Jerry Cotton
11.03.2010 | 10:27 Uhr 2010-03-11T10:27+0100Christian Tramitz spielt in "Jerry Cotton" den Agenten mit Pokerface.
Er war die deutsche Antwort auf James Bond: In den 50ern begann der Aufstieg eines Heftchen-Helden, der mindestens so toll war wie 007. Seit 1954 kämpft FBI-Agent Jerry Cotton im amerikanischen Hochhaus-Dschungel gegen böse Gangster. Der Krimireihe folgte in den 60ern eine kultige Filmserie, die schon damals als so schlecht galt, dass sie schon wieder gut war. Zwei Generationen und circa eine Milliarde verkaufte Groschenromane später wird "Jerry Cotton" nun wiederbeatmet.
Von Old-Shatterhand zu Jerry Cotton
In der am 11. März anlaufenden Actionkomödie führen Cyrill Boss und Philipp Stennert Regie, die bereits mit "Neues vom Wixxer" die betagten Edgar-Wallace-Streifen neu aufbereiteten. Die Rolle des aus den USA eingeflogenen Cotton-Darstellers George Nader, der einst mit seiner akkuraten Fön-Tolle und später durch sein Coming-out als Homosexueller Furore machte, übernahm Christian Tramitz. Auch Tramitz hat Erfahrung beim Recycling liebgewordener Nachkriegs-Filmschätzchen, trat er doch mit Bully Herbig in der Winnetou-Persiflage "Der Schuh des Manitu" als Old-Shatterhand-Parodie auf.
Pokerface und schwäbelnder Bandenchef
Die Handlung ist so egal wie seit jeher: Eine mysteriöse Gang ist hinter der Beute des ermordeten "Puppenspielers" her. Und FBI-Star Cotton - der Mann, der niemals schläft - bekommt während seiner Ermittlungen Ärger mit einer sexy Bürokratin und wird selbst verdächtigt. Mitspielen darf alles, was in der deutschen Filmszene Rang und Namen hat. Neben Tramitz, der ein steinernes Pokerface zur Schau trägt, tritt Christiane Paul mit roter Perücke als Cottons eiskalte Nemesis auf. Heino Ferch gibt einen schwäbelnden Bandenchef, und auch Jürgen Tarrach, Moritz Bleibtreu und Herbert Knaup dürfen mitkaspern.
Kinostart: 11. März 2010
Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert.
Darsteller: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Mónica Cruz, Christiane Paul und andere.
Christian Ulmen als Cottons ergebener Fan und trotteliger Assistent darf sich in den schrillsten Kostümen austoben. Doch auch die anderen Beteiligten hatte beim Kostümieren und Chargieren sichtlich großen Spaß. Doch so sehr man sich bei einzelnen Sketchen freut, wenn die Schauspieler mal richtig aufdrehen dürfen: Der Spaß bleibt oft ziemlich einseitig. Zwischen koketter Nostalgie-Seligkeit und Slapstick, zwischen Selbstironie, gelungenen Pointen, grobem Klamauk und Anbiederung an den vermuteten heutigen Publikumsgeschmack mit Tempo und Gewalt findet das Tohuwabohu keinen rechten Rhythmus.
Monica Cruz als Unterweltbraut
Monica Cruz, Schwester von Penélope, ist als Unterweltbraut zuständig für Erotik, wirkt aber wie im falschen Film. Auch befremdlich brutale Szenen passen nicht zum witzig gemeinten Treiben. Die Kulisse sieht zwar so aus, wie sich in den 60ern Klein-Doofi die USA wohl vorstellte, und imitiert liebevoll das "Wie gewollt und nicht gekonnt" der Heftchenreihe. Indes sind auch lustige alte Schundromane keine Entschuldigung für schlechtes Timing: die Inszenierung schleppt sich so angestrengt von Gag zu Gag, dass man den Filmemachern Nachhilfe von US-Komödienspezialisten wünscht. "Pulp Fiction" made in Germany - das haut immer noch nicht richtig hin. (apn)