspferd-Opa im Zoo Duisburg, ist friedlich entschlafen. Das Tier, so heißt es im Zoo, sei in allen Belangen außergewöhnlich gewesen
Keine 30 Jahre nach der Entdeckung der Zwergflusspferde in Westafrika kamen bereits vier davon Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Zoo Duisburg und begründeten eine beispiellose Zucht dieser zoologischen Raritäten am Kaiserberg.
Mit seiner langjährigen Partnerin QUIRLY zeugte LEAR etliche Jungtiere, die im Rahmen eines europaweit koordinierten Erhaltungszuchtprogrammes an andere Zoologische Gärten abgegeben werden konnten. Bis zuletzt konnten ihn die Besucher in trauter Familienidylle zusammen mit seiner 2jährigen Tochter AYOKA sehen.
Doch mit wertvoller Genetik allein, so heißt es im Zoo, werde man dem Charaktertier LEAR nicht gerecht. Stets standen Pfleger aus anderen Zoos mit offener Kinnlade vor den Duisburger Kollegen, wenn diese ohne jedes Abwehrgerät zwischen den Zwergflusspferden auf der Anlage standen. Gelten die Mini-Flusspferde unter Fachleuten doch als durchaus angriffslustig und lebensgefährlich!
In Duisburg hingegen konnten die Tierärzte ihre Behandlungen weitestgehend am unnarkotisierten Tier vornehmen, streichelten die Tierpaten die kleinen Kolosse und durfte LEAR einmal sogar den Verlobungsring überbringen, der an einer Halsschleife festgebunden war.
Ruhe und Gelassenheit zeichneten den tierischen Opa aus, schon von Beginn an. Den Pflegern gegenüber war er stets sehr aufmerksam und gehorchte quasi auf Zuruf. Außergewöhnlich war darüber hinaus das Verhalten seinem Nachwuchs gegenüber, dessen spielerische Rangeleien er geduldig ertrug. Dass er eine zeitweise zickige Partnerin hatte, störte ihn offenbar nicht, denn Ehestreitigkeiten bei Herrn und Frau Zwergflusspferd konnte man an einer Hand abzählen.
Der Zoo Duisburg verliert mit LEAR einen seiner ältesten Bewohner und auf alle Fälle auch einen seiner liebenswürdigsten, sind sich die Tierpfleger einig.
19:19
Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.
Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele Verbesserungen sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.