Keine Angst vor großen Eishockey-Namen
16.02.2010 | 20:12 Uhr 2010-02-16T20:12:00+0100
Vancouver.Keine Angst vor großen Namen: Vor dem Rendezvous mit den Superstars auf olympischem Eis wollen die deutschen Eishockey-Nationalspieler cool bleiben. „Ich habe Sidney Crosby gesehen, aber er hat mich nicht erkannt“, sagte Stürmer Sven Felski vor dem Start in das Turnier der Superlative am Mittwoch (Do., 1.30 Uhr MEZ) gegen Schweden.
Auf Kanadas hochgejubelten Hoffnungsträger können die Deutschen erst in der K.o.-Runde treffen, doch auch die Schweden bieten Stars von ähnlichem Kaliber auf. Da kann schon mal das Herz in die Hose rutschen.
Wie sich die 15 Olympia-Neulinge im deutschen Team fühlen könnten, weiß Dennis Seidenberg genau. „Vor acht Jahren in Salt Lake City war ich gegen all die Weltstars so aufgeregt, dass mir die Hände gezittert haben“, erinnert sich der Verteidiger der Florida Panthers. Der 28-Jährige ist einer von sieben NHL-Profis, die mit ihrer Erfahrung aus der stärksten Eishockey-Liga der Welt der jungen Mannschaft helfen sollen.
Krupp-Team hat gegen Olympiasieger Schweden nichts zu verlieren
Nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine. „Die kochen auch nur mit Wasser“, sagt etwa Marcel Goc von den Nashville Predators über die 19 NHL-Profis, die die Schweden aufs Eis schicken. Und Seidenberg rät: „Das Wichtigste ist, Spaß zu haben.“ Den hat auf jeden Fall Routinier Felski, mit 35 Jahren der Älteste im Kader: „Gegen die Besten der Welt zu spielen, ist immer eine Herausforderung - auch für mich als Eis-Opa.“
Allerdings hat der Berliner schon festgestellt, dass die Jungen im Team von der geballten Eishockey-Prominenz bei Olympia beeindruckt sind. „Sie gucken in der Mensa im Olympischen Dorf den Stars hinterher“, berichtet Felski, Nervosität habe sich aber in der Kabine noch nicht breit gemacht, „die kommt, wenn es am Mittwoch aufs Eis geht“.
Dabei hat die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp gegen den Olympiasieger nichts zu verlieren. „Wenn es normal läuft, hast du keine Chance, die Schweden sind einfach übermächtig“, sagt Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes. Niemand erwartet gegen Schweden etwas anderes als eine Niederlage.
Entscheidendes Gruppenspiel am Samstag gegen Weißrussland
Schon als die NHL-Profis nicht bei Olympia waren, hatte die DEB-Auswahl gegen die Tre Kronor meist keine Chance. 1984 in Sarajevo und 1956 in Cortina gab es jeweils ein 1:1, ansonsten zehn meist deutliche Niederlagen. Die Überlegenheit der Schweden dürfte auch diesmal ähnlich groß sein wie 2002 in Salt Lake City, als sie die Deutschen mit 7:1 vom Eis fegten. Neben Seidenberg waren damals auch schon Marco Sturm, Jochen Hecht und Christian Ehrhoff dabei.
Auch gegen Finnland am Freitag (Sa., 6 Uhr MEZ) ist die DEB-Auswahl Außenseiter. Die wohl entscheidenden Spiele kommen erst danach: am Samstag (So., 6 Uhr MEZ) gegen Weißrussland und am Dienstag im Play-off um die Viertelfinale-Teilnahme.
Eine Zielsetzung, die sich konkret an einer Platzierung orientiert, gibt es für den Weltranglisten-Dreizehnten nicht. Doch Franz Reindl macht klar: „Nur dabei zu sein, reicht uns ehrlich gesagt nicht. Diese Plattform müssen wir nutzen und uns wirklich gut präsentieren.“ Schließlich gilt es, vor der Heim-WM (7. bis 23. Mai) in Köln, Mannheim und Gelsenkirchen Werbung in eigener Sache zu machen.
Aber zunächst geht es – auch für die deutschen Neulinge – darum, das „historische Turnier“ (Bundestrainer Uwe Krupp) im kanadischen Vancouver „zu genießen“, wie Felski fordert, „es ist geil, es macht Spaß“. (sid)

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