Klimaschutz und Krisenstimmung
19.02.2010 | 09:59 Uhr 2010-02-19T09:59:00+0100
Siegen. Vieles lässt sich „mit einer Portion Humor besser ertragen”, sagte Klaus Th. Vetter, Präsident der Industrie- und Handelskammer Siegen, am Donnerstagabend bei deren Jahresempfang im Gläsersaal.
Da Wirtschaftsdaten in der aktuellen Krise vom Zuhörer in der Tat meist eine gewisse Leidensfähigkeit verlangen, eröffnete also das Kabarettduo Fritz Barth und Sabina Godec den Abend – er als Reich-Ranicki-Imitator, sie als Autorin, deren politisches Phrasendresch-Machwerk der Meister verreißt. Der satirisch-literarische Talk vor vielen prominenten Gästen aus der regionalen Politik, Wirtschaft und Kultur nahm inhaltlich Bezug zum Ressort des Gastredners: Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, der mit dem Thema und der These „Klimaschutz als Wachstumsstrategie” angereist war.
„Der Härtetest
steht uns noch bevor”
Trotz der Humorinjektion vorneweg taten viele der Zahlen in Vetters Rückblick weh. Nach 2008 – „für die meisten Unternehmen das beste Wirtschaftsjahr der Nachkriegszeit” – sei 2009 katastrolphal gewesen. Die Einbrüche der Industrieumsätze in der Region hätten im Mittel bei fast 17 Prozent gelegen, „bis zum Jahresende fehlten unseren Industrieunternehmen gegenüber dem Vorjahr 2,4 Milliarden Euro Umsatz”. Dem stehe allerdings der „rasante Anstieg” der vorangegangenen Jahre gegenüber. Der Anteil der vollausgelasteten Industrieunternehmen sei von 86 Prozent im August 2008 auf 45 Prozent im Januar 2010 gesunken. Insgesamt sei zu erkennen, dass der Abwärtstrend auslaufe. Vetter: „Das schließt aber nicht aus, dass es manchen Betrieben sehr gut geht – und anderen grottenschlecht.”
Angesichts der Gesamtlage positiv zu sehen seien die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt, der mit einer Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent Ende Januar deutlich besser sei als der Landesdurchschnitt in NRW. Hier hätten die Konjunkturprogramme Wirkung gezeigt und Instrumente wie Kurzarbeit, ebenso eine sehr gute Zusammenarbeit von Arbeitgebern und IG-Metall in der Region und das Bemühen vieler Unternehmen, ihre qualifizierten Belegschaften zu halten. Aber, so Vetter: „Der Härtetest steht uns noch bevor.”
Zu Dr. Norbert Röttgen und dessen Titelthese leitete Vetter mit durchaus kritischen Tönen über. Die Wirtschaft bekenne sich zum Klimaschutz – er halte es aber nicht für ein „erfolg- reiches Geschäftsmodell”, wenn die europäische Industrie für „ehrgeizige Umweltziele” mit finanziellen Belastungen konfrontiert würde, die globale Wettbewerber von sich weisen. Die Befürchtung: „Dass wir in Deutschland die Vorgaben in vorauseilendem Gehorsam wieder zu 150 Prozent erfüllen und uns damit mehr schaden als nutzen.”
Röttgen, seit Oktober 2009 im Amt, betonte in seinen Ausführungen seine Überzeugung, dass es einen globalen Trend gebe, den Schutz natürlicher Ressourcen als „Bedingung für Wachstum und Wohlstand” zu sehen. Weltweit entstehe eine große Nachfrage nach Techniken, die dies ermöglichen – und im boomenden Markt der Umwelttechnologien könne Deutschland Weltmarktführer sein und durch Innovation und Qualität einen Wettbewerbsvorteil sichern.

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