Kastration oder Sterilisation?
04.02.2009 | 14:38 Uhr 2009-02-04T14:38:00+0100
Essen. Es ist Sprechstunde. Und die beiden Tierärzte Dr. Gmeiner und Dr. Höptner geben Antworten auf Ihre Fragen. In dieser Woche geht es um chronischen Juckreiz bei Hunden und den Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation.
Frage: Meine Katze ist Freigänger und ich möchte Nachwuchs verhindern. Wo besteht der Unterschied zwischen einer Sterilisation und einer Kastration?
Antwort: Unterschied Kastration/Sterilisation:
Kastration: Operative Entfernung der Keimdrüsen, also der Eierstöcke oder der Hoden.
Sterilisation: Chirurgischer Eingriff zur Herbeiführung der Unfruchtbarkeit, das heißt, es werden Eileiter (weibliches Tier) oder Samenleiter (männliches Tier) unterbrochen oder funktionsunfähig gemacht. Die Libido (Geschlechtstrieb) bleibt erhalten.
Helmut Gmeiner ist Fachtierarzt für kleintiere. Er studierte Tiermedizin an der LMU München. 1991 erhielt er seine Approbation als Tierarzt.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind "Orthopädische Chirurgie" und "Augenheilkunde".
Häufig werden in der Praxis weibliche Tiere vorgestellt und der Wunsch zur Sterilisation geäußert, beim männlichen Tier soll eine Kastration durchgeführt werden. Prinzipiell wird aber sowohl beim Kater, als auch bei der Kätzin - eine Kastration durchgeführt, gleiches gilt für andere Haus - und Heimtiere.
Was wäre die Folge einer Sterilisation?
Lediglich ungewollter Nachwuchs würde verhindert werden. Die Kätzin wird weiterhin rollig, der Kater würde sein Markierverhalten beibehalten, die Hündin würde in der Läufigkeit unverändert Blutungen haben, kein positiver Effekt auf die Bildung/Vermeidung von Mammatumoren, Gebärmutterentzündung weiterhin möglich, der sterilisierte Rüde wird unverändert versuchen zu decken, keine Änderung im Dominanzverhalten usw.
Alles Gründe, weshalb eigentlich die KASTRATION einzig sinnvoll ist !
Frage: Mein Hund ist elf Jahre alt und hat seit einiger Zeit furchtbaren Juckreiz!! Er kratzt sich permanent und kriecht über den Boden. Auch gibt er leidende Fiepsgeräusche von sich! Ich war bereits beim Tierarzt und er bekam eine Spritze. Am Nachmittag war es gut, aber abends war es wieder so schlimm! Flöhe hat er nicht und Hautreizungen sind nicht zu erkennen! Der Hund konnte nur schlafen, weil ich ihm eine Reisetablette gegeben habe. Es ist furchtbar! Was könnte noch ein Grund für den Juckreiz sein?
Antwort: Ein akuter Juckreiz ist eine peinigende Situation für Tier und Mensch.
Solch ein permanenter Juckreiz kann zu massiven Schmerzsymptomen führen, welche die an sich schon furchtbare Situation dann nur noch verstärken und zudem zu Sekundärinfektionen führen wird.
Vermutlich hatte der Tierarzt ihrem Hund eine Juck- und schmerzlindernde Injektion gegeben, welche jedoch nach einigen Stunden in ihrer Wirkung wieder aufgehoben wurde, vermutlich aufgrund der Stärke des Juckreizes.
Wie erging es denn ihrem Hund nach der Nacht mit der Reisetablette?
Die möglichen Gründe für den Juckreiz in solch einem Fall können sehr vielfältig sein. Eine Hautuntersuchung, die man mit Ruhe und Genauigkeit durchführt, dauert inklusive der Zusatzuntersuchungen zwischen 45 und 60 Minuten. Ich denke dies würde den Rahmen dieser Sprechstunde sprengen.
Ich würde Ihnen jedoch sehr empfehlen bei Ihrem Hund eine genaue Hautuntersuchung durchführen zu lassen, um ihm solch einen Juckreiz in Zukunft hoffentlich zu ersparen.
Ich kann ihnen hier nur ein wirklich kleines Spektrum von möglichen Ursachen nennen, welche jedoch alle genauestens für sich untersucht werden müssten.
- A. Urtikaria.....Synonym: Nesselsucht.
- B. Canine Atopie....Synonym: Inhalationsallergie
- C. Canine Futtermittelallergie
- D. Flohallergie...auch wenn sie keine Flöhe mehr gefunden haben.
- E. Kontaktdermatitis....Synonym: Kontaktallergie
Frage: Mein Hauskater (9 Jahre alt, kastriert, sehr groß) leidet unter chronischer Verstopfung, welche einmal fast zum Ilieus führte. Ich habe damals Nass- und Trockenfutter gereicht. Er blieb drei Tage beim Tierarzt und wurde digital ausgeräumt. Seitdem füttere ich nur noch Nassfutter (ballastoffhaltig) was ich mit sehr viel Wasser mische, so dass es wie eine Suppe ist. Dazu bekommt er Symbio pet.
Trotzdem ist der Stuhlgang hart und nicht sehr viel. Seit einigen Tagen habe ich Symbio pet weggelassen und statt dessen einmal täglich einen gehäuften Teelöffel Milchzucker gegeben. Ich meine, er führt jetzt etwas mehr ab.
Wieviel Milchzucker darf ich täglich geben?
Darf ich Milchzucker zusammen mit Symbio pet geben? (Gewicht meines Katers ca. 7,5 kg)
Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar, da ich Ihm eine erneute Ausräumung ersparen möchte. Ich hab noch eine dreijährige weibliche Katze, die sich viel mehr bewegt und viel häufiger und weicher abführt als mein Kater. Leider muss ich ihr jetzt das Gleiche füttern.
Antwort: Wichtig wäre es, bei ihrem Kater zu klären, wo die Lokalisation der Verstopfung ist. Eine Palpation des Bauches könnte hier unter Umständen schon Klarheit bringen. Oft fühlt man einen massiv geweiteten und gefüllten Enddarm. Ist diese Untersuchungsform nicht möglich oder zufriedenstellend, wäre eine Röntgenuntersuchung des Bauchraumes sehr empfehlenswert. Würde sich hier der Enddarm dann massiv gefüllt und geweitet zeigen, hätten wir es mit einem idiopathischen Megakolon bei der Katze zu tun. Jedoch müssten Fütterungsprobleme, metabolische Ursachen und anatomische Ursachen zunächst ausgeschlossen werden.
Der idiopathische Megakolon ist eine Erkrankung deren Ursache bis heute nicht bekannt ist. Diskutiert werden Verhaltensprobleme (die Weigerung, Kot abzusetzen) und eine Veränderung der Neurotransmitter des Kolons.
Sollte ihr Kater von dieser Krankheit betroffen sein, wäre es sehr wichtig ihm ein Spezialfutter zu geben. Dieses Futter hat einen hohen Gehalt an Rohfasern und einen niedrigen Fettgehalt und trägt enorm zur Regulierung des Kotabsatzes bei. Es ist ein ausgewogenes Alleinfutter und ist als Nass- oder auch als Trockenfutter bei Tierärzten erhältlich. Zudem gibt es zwei unterschiedliche Typen, welche beide für sich zu empfehlen sind. Es handelt sich hierbei um das Futter i/d und oder w/d der Firma Hills. Sollte der Kater dennoch unter Verstopfungen leiden, können auch osmotische Laxanzien (z.B. Lactulose entspricht dem Milchzucker) in der Dosierung von bis zu 5 ml/Katze dreimal täglich gegeben werden. Diese Medikamentation sollte jedoch immer nur in Rücksprache mit dem Tierarzt vollzogen werden, da dieses Medikament unter Umständen auch einen schweren Durchfall verursachen kann. Außer der Lactulose gibt es noch weitere ausgewählte Laxanzien sowie koterweichende Agenzien und Ballaststoffe, welche sie aber auch nur in Rücksprache mit einem Tierarzt anwenden sollten. Deren Handelsnamen wären Bisacodyl, Grobe Weizenkleie, Dioctylnatriumsulfosuccinat, und Psyllium.
Christoph Höptner studierte Tiermedizin an der Università Degli Studio Milano. Seine Approbation als Tierarzt erhielt er im Mai 1995.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind die "Kardiologische Diagnostik" - einschließlich Farbdopplersonographie - und die "abdominale Chirurgie".
Sie können jederzeit Symbiopet mit Lactulose kombinieren am Tag, jedoch würde ich Ihnen empfehlen, zusammen mit einem Tierarzt ihres Vertrauens, einen genauen Therapieplan auszuarbeiten.
Ich wünsche ihnen, dass Sie mit einer adäquaten Fütterung und den dementsprechenden, wenn notwendig vorhandenen Medikamenten, ihren Kater bei guter Darmgesundheit erhalten. Generell ist die Prognose gut, da viele Katzen gut auf die konservative Therapie ansprechen, wenn sie früh genug eingeleitet wird. Falls jedoch diese nicht zum erhofften Erfolg führen sollte, wäre auf lange Sicht immer noch die Möglichkeit einer Chirurgie gegeben.
Frage: Ich habe meinem Rüden (Beagle, 3 Jahre alt, 18kg) vor zwei Wochen eine Kastrationsspritze (Chip) durch den Tierarzt geben lassen. Diese Spritze soll, laut Tierarzt, nach ungefährt fünf Wochen wirken (Dauer für ca. 6 Monate). Ich konnte vor dieser Spritze nicht ordentlich Gassi gehen, wenn läufige Hündinnen in der Nähe waren. Er hat auch immer gehungert und manchmal heulend vor der Tür gesessen. Beim Gassigehen hat er kaum an sein "Geschäft" gedacht. Nach dieser Spritze, vor zwei Wochen, ist alles noch viel schlimmer geworden. Mein Beagle heult nur noch, frisst kaum noch und zieht ganz doll an der Leine.
Er hat gestern auch versucht, drei mal abzuhauen. Das hat er vorher nie getan. Ich weiß überhaupt nicht mehr, ob diese Form von Kastration etwas bringt und nicht das Gegenteil bewirkt. Wissen Sie Hilfe für mich?
Antwort: Es ist sicherlich ein großes Problem wenn ein Rüde Hochzeit feiert, oder wenn ein Rüde bis über beide Hundeohren verliebt ist. Wer sollte es ihm verdenken, wenn mit ihm dann die Hormone durchgehen. Leider ist nicht jeder Rüde in der Situation ein Zuchtrüde sein zu können und auch ist jeder Rüde auf seine Art anders von seinen Hormonen gesteuert.
Die Kastrationsspritze (Chip), die sie ansprechen, ist relativ neu auf dem Markt. Es wird sich hierbei vermutlich um den Wirkstoff Suprelorin handeln. Dieses Präparat wird eingesetzt zur vorübergehenden Unfruchtbarkeit bei gesunden, nicht kastrierten und geschlechtsreifen Rüden. Eine Unfruchtbarkeit wird ab einem Zeitraum von sechs Wochen bis mindestens sechs Monaten nach der Erstbehandlung erreicht. Behandelte Hunde sollen daher in den ersten sechs Wochen nach der Erstbehandlung weiterhin von läufigen Hündinnen ferngehalten werden.
Sicherlich ist es möglich, dass in den ersten Wochen nach der Erstbehandlung zunächst kaum Anzeichen einer wesentlichen Besserung ersichtlich sind oder eventuell sogar eher Symptome einer weiteren Verschlechterung sich abzeichnen können. Ich bin mir aber sicher, dass dies nur ein sehr kurzer Zeitraum sein wird, da der Kastrationschip innerhalb von kürzester Zeit dann doch seine beruhigende Wirkung auf das Sexualverhalten ihres Hundes ausüben wird. Auch könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass bei einer Zweitbehandlung nach sechs Monaten solch eine für den Hund wie auch für sie als Tierhalter beschwerliche Symptomatik nicht mehr in Erscheinung treten wird.
Die Online-Sprechstunde
Haben auch Sie eine Frage zu Ihrem Haustier? Dann senden Sie diese einfach an tiere@derwesten.de
Die Antworten werden jeden Dienstag auf www.DerWesten.de/tiere vorgestellt.
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- Weitere Informationen zur Praxis von Dr. Gmeiner und Dr. Höptner finden Sie unter http://www.kleintierpraxis-mh.de
17:18
habe eine frage mein bartagam ist tragend sie ist jetzt im sand an budeln was muss ich machen
10:32
Unser Labrador hat diesen extremen Juckreiz schon seit 5 Jahren. Sämtliche Hautuntersuchungen haben nichts gebracht, Nun muss er alle 2 Tage 5mg Prednisolon (Cortison) nehmen. Der Juckreiz hört sofort auf. Ich hoffe, dass die niedrige Dosierung keine Nebenwirkungen bringt.Ohne Medikamente hätte er keine Lebensfreude. Mann muss es einfach abwägen.