Jazzfestival mit Lokalkolorit

Die Hellweg All Stars.
Die Hellweg All Stars.
Foto: WR

Bergkamen.. Andere Jazzfestivals holen sich ihre Bands von weit her. „Jazzahead“ in Bremen zum Beispiel. Dort spielte unlängst auch „Uli Bärs ABC-Band for Kids“ und sorgte wie bei ihrem Auftritt am Sonntagmorgen im Bergkamener studio theater für Begeisterung.

Die Combo um den künstlerisch-pädagogischen Leiter des Fachbereiches „Elementare Musikerziehung“ an der Jugendkunstschule Unna und Bassisten ist ein Unikum. Es ist die einzige Band weit und breit, die nicht nur Musik für, sondern vor allem auch mit Kindern macht. Dies alles vor allem im Rahmen des zurzeit laufenden Jazzfestivals am Hellweg „Take Five“.

Ob Bremen oder Bergkamen: Die Musiker bereiten ihren „Nachwuchs“ einige Wochen vorher in einem Grundschulprojekt auf ihren großen Auftritt mit der ABC-Band vor. Die Grundlagenarbeit vor Ort besorgte diesmal die Dozentin an der Bergkamener Musikschule und Jazz-Saxofonistin Karin Hatzel an der Schiller-Grundschule. Dass die Kids dabei viel gelernt haben, zeigte der Nachwuchs am Sonntagmorgen beim Familienkonzert im studio theater. Die 70 Kinder, die diesmal die Sendung mit der Maus ausfallen ließen, waren begeistert. Viele standen bereits nach kurzer Zeit selbst auf der Bühne und erlebten die aufregende Geschichte des Jazz von den Anfängen durch die Sklaven auf den Baumwollfeldern in den USA bis heute.

Und warum engagiert sich derart Uli Bär für Kinder? „Damit ich auch einmal zu Jazzfestivals eingeladen werde“, lachte der Miterfinder und Hauptorganisator von „Take Five“ verschmitzt. Dabei braucht er sein Licht gar nicht so unter den Scheffel zu stellen, wie am Sonntagabend in der städtischen Galerie „sohle 1“ gut zu hören waren. Dort bediente er sein Lieblingsinstrument, den großen akustischen Bass inmitten der Hellweg All Star Band. Die ist neben der ABC-Band die zweite große musikalische Klammer des Festivals. Beide Ensembles treten in einer Reihe von Festivalorten auf.

Bergkamen war für die All Stars die letzte Station auf ihrer Mini-Tournee. Während die Band in anderer Besetzung vor zwei Jahren den urbanen Jazz der Metropolen Ruhrgebiet und New York verschmolzen, ging es diesmal mit einer kräftigen Prise „Latin“ wesentlich luftiger zu. Dafür sorgte auch Gastsängerin Sónnica Yepes. Die gebürtige Spanierin, die in Essen lebt, brachte nicht nur einige eigene Songs dieses Genres mit, sondern schrieb auch Texte zu Kompositionen des Buck Wolters. Der Bergkamener Gitarrist verfasste nicht nur für einen großen Musikverlag in den USA Lehrbücher über lateinamerikanische Musik, sondern hat sich durch seine Konzertreisen jenseits des Atlantiks in Südamerika einen Namen gemacht. Die Eindrücke dort setzte er natürlich auch in Töne um. Dafür ist sein Tango, den er in der sohle 1 im Trio mit der Violonistin Freya Deiting ein Uli Bär präsentierte, ein wunderbares Zeugnis.

Vermutlich wird die Hellweg All Star Band, deren Arrangements erneut Dimitry Telmanov beisteuerte, in dieser Zusammensetzung nie wieder musizieren. Doch es gibt Chancen, die Musikerinnen und Musiker mit ihren eigenen Bands irgendwann wieder zu hören. Buck Wolters und der Schlagzeuger Benny Mokross spielen ohnehin seit etwas mehr als fünf Jahren als Duo. Karin Hatzels nächstes Gastspiel in Bergkamen mit ihrem Quartett ist im Rahmen von Take Five am 14. November in der „sohle 1“ fest terminiert. Die Pianistin und Sängerin Clara Habercamp wurde vor Kurzem mit dem Jazz Baltica Förderpreis ausgezeichnet und hinterließ am Sonntagabend einen derart starken Eindruck, dass sich eine Einladung zu einem Konzert mit ihrer Band in Bergkamen geradezu aufdrängt.

Einen kleinen Video-Eindruck gibt es >>> hier.

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