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Eiskunstlauf

Kommentar: In krankhaftem Ehrgeiz versteuert

16.02.2010 | 19:07 Uhr
Kommentar: In krankhaftem Ehrgeiz versteuert

Vancouver.Wenn in den Medien – bewusst oder (meist) unbewusst – der Gewinn einer Bronzemedaille mit dem Zusatz „nur“ versehen wird, hagelt es in der Regel heftige Schelte. Ja, zählt denn, so die verständliche Reaktion vieler irritierter Sportfans, der dritte oder auch vierte Platz gar nichts mehr?

Ingo Steuer, der ebenso erfolgreiche wie umstrittene (weil Stasi-belastete) Trainer des deutschen Eiskunstlauf-Paars Aljona Savchenko und Robin Szolkowy, hat die Frage bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver für sich persönlich glasklar beantwortet. Und mit seiner Haltung demonstriert, dass es eben nicht nur öffentlicher Druck ist, an dem viele Favoriten scheitern. Sondern auch die von Sportlern wie Trainern selbst aufgebaute riesige Erwartungshaltung, die alles andere als Gold zu Blech stempelt.

Noch während eine unendlich traurig ausschauende Aljona Savchenko – unfähig zu dem im Showbusiness Eiskunstlauf üblichen tapferen Lächeln – in den Katakomben des Pacific Coliseum bittere Tränen vergoss, rechnete der Trainer mit seinem Duo eiskalt ab. Steuer hatte seinen – spätestens jetzt darf man wohl sagen: fast schon krankhaften – Ehrgeiz auf sein Paar projiziert und strafte dieses nun dafür ab, seine Erwartungen („Es zählt nur Gold, alles andere wäre eine Enttäuschung“) nicht erfüllt zu haben.

Szolkowy sieht Bronze als Gewinn statt den Verlust der Goldmedaille

Selbst als der äußerlich gefasste Robin Szolkowy selbstkritisch einräumte, dass „der Druck vielleicht doch zu groß“ für ihn gewesen sei und nach der ersten Enttäuschung die Bereitschaft signalisierte, Bronze als Gewinn („besser als nichts“) statt als Verlust der Goldmedaille zu werten, kannte Steuer keine Gnade: „Das Gold ist weg, alles andere ist egal.“

Sportler, die nach olympischem Ruhm streben, arbeiten – eine brutale Ausgangsposition – vier Jahre lang auf einen einzigen Tag hin. Auf den Moment der Wahrheit. Die Wahrheit über Ingo Steuer lautet: Der 43-Jährige Chemnitzer hat, anders als die Athleten, kläglich versagt. Weniger als Eiskunstlauf-Trainer denn als Mensch. Wenn Steuer glaubt, er hätte – durch die Patzer seiner Schützlinge – in Vancouver „nur“ Gold verloren, täuscht er sich. Es ist weit mehr als das.

Reinhard Schüssler

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