„Kleinvieh“ macht jede Menge Strom
03.05.2011 | 16:35 Uhr 2011-05-03T16:35:00+0200
Arnsberg.Bei der Suche nach Energie-Alternativen zu Atomstrom macht auch „Kleinvieh“ Mist – und zwar nicht wenig: In den beiden Arnsberger Kläranlagen des Ruhrverbandes werden seit einigen Jahren enorme Mengen an Strom produziert.
Die kleinen Dinger mögen’s gern so richtig dreckig. Im Mist, in der Gülle oder auch im Faulschlamm fühlen sich anaerobe Bakterien pudelwohl. Eine bestimmte Gruppe der Mikro-Organismen produziert in fauliger Umgebung fleißig jede Menge Methangas. Damit wiederum kann eine Menge Strom erzeugt werden.
In den Kläranlagen des Ruhrverbands im Neheimer Ohl und in Wildshausen wird seit einigen Jahren Strom aus Abwasser erzeugt. Allein in Wildshausen sind es pro Jahr rund 3,6 Millionen Kilowattstunden – gut 1000 Haushalte (mit vier Personen) könnten mit dem Strom ein Jahr lang versorgt werden. In Neheim ist es eine ähnlich hohe Menge.
Strom und Wärme aus Methangas
Doch: Nur ein Teil fließt ins öffentliche Netz. „Wir erzeugen Strom und Wärme aus Methangas, und damit betreiben wir die sehr energieintensiven Kläranlagen nahezu autark“, erklärt Dipl.-Ing Heinz Maus, Leiter Regionalbereich Nord des Ruhrverbands.
Um die 300.000 Kilowattstunden Strom jeweils musste der Ruhrverband noch bis vor wenigen Jahren Monat für Monat einkaufen, um damit die beiden Anlagen Neheim und Wildshausen zu betreiben – insbesondere um die Biostufe mit Sauerstoff zu versorgen.
Jetzt macht man sich den Strom selbst – aus dem Abwasser, das in Neheim die WEPA anliefert und in Wildshausen die Kartonfabrik Reno de Medici. „Dieses Abwasser“, erklärt Maus, „ist hochorganisch verschmutzt.“ Über einen eigens dafür gebauten Abwasserkanal wird das Abwasser aus der Papierproduktion in Müschede nach Neheim transportiert. In Arnsberg wird es durch den Lüsenberg nach Wildshausen gepumpt. In hohen Zylindern, Reaktoren genannt, komplett unter Ausschluss von Sauerstoff, beginnt dann das Werk der „Methanbakterien“. Die Mikro-Organismen reinigen das Abwasser und bei ihrem Stoffwechsel produzieren sie gleichzeitig energiereiches Methangas.
„Dieses Gas speichern wir zunächst in den zwei Ballons“, erläutert Heinz Maus den weiteren Verfahrensgang. Diese Ballons und die hohen Reaktoren sind in Neheim von der Autobahn aus gut zu sehen. Aus den Gasballons werden dann drei große Blockheizkraftwerke gespeist – Motoren, die sowohl Strom erzeugen als auch Wärme.
Anlagenbetrieb aus eigener Kraft
Beides wird genutzt. Der Strom für den Anlagenbetrieb, und die Wärme, um die Faulbehälter, in denen die Methangas-Bakterien ihren Dienst tun, auf eine für die Mikro-Organismen angenehme Temperatur von rund 37 Grad Celsius aufzuwärmen.
Je nach Abwasser-Anlieferung lässt sich so der Anlagenbetrieb zu 90 bis 100 Prozent aus eigener Kraft fahren – in manchen Monaten konnte sogar schon überschüssiger Strom ins Netz abgegeben werden.
Trotz der nicht niedrigen Investitionen ist für den Ruhrverband klar: „Das rechnet sich ganz klar für uns“, sagt Heinz Maus. „Sonst hätten wir das nicht gemacht.“ Die Umwelt profitiere von der enormen Energie-Einsparung. Und die Kunden des Ruhrverbands würden durch Beitragsstabilität ebenfalls durch diese Energie-Erzeugung gewinnen.

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