Kein Bestattungswald für Olpe?
28.06.2010 | 13:00 Uhr 2010-06-28T13:00:00+0200
Olpe. Einen Bestattungswald mit der Möglichkeit sogenannter „Baumbestattungen“ soll es nach dem Willen der Stadtverwaltung Olpe nicht geben. Dienstagabend um 18 Uhr tagt der Haupt- und Finanzausschuss und wird sich dann mit dem Thema beschäftigen. Dass eine politische Kontroverse vorprogrammiert ist, hat die SPD-Fraktion bereits anklingen lassen. Denn die Sozialdemokraten wollen dem Wunsch der Stadtspitze nicht folgen. Fraktionssprecher Volker Reichel: „Viele Bürger haben Interesse an dieser Form der naturnahen Waldbestattung.“
Bereits in den Jahren 2007/2008, so Reichel, habe die SPD das Thema aufgegriffen, sei aber an der Mehrheitsfraktion CDU gescheitert. Reichel weiter: „Die Skeptiker und Gegner kamen aber aufgrund der zahlreichen Voten aus der Bevölkerung letzlich zu einem Umdenken.“
Bürgermeister Horst Müller habe im Herbst 2008 in einer öffentlichen Veranstaltung versprochen: „Wir werden der Politik vorschlagen, wo wir Baumbestattungen in kommunaler Hand betreiben können.“ Auch alle damals im Rat vertretenen Fraktionen hätten ihr positives Votum für einen Bestattungswald zum Ausdruck gebracht.
Deshalb, so Reichel, könne die SPD die aktuelle Verwaltungsvorlage nicht nachvollziehen. Eine Machbarkeitsstudie bescheinige zwar, dass es zwei Möglichkeiten für einen Bestattungswald im Stadtgebiet Olpe gebe (Kimicke und Sondern), doch die Verwaltung winke trotzdem ab.
Reichel: „Den Bestattungswald in der Kimicke würde das Regionalforstamt selbst betreiben, ein Bestattungswald in Sondern könnte weitgehend die Infrastruktur des Friedhofs Sondern nutzen.“
Die Verwaltung argumentiert für die Sitzung gegen den Bestattungswald - u. a. mit folgenden Argumenten: „...dabei sollte insbesondere vermieden werden, auf dem Stadtgebiet Olpe weitere Angebote zu schaffen, die einerseits Investitionskosten und zusätzlichen Aufwand verursachen, andererseits aber auch die Inanspruchnahme des Kommunalfriedhofes verringern und damit die Erlössituation verschlechtern können...... Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung vor, von der Schaffung von Beisetzungsmöglichkeiten in Bestattungswäldern abzusehen.“
Was im Klartext soviel bedeutet: Wenn zu viele Bürger in einem Bestattungswald beigesetzt würden, fehle die Nachfrage für den kommunalen Friedhof, der daraufhin die Gebühren noch stärker erhöhen müsste. Denn durch die erhebliche Zunahme an preiswerteren Urnenbeisetzungen müsse man ohnehin schon an der Gebührenschraube für „Erdbeisetzungen“ drehen. Beigeordneter Peter Wurm: „Ich bin in der Frage auch vom Saulus zum Paulus geworden, habe meine Auffassung geändert, nachdem wir von der überregional tätigen ,Arbeitsgemeinschaft für Friedhöfe und Denkmäler’ beraten wurden, sich im Friedhofswesen nicht zu verzetteln.“
Bürgermeister Müller versicherte auf Anfrage, er habe damals erklärt, es spreche aus seiner Sicht nichts gegen einen Bestattungswald, man werde sich der Sache auch annehmen. Müller: „Ich bin mir aber sicher, dass ich mich nicht auf einen kommunalen Friedwald bezogen habe.“ Zwei gewerbliche Anbieter, die „Ruhe-Forst“-GmbH“ und die „Friedwald GmbH“, hätten nach eingehender Prüfung von einem Engagement in der Stadt Olpe Abstand genommen.
Die SPD beharrt dennoch auf ihrer Forderung. Reichel: „Das werden wir nicht akzeptieren. Wir nehmen den Bürgermeister bei seinem Wort, sehen es als eine vorrangige Aufgabe städtischer Daseinsvorsorge, dem mehr als ausgeprägten Wunsch von Olper Bürgern zu entsprechen, auch auf Stadtgebiet die Möglichkeit der Baumbestattung vorzuhalten. Wir werden nicht akzeptieren, dass ausschließlich unternehmerisches Denken der Weiterentwicklung des Olper Friedhofswesens entgegen steht.“
Hintergrundinfo: In einem Bestattungswald, der ein weitläufiger Laubwald sein sollte (gewerbliche Anbieter gehen von 30 Hektar aus), werden Urnen in der Nähe der Bäume vergraben - entweder anonym oder mit einem Namensschild, das an einem Baum angebracht werden kann.

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