Europäischer Filmpreis
Ken Loach - kleine Leute, große Filme
11.12.2009 | 16:32 Uhr 2009-12-11T16:32:00+0100
Essen. Klassenkämpfer für Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit auf dem Roten Teppich: der britische Regisseur Ken Loach wird in der Essener Lichtburg mit dem Ehrenpreis der European Film Academy für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Filmemacher wie Ken Loach sind selten geworden: Loyale Anwälte der Arbeiterschicht, wie man sie heute nicht mal mehr in der SPD findet. Loach vertritt sie, wo man den viel beschworen kleinen Mann sonst selten trifft: in Cannes, in Venedig – auf den Roten Teppichen des Weltkinos.
Palmen und Preise
Ken Loach beginnt beim Fernsehen. Nach ersten Erfolgen in den 70ern und kurzem Formtief in den 80ern gehört er zu den Stars des europäischen Kinos. Für „Land and Freedom" (1995), ein Film über den Spanischen Bürgerkrieg, erhält er den Europäischen Filmpreis und den „Ce´sar". „The Wind that Shakes the Barley", ein Werk über die irische Befreiungsbewegung, bekommt 2006 die Goldene Palme.
Die Beharrlichkeit, mit der der britische Regisseur dabei seine Geschichten von Ex-Trinkern und Leiharbeitern, Modernisierungsopfern und Arbeitslosen erzählt, hat den Unbequemen zur Ikone des sozialkritischen Kinos gemacht. Unermüdlich beackert Loach seine Themen, so zäh wie seine proletarischen Helden, die um ihr kleines Glück, ihren Job und die Liebe kämpfen. Deshalb findet der studierte Jurist, der heute in der Essener Lichtburg mit einer Filmgala und morgen in der Bochumer Jahrhunderthalle mit dem Ehrenpreis der Europäischen Filmakademie geehrt wird, auch mit 73 keine Zeit, sich auf seinen Erfolgen auszuruhen. Wir erreichten den Preisträger in Liverpool, wo er gerade an einem Film über die Auswirkungen des Irak-Krieges arbeitet. Ein freundlicher alter Herr sagt „Hello!”
Glückwunsch, Mister Loach. Sie werden für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Wie empfinden Sie das?
Loach: „Es klingt schon ein wenig beunruhigend nach Abschluss und Rückschau. Und wer zurückblickt, der sieht auch, was er falsch gemacht hat. Aber der Preis ist auch eine große Ehre. Man darf bloß nicht nostalgisch werden.”
Loachs Kino nostalgisch zu nennen, verbietet sich schon, weil in seinen Filmen rein gar nichts idealisierend, romantisierend erscheint. Allerdings hat sich die Arbeit des Briten seit Jahren nicht verändert. Seine politische Haltung auch nicht. Loach, der erklärte Thatcher-Gegner, hat in seinen Filmen nie bezweifelt, dass Ungerechtigkeit auch eine Frage des Systems ist. Dabei ist sein Themenfeld weit gespannt: Von den Immigranten, die auf dem globalen Arbeitsmarkt als billige Leiharbeiter ausgebeutet werden wie in „It's A Free World” (2007) bis zur irischen Grundschullehrerin, die den Job in einer katholischen Schule verliert, weil sie einen Pakistani liebt („Just A Kiss”, 2004).
Hat das politische Kino eine Zukunft, Mister Loach?
Loach überlegt. „Ich denke schon. Politik bekommt inzwischen auch in kommerziellen Filmen immer mehr Raum. Freiheit und Demokratie werden jedenfalls immer ein Thema sein.”
Das ist die Essenz seiner Arbeit: Freiheit, Gleichheit, Menschlichkeit. Einen Film von Ken Loach verlasse man mit der tröstenden Gewissheit: „Wir als Zuschauer sind auf der richtigen Seite.” So hat ihn der Chef der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach, unlängst beschrieben. Dass diese Gewissheit auf dem Kontinent weit mehr geschätzt wird als in Loachs britischer Heimat, spiegelt sich auch in der Beliebtheit wieder, die der Filmemacher auf Festivals von Berlin bis Venedig erfährt.
Sind Sie ein überzeugter Europäer, Mister Loach?
Loach: „Der Gedanke der Solidargemeinschaft ist mir sympathisch. Das ist eine gute Vorstellung: Eine Welt, in der wir kooperieren, nicht konkurrieren. Aber die Entwicklung geht in eine falsche Richtung: Am Ende ist daraus eine Vereinigung der großen Geschäftsinteressen geworden.”
Seit „Looking for Eric” wissen wir, dass Sie ein großer Fußball-Fan sind. Eigentlich müssten Sie am Samstag in Bochum im Stadion sein.
Loach: „Wer spielt denn?”
Bochum gegen Bayern.
Loach: „Bringen Sie mich jetzt nicht in Versuchung.”
Sie werden Samstag in der Bochumer Jahrhunderthalle sein. Haben Sie Ihre Dankesrede schon fertig?
Loach: „Nein, sowas mache ich spontan. Es wird bestimmt ein langer Abend. Ich halte mich für gewöhnlich kurz.”

12:41
@2 Naja, zumindst mit irgendeiner Substanz. Der dt. Film wird ja von Kamerawacklern durchseucht, die meinen, das Wackeln wäre schon Kunst. Wackeln kann ich aber alleine, da brauche ich die Regiepfeifen nicht.
11:56
Ken Loach hat einige auch künstlerisch hervorragende Filme gedreht, aber auch ein paar Propagandawerke. Deswegen sollte man ihn nicht allzu hoch loben. Er ist das Lieblingskind linker Kritiker.
10:47
Sehr symphatisch. Und man sieht, dass die großen sozialen Fragen noch immer die Intelektuellen interessieren. Das beruhigt, irgendwie.