Katzenverhalten und Fellverlust
27.09.2010 | 09:28 Uhr 2010-09-27T09:28:00+0200
EssenWenn Katzen an ungesunden Materialien saugen, verbirgt sich oft eine Zwangsstörung dahinter die behandelt werden muss. Auch gegen ein unregelmässiges Fressverhalten gibt es geeignete Präparate. Lesen Sie, was unsere Tierärtze empfehlen.
Frage: Mein Hund hat mehrere Stellen, an denen erst eine ganz dunkle Kruste kommt, dann das Fell verschwindet und kahle, ca. zweit Zentimenter große Stellen bleiben. Da sie sich nicht kratzt, deutet nichts darauf hin, dass es juckt. Ausserdem hat sie eine Stelle, an der das Fell anstatt dunkelbraun plötzlich hellbraun ist. Was könnte die Ursache sein?
Helmut Gmeiner ist Fachtierarzt für Kleintiere. Er studierte Tiermedizin an der LMU München. 1991 erhielt er seine Approbation als Tierarzt.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Orthopädische Chirurgie und Augenheilkunde.
Antwort: Alopezie (Haarausfall) ohne Juckreiz hat sehr vielfältige Ursachen. Leider haben Sie weder Rasse, Alter, noch das Geschlecht ihres Hundes angegeben . Wie lange besteht das Problem schon? Wurde eine Therapie durchgeführt, wenn ja - mit welchem Erfolg?
Die genannte Krustenbildung, deutet auf eine Verhornungsstörung der obersten Hautschichten hin. Ursächlich hierfür können bakterielle Entzündungen sein, Parasitenbefall, hormonelle Störungen, Fütterungsfehler und auch genetische Prädispositionen.
Eine eingehende Erhebung des sogenannten Vorberichts durch einen dermatologisch versierten Tierarzt, kann einige diese Fragen bereits klären. Weitergehende Untersuchungen wie Trichogramm, bakteriologischer Hauttupfer, Hautgeschabsel, Pilzkultur und ggf. Hormonprofil werden helfen, die Ursache herauszufinden, um eine gezielte Therapie einleiten zu können.
Frage: Ich habe eine Katze und einen, sie sind Geschwister und sieben Jahre alt. Sie naschen gern Pflanzen und Schnittlauch. Ich habe bereits alles aus dem Haus befördert - es wird nicht besser. Katzengras half auch nicht. Jetzt geht die Katze hin und leckt an Vorhängen, am Rucksachgriff und an Plastiktüten (wenn man zuschaut glaubt man sie sei drogensüchtig) und erbricht sich ständig. Wie kann man das alles noch verhindern?
Antwort: Das Saugen an Textilien und anderen unverdaulichen Substanzen, oder auch deren orale Aufnahme wird mit Fachbegriff als „Pica“ bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine Zwangsstörung. Da Siam - und Burmakatzen häufig davon betroffen sind, wird für diese Rassen eine genetische Prädisposition angenommen . Entscheidend für eine Therapie - sofern überhaupt möglich - ist die Zuordnung zu der vermeintlich auslösenden Ursache. Es kann sich um eine „Angststörung“ handeln oder infantile Verhaltensweise (Saugverhalten), welche sich gewissermaßen verselbständigt hat. Bei letzteren Fällen geht man davon aus , das eine Stufe der Entwicklung der Katzen nicht stattfand (z.B. mutterlose , handaufgezogene Tiere).
Therapieansätze:
Verhaltenstherapie :
- Auslöser unzugänglich machen
- Alternative anbieten
- Aversive Gegenkonditionierung ( Bitterstoffe )
- enges Verhältnis von Besitzer und Katze lockern und autonomisieren
Spieltherapie:
- Lebensraum und Fütterungsregime verändern
- Psychopharmaka meist unvermeidlich
Christoph Höptner studierte Tiermedizin an der Università Degli Studio Milano. Seine Approbation als Tierarzt erhielt er im Mai 1995.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Kardiologische Diagnostik - einschließlich Farbdopplersonographie - und die abdominale Chirurgie.
Bei diesem komplexen Problem ist die Hilfe eines dafür ausgebildeten tiermedizinischen Verhaltenstherapeuten unerlässlich!
Frage: Meine Katze (Siam-Mix, 1,5 Jahre, kastriert, reine Wohnungskatze, 3.5 kg) zeigt, seit sie mit 11 Wochen zu mir kam, durchgängig ein extrem schlechtes Fressverhalten. Sie frisst nur in geringen Mengen, teilweise völlige Nahrungsverweigerung, die Zwangsfütterung nötig macht. Organisch ist die Katze gesund, mehrfach wurde Blut untersucht, Röntgen und Ultraschall (Herz und Abdomen) durchgeführt, alles ohne Befund. Die Katze ist generell - auch in Phasen der Futterverweigerung - sehr lebhaft, nicht apathisch, kein Durchfall, kein Erbrechen, kein Fieber.
Obwohl im Laufe der Zeit verschiedene koomerzielle Futtersorten und -geschmacksrichtungen angeboten wurden, ebenso rohes und gekochtes Fleisch (Rind und Huhn) sowie roher und gekochter Fisch (Lachs) frisst die Katze nur Trockenfutter der Marke Royal Canin, kein Nassfutter. Ausnahme ist ein kommerzielles Katzenfutter aus reinem Thunfisch-Filet mit Reis (keine Zusätze von Vitaminen und Mineralien; „Almo Nature“). Hiervon frisst die Katze täglich etwa 20 bis 30 Gramm.
Vor etwa 8 Wochen zeigte die Katze plötzlich - ohne erkennbaren Grund - einen stark erhöhten Appetit. Insbesondere das Thunfischfutter wurde von ihr gerne genommen (etwa 100 bis 140 gr pro Tag), dazu wenig (etwa 20 gr Trockenfutter). Dieses Fressverhalten dauerte etwa 6 Wochen an. Dann - von einem Tag auf den anderen - ging der Appetit stark zurück, die Katze verweigerte das Thunfisch-Futter, fraß nur noch sehr wenig TroFu (etwa 15-25 gr/Tag), teilweise völlige Nahrungsverweigerung und dann Zwangsfütterung für einige Tage. TÄ Untersuchung (wie oben beschrieben) zeigte keine Krankheitsanhalte.
Das Blut wurde zusätzlich auf Vit. B12 Konzentration untersucht. Der Wert lag bei 578 pg/ml.
Hierzu habe ich zwei Fragen:
1) In der Literatur habe ich gelesen, dass die Serum-Cobalamin-Konzentration bei gesunden Katzen bei 900 bis 2800 pg/ml liegt. Ist dies richtig und läge in diesem Fall bei meiner Katze ein Cobalamin-Mangel vor? Sollte dann Cobalamin substituiert werden?
2) Kann durch die Fütterung des Thunfisch-Katzenfutters ein Thiamin-Mangel ausgelöst worden sein, der sich in Anorexie äußert? Ich habe bei meiner Katze lediglich 1-2 Mal beobachtet, dass ihr Hinterlauf leicht zitterte, ansonsten habe ich keine motorischen Störungen bzw. neurologische Auffälligkeiten feststellen können.
Antwort: Wenn man Laborwerte vergleichen möchte, muß man generell darauf achten , wie die Bestimmung erfolgt ist und welche sogenannten Referenzwerte sich daraus ableiten . Also zunächst nochmal beim Labor nachfragen.
Liegt der Wert unterhalb des angegebenen Bereichs, dann kann eine Substitution durch wöchentliche Injektion unter die Haut von 100-250 mcg Vit B 12 erfolgen (6 Wochen lang).Cobalaminmangel tritt normalerweise bei vegetarischer Ernährung auf oder bei bakterieller Überwucherung der Dünndarmflora . Die Folge davon ist eine Form der Anämie (Blutarmut), Störungen des Nervensystems und Mund - und Schleimhautreizung. Da Vitamine des B-Komplexes zur Appetitstimmulation eingesetzt werden, ist die Anwendung bei ihrer Katze zu erwägen : Thiamin - Mangel entsteht durch übermäßig erhitzes Futter oder Verabreichung von rohem Fisch. Da handelsübliche Futtermittel generell einer konservierenden Behandlung unterzogen werden, dürfte die im Thunfisch enthaltenen Thiaminasen (Enzyme welche Thiamin = Vitamin B 1 spalten) nicht mehr wirksam sein. Auch zeigt ihre Katze wohl keinerlei klinische Symptomatik, welche sich zumeist in einer Ventroflexion ( nach unten gekrümmter ) des Halses zeigt.
Warum die Siamkatze - 3,5 kg erscheint mir normal - schon immer schlecht frißt kann ich nicht beantworten, hoffentlich ist sie nicht durch ihre Zuwendung dahingehend konditioniert worden . Es gibt auch für Tiere entsprechende Medikamente für „Ess - Störungen“, Präparate - wie sie auch bei Jugendlichen angewendet werden. Fragen Sie den Fachmann.
Online-Sprechstunde
Haben auch Sie eine Frage zu Ihrem Haustier? Dann senden Sie diese einfach an tiere@derwesten.de. Die Antworten werden jeden Dienstag auf http://www.derwesten.de/tierarzt vorgestellt.
Weitere Informationen zur Praxis von Dr. Gmeiner und Dr. Höptner finden Sie unter http://www.kleintierpraxis-mh.de/

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