Kleinere Einzelhändler gegenüber Großen im Nachteil
25.02.2010 | 18:58 Uhr 2010-02-25T18:58:00+0100
Kreuztal. Die Ansiedlung von „Kaufland” am äußeren Ende der Fußgängerzone Marburger Straße vor knapp zwei Jahren hat nach Überzeugung der Kreuztaler Grünen dem örtlichen Einzelhandel keine Vorteile gebracht.
Fraktionschefin Anke Hoppe-Hoffmann widersprach am Donnerstagabend in der Ratssitzung den Aussagen des Kölner Instituts für Marktforschung, das die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes erarbeitet hat, in mehreren Punkten.
Die Grünen und Thorleif Zimmermann von der UWG („Der Magnet hat sich als Totengräber erwiesen”) stimmten denn auch gegen die Auslegung des Konzepts, mit dem die rechtlichen Grundlagen für bauliche Erweiterungen vorhandener Märkte geschaffen und auch neuere gesetzliche Bestimmungen berücksichtigt werden.
Nutzt Einzelhandel seine Chancen nicht?
Was Anke Hoppe-Hoffmann neben der Kaufland-Ansiedlung bemängelte, waren beispielsweise die Forderung nach Umsiedlung eines in der Stadtmitte ansässigen Discounters auf das stadteigene Grundstück an der Roonstraße sowie die geplante Erweiterung zweier Supermärkte in Eichen und Krombach. „Das nimmt Dimensionen an, die kleineren Einzelhändlern keinen Raum zum Leben lassen”, kritisierte die Grünen-Sprecherin.
Arne Siebel (CDU) stellte sich auf Seite des Gutachters und teilte dessen Auffassung über die positiven Effekte, die das neue Warenhaus gebracht hat. Bei der Flächenvergrößerung im Eichener Lidl-Markt, so Siebel, gehe es nicht um bessere Wettbewerbsvoraussetzungen, sondern um die Arbeitsbedingungen der dort Beschäftigten. Bei der Gelegenheit attestierte Siebel „dem Einzelhandel in Kreuztal” noch, dass er „seine Chance nicht nutze”. Es sei den angestammten Fachhändlern „nicht verboten, ihre Geschäfte so lange offen zu halten wie die Discounter”. Infrastrukturausschussvorsitzender Axel Ganseuer (SPD) pflichtete Siebel bei und bezeichnete das Einzelhandelsgutachten als „wertvolle Empfehlung, die in der Zukunft helfen wird, die richtigen Entscheidungen zu treffen”.
Nachnutzung von Extra hat Priorität
Die von Anke Hoppe-Hoffmann auch erwähnten Defizite in der Versorgung der Erler-Siedlung schrieb Stadtbaurat Eberhard Vogel indes der dortigen Bevölkerungsstruktur zu: Für einen Discounter sei das Stadtquartier uninteressant: „Es wird schwierig, dort einen Laden zu eröffnen.”
Bürgermeister Walter Kiß (SPD) berichtete einmal mehr, wie viel Arbeitszeit er seit Amtsantritt aufgewendet habe, um die Nachnutzung des vor einem Dreivierteljahr geschlossenen Extra-Marktes voranzubringen. Dieses Problem habe angesichts der Verhältnisse in der Stadtmitte für ihn „oberste Priorität”, betonte Kiß. hn

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