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Kein Wohlfühl-Knast

14.02.2012 | 18:37 Uhr

Der Ruf nach schärferen Jugendstrafen wird verlässlich immer dann laut, wenn besonders dreiste oder brutale Taten junger Krimineller die Öffentlichkeit fassungslos machen und die Politik ohnmächtig erscheinen lassen. Ein solch reflexartiger Aufschrei muss nicht einmal falsch sein, denn mit U-Bahn-Tretern und Klau-Kids soll niemand Nachsicht üben. Die Debatte über eine neue Skrupellosigkeit schier Unerziehbarer kann nicht oft genug geführt werden.

NRW-Justizminister Kutschaty wird also achtgeben müssen, dass er mit seinen Reformplänen für den Jugendarrest nicht vorschnell in die Ecke der „Kuschelpädagogen“ gestellt wird. Denn sein Anliegen ist richtig, die Richtung stimmt: Die abschreckende Wirkung des bislang praktizierten bloßen Wegsperrens junger Täter ist umstritten, die Rückfallquote viel zu hoch. Deswegen erscheint es sinnvoll, Jugendliche am Beginn einer womöglich kriminellen Karriere stärker pädagogisch an die Kandare zu nehmen.

Lebenshilfe und Sanktion müssen dabei im richtigen Verhältnis stehen. Soziales Training hinter Gittern ist vernünftig, wenn daraus kein Wohlfühl-Knast wird.

Tobias Blasius

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