Jena fühlt sich vom ZDF "bösartig verleumdet"
28.11.2011 | 14:51 Uhr 2011-11-28T14:51:36+0100
Jena. Die Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe stammen aus Jena in Thüringen. Doch heißt das, dass Ausländer sich in dieser Stadt fürchten müssen? Ein ZDF-Beitrag, der genau das nahelegt, verärgert im Moment die Jenaer. Sie fordern eine Entschuldigung des TV-Senders.
Das ZDF-Kulturmagazin "aspekte" hat die Bürger der thüringischen Stadt Jena verärgert. In dem Beitrag „Extreme Gewaltbereitschaft“, den das Magazin am Freitag dem 18.11. ausstrahlte, reist der Schriftsteller Steven Uhly in die Stadt, aus der die Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe stammen. Uhly ist Sohn eines Bengalen und einer Deutschen und lebt in München. In seinem aktuellen Buch „Adams Fuge“ geht es um Neonazis, Türken, Mord und Doppelagenten – „ein Buch, das die Wirklichkeit vorweg genommen hat“, wie „aspekte“ findet.
Tenor der Sendung: Menschen, die wie Steven Uhly ausländisch aussehen, müssen in den neuen Bundesländern in ständiger Angst leben. So empfindet er es zumindest. Der Beitrag beginnt am Jenaer Bahnhof Paradies mit den Worten „Jena ist kein Paradies für Migranten“. Obwohl Jena inzwischen als moderne und weltoffene Studentenstadt gilt, kommt keine Gegenstimme zu Wort. Ein NPD-Aussteiger und der linke Jugendpfarrer Lothar König stellen ihre Sicht zur rechten Szene in Jena dar.
"Eher erleichtert" steigt Uhly in den Zug nach München
Immer wieder geht es in dem Beitrag darum, dass Uhly in einer Stadt wie Jena um Leib und Leben fürchten müsste. Von einer „ostdeutschen Angstzone“ ist bei aspekte die Rede. Am Ende des sechs Minuten langen Beitrags steigt Uhly „eher erleichtert“ wieder in den Zug nach München. Im Osten leben, das könne er sich niemals vorstellen.
Barbara Glasser, Pressesprecherin der Stadt Jena, findet deutliche Worte für den Beitrag. „Eine bösartige Verleumdung der Stadt“ sei da zu sehen gewesen, überdies „journalistisch schlecht gemacht“. Dass keine einzige Gegenstimme gehört wird, empört Glasser besonders. Das sehen viele Jenaer Bürger ähnlich. Ihre Heimat sei „keine gefährliche Nazi-Stadt“, beklagen sie im Internet.
Bislang galt Jena als moderner Forschungsstandort
Mit 1,9 Prozent, die die NPD bei den Bundestagswahlen 2009 dort holte, ist Jena tatsächlich keine rechtsextreme Hochburg. Die 100.000-Einwohner-Stadt im Osten Thüringens ist dabei, sich als moderner Forschungsstandort zu etablieren. Gerade erst schaffte es Jena im Wirtschaftsmagazin Capital in die Top-Ten der wirtschaftlich stärksten Deutschlands – als größter Aufsteiger der Liste. Viele junge, gut ausgebildete Leute, gerade auch aus dem Westen Deutschlands zog es in den letzten Jahren an die Saale.
Gerade noch lebten sie in einer „Boomtown an der Saale“ (Handelsblatt), jetzt müssen es die Jenaer auf einmal ertragen, als Einwohner einer gewalttätigen Problemstadt geführt zu werden. „Jena hat sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet“, so Glasser. Dieses Image sei nun gefährdet.
ZDF reagiert per Brief und Video
Per Online-Petition fordern die Bürger nun eine Entschuldigung der Verantwortlichen im TV – etwa 4000 Menschen haben bisher unterschrieben. Darauf hat das ZDF reagiert. In einer Stellungnahme heißt es, der Sender bedauere, dass der Beitrag für Empörung gesorgt habe. Man habe nicht die Absicht gehabt, „„den Osten“ und die Stadt Jena pauschal zu verurteilen.“ Es sei aber journalistisch vertretbar gewesen, Uhly, „ein Forum zu geben“, zumal die Zahl der rechten Gewalttaten im Osten Deutschlands tatsächlich bedeutend höher sei als im Westen.
Auch der Leiter der Aspekte-Redaktion Christhard Läpple befasst sich im Video „Zorn in Jena“ mit den verärgerten Thüringern. Jena sei eine liberale, weltoffene Stadt, in der Toleranz großgeschrieben würde, stellt er fest. Zudem schlägt Läpple vor, sich mit den Verantwortlichen in Jena zusammenzusetzen, „damit wir über all die Punkte reden können“. Die Podiumsdiskussion ist für den 5. Dezember geplant.
Rechtsterror überlagert Toleranz-Bemühungen der Stadt
Dem Oberbürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter (SPD) wurde, nur einen Tag vor der Ausstrahlung des aspekte-Beitrags, der „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ von der Jüdischen Gemeinde in Berlin verliehen. Dass diese Preisverleihung sowie die Bemühungen der Stadt im Kampf gegen Rechtsextremismus unerwähnt blieben, ärgert Glasser besonders. Sie hofft nun, dass Jenas neues Image nicht ganz unter den Berichten über die Rechtsterroristen verloren geht.

10:49
Das ZDF muss sich sofort entschuldigen,und das zur besten Sendezeit und gleichzeitig von S.Uhly scharf distanzieren!Das war eine Beleidigung aller Bürger OSTDEUTSCHLANDS!21 Jahre nach der Wiedervereinigung läst das ZDF zu,dass solche Möchtegern-Schriftsteller eine "geistige"Mauer errichten wollen!Dieser Beitrag war mit den "Schwarzen Kanal" identisch1-1 noch Fragen.ZDF ist seit gestern für uns gestorben!
10:09
von euch Pappnasen (Papageiengeplapper, Kernow, AntonC) war offensichlich noch keiner in Jena. Ich wohne seit gut 10 Jahren hier, und die Rechten, die ich in dieser Zeit hier gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen. Der Fernsehbericht war eine absolute Frechheit. Von allen Ostdeutschen Städten ausgerechnet Jena so darzustellen, zeugt von sehr, sehr schlechter Recherche. Aber wenn ich eure Kommentare lese, wird mir einiges klar. Da wird verallgemeinert und alle über einen Kamm geschoren. Sicherlich ist die Anwesenheit sogenannter Nazis im Osten ein etwas größeres Problem als im Westen, aber Jena ist da wirklich ein schlechtes Beispiel. Und die drei Terrorspinner hätten genau so gut aus jeder anderen Stadt kommen können
@Papageiengeplapper: ..."in genau solchen Problemgebieten wie in Jena". haha. Jaja, Jena ist ultraböses Problemgebiet, wahrscheinlich weil es durch die Studenten und alternative Szene hier seit gut 20 Jahren sowas von rot ist... oder wie soll ich das verstehen?
@Kernow: "Natürlich werden die ganzen rechtsextremen Elemente da gern mal totgeschwiegen...und alle die, die von der braunen Brut schon zusammengeschlagen und -getreten wurden...": da gibt es nichts "totzuschweigen", zumindest nicht in Jena
@AntonC: hast du den Bericht zu Ende gelesen? Musst du nicht. Ich zitiere: "Dem Oberbürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter (SPD) wurde, nur einen Tag vor der Ausstrahlung des aspekte-Beitrags, der „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ von der Jüdischen Gemeinde in Berlin verliehen." Und: die letzte Rechtendemo ist Jena schon eine weile her, weil das braune Gesocks hier nicht erwünscht war. Am Freitag findet ein "Rock gegen Rechts"-Event statt, mit Udo Lindenberg, Peter Maffay u.a., Ihr seit gerne eingeladen, kostet nüscht. Da könnt mal schauen, wie "braun" Jena ist.
Schöne Grüße aus Jena,
wg
09:26
Die aus der ehemaligen DDR haben auch immer etwas zu meckern. Wo rotten sich denn die meisten Rechten zusammen? Das ist doch wohl im Osten ein Problem.
09:25
Liebe Jenaer,
toll, dass Ihr Euch so äußert. Auch Dortmund ist keine Nazi-Stadt, auch hier können Menschen mit südländischem Aussehen ganz entspannt leben und der Dortmunder Weihnachtsmarkt lockt weiterhin ausländische Gäste, die dort in Sicherheit bummeln können. Auch hier bei uns gibt es kein Neonazi-Problem ... das ist alles nur hochgespielt und die paar rechten und gewaltbereiten Kameradschaften, die es hier angeblich geben soll, sind einfach nur nette Jungs, ein wenig fehlgeleitet vielleicht, aber total unpolitisch, aber so ist die Jugend ja heutzutage, Hauptsache die Zukunftsprognose ist positiv. Und so decken wir wieder schön den Mantel des Schweigens über alles und hoffen, dass die Welt bald ein anderes Thema findet ...
08:13
Vielleicht ist es nun mal soweit, die Gesetze und deren Handhabung langsam anzupassen, um diesen Erscheinungen, die sich gegen den Staat und die Demokratie richten und darüberhinaus Menschenfeindlich sind, vernünftig begegnen zu können. Hier läßt der Staat die Menschen und auch die Polizei ziemlich allein und hilflos im Regen stehen. Die Zeit des Redens ist bald vorüber.
07:38
Statt über die Berichterstattung zu jammern sollten sich die ostdeutschen Städte und Länder besser mal eindeutig gegen das braune Gesocks positionieren.
06:56
Etablieren und Forschungsstadt reicht ja eigentlich schon aus, oder?
Natürlich werden die ganzen rechtsextremen Elemente da gern mal totgeschwiegen...und alle die, die von der braunen Brut schon zusammengeschlagen und -getreten wurden...
Das gibt es nicht in einer Forschungsstadt, da ist man dann doch gern mal ein bisschen blind, auf dem rechten Auge...
06:25
Das Thema rechte Gewalt ist in erster Linie ein ostdeutsches Thema. Es bedarf grosser Anstrengungen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Was dabei in den Hintergrund gerät, ist Deutschfeindlichkeit (in genau solchen Problemgebieten wie in Jena) im Ruhrpott. Genauso bedroht wie sich Herr Uhly in Jena gefühlt hat, fühlt man sich als Deutscher vielerorts hier.
Doch wo bleibt da der Aufschrei der Entrüstung aus dem Bundestag und von Frau Merkel ? Ist es politisch nicht korrekt, auch die Gewalt aus der anderen Richtung genauso anzuprangern und zu bekämpfen ? Wieder einmal fühlt man sich "tief im Westen" völlig allein gelassen.
20:00
weniger auf die Tränendrüse drücken.Es wäre sinnvoller in sich zu gehen und zu hinterfvragen warum der Rechtsradikalismus im Osten so verbreitet ist. Schließlich waren es doch die Parteien der rechten Mitte ,welche blind und taub in bezug rechte Gewalt waren,bzw sind. Das jetzt die zur Zeit regierenden Parteien mit blinden Aktionismus und hohlen Lippenbekenntnisse reagieren ist schlicht und einfach eine Verhöhnung der Wähler ! Wie war das noch letztes Jahr zum Thema integration von Migranten? Wie sagte unsere Bundesmutti noch.Jetzt macht sie das Thema zur Chefsache . Was ist passiert?
Richtig,nichts ,absolut nichts. Genauso wird es jetzt auch sein.
Jetzt wird wieder fürterlich auf die Ka..e gehauen bis es irgendwo in der Welt eine Katastrophe passiert und das Thema "rechte Gewalt " verschwindet in der Versenkung . Wie immer.