Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Kommentar

Krippengipfel unter Zeitdruck

30.08.2012 | 18:32 Uhr
Krippengipfel unter Zeitdruck
Die Anforderungen an U3-Plätze (so wie hier im städtischen Kindergarten Isenbügel an der Pestalozzistraße) werden von der Landesregierung kurzfristig gesenkt.Foto: H.W. Rieck/WAZ FotoPool

Die Zeit drängt. In elf Monaten gilt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes dritte Kleinkind mit ein oder zwei Jahren. Eine Protestwelle der Eltern ist schon jetzt garantiert, weil der Bedarf an U3-Plätzen nicht nur in Großstädten deutlich höher ausfällt als die am grünen Tisch geplanten 32 Prozent. Dabei liegt selbst dieses Minimalziel in vielen Gemeinden im Wunschbereich.

Der Krippengipfel in NRW war deshalb auch eine Panikreaktion auf die drohende Versorgungslücke. Ministerin Schäfer will Kommunen und Kita-Träger in Mithaftung nehmen, bevor die Wogen höher schlagen. Schließlich scheitern Ausbauprogramme schon allein daran, dass in der Kürze der Zeit nicht genügend Erzieher eingestellt werden können, um den Mehrbedarf zu decken.

Im Bundestagswahljahr 2013 dreht der Bund den Geldhahn noch einmal auf, um die politisch angestrebte Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Parallel senkt NRW auf Drängen der Kommunen und Kreise Standards und lässt mit Provisorien in der Not auch mal fünf gerade sein. Das Zauberwort „pragmatisch“ dürfte Kritiker bald auf den Plan rufen. Gruppengrößen von bis zu 15 Unter-Dreijährigen sind sicher grenzwertig, wenn Betreuung nicht zu Verwahrung werden soll.

Bedarf und Versorgung mit U3-Plätzen sind regional sehr unterschiedlich. Deshalb sind passgenaue Lösungen für Großstädte wie ländliche Regionen überfällig. Die Politik muss sich vorhalten lassen, dass sie den Bedarf an U3-Plätzen jahrelang unterschätzt hat. Junge Familien benötigen Betreuungsangebote, um beruflich aktiv zu bleiben. Die weiter sinkende Geburtenrate ist deshalb auch ein Indiz für die unzureichenden Angebote zur Betreuung von Kleinkindern.

Zumindest beim Ziel des Ausbaus der Kita-Plätze sind sich die Parteien einig. An Aktionismus oder wechselseitigen Schuldzuweisungen der Politiker wegen der schleppenden Fortschritte sind Eltern nicht interessiert. In den nächsten elf Monaten geht es allein darum, Worten Taten folgen zu lassen.

Wilfried Goebels

Kommentare
Funktionen
Lesen Sie auch
Aus dem Ressort
Endlich „echte“ Königsklasse
Champions League
96 Spiele werden allein in der Vorrunde der Champions League bestritten. Ein aufgeblasener Wettbewerb und seine Konsequenzen für Vereine und Fans.
Je suis Charlie – so reagiert die Region auf den Terror
"Charlie Hebdo"
Der Terroranschlag in Frankreich hat auch die Menschen in der Region erschüttert. Es wird befürchtet, dass Pegida weiteren Zulauf erfährt.
BGH prüft irreführende Werbung für Monsterbacke-Quark weiter
Ehrmann-Klage
Die Verpackung ist knallbunt – der Inhalt zuckersüß. Dennoch bewarb Ehrmann seinen Kinderquark "Monsterbacke" mit einem Slogan, der gesundes Essen...
Zwei Schiffe stoßen auf dem Rhein zusammen
Havarie
Zwei Schiffe stießen in der Nacht auf Freitag auf dem Rhein in Höhe von Rees-Grietherort zusammen. Dabei entstand laut Polizei ein Sachschaden von...
Bund investiert zu wenig Geld in Ganztagsschulen
Bildung
Viele Eltern würden ihre Kinder gern nachmittags in der Schule betreuen lassen. Aber der Ausbau der Ganztagsschulen stoppt — weil aus Berlin kein Geld...
Fotos und Videos
Alle Januar-Fotos
Bildgalerie
Fotostrecke
Eine Tour zu den "Game of Thrones" Drehorten
Bildgalerie
Fotostrecke
So schön ist Thailand
Bildgalerie
Fotostrecke
Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie
Bildgalerie
Fotostrecke
article
7042033
Krippengipfel unter Zeitdruck
Krippengipfel unter Zeitdruck
$description$
http://www.derwesten.de/incoming/krippengipfel-unter-zeitdruck-id7042033.html
2012-08-30 18:32
Meldungen