Italienische Gastfreundschaft – mehr geht nicht

Schüler aus verschiedenen Ländern trafen sich im italienischen Chiavenna, um rund um das Thema „Roads Connecting Us“ zu arbeiten. Natürlich hatten alle auch eine Menge Freizeit und ein ausgiebiges Besichtigungsprogramm.
Schüler aus verschiedenen Ländern trafen sich im italienischen Chiavenna, um rund um das Thema „Roads Connecting Us“ zu arbeiten. Natürlich hatten alle auch eine Menge Freizeit und ein ausgiebiges Besichtigungsprogramm.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Im Rahmen des europäischen Austauschprojektes COMENIUS fuhren wir, sieben Schülerinnen des Gymnasiums An der Stenner zusammen mit zwei Lehrern nach Chiavenna, Italien. Dort trafen wir auf unsere Projekt-Freunde aus Polen, Spanien Finnland und Italien.

Seit 2013 treffen sich einige von uns Schülern aus den jeweiligen Ländern, um die erarbeiteten Ergebnisse zum Thema „Roads Connecting Us“ vorzustellen, sich auszutauschen und sich gegenseitig die Kultur näherzubringen. Dadurch werden die Teilnehmer langfristig von sehr guten Eindrücken, Erfahrungen sowie Toleranz und Akzeptanz für die anderen geprägt. In den fünf Tagen in Italien erlebten wir große Gastfreundschaft, schöne Landschaften, sehr nette Menschen – und natürlich traditionelles Essen, was uns alles sehr begeistert und beeindruckt hat.

Als wir am Sonntag ankamen, wurden wir herzlich empfangen. An unserem ersten kompletten Tag in Chiavenna wurden wir durch die Schule „IIS Leonardo Da Vinci“ geführt und erkundeten, nachdem uns der Bürgermeister willkommen hieß, die Stadt mit allen Sehenswürdigkeiten. Dazu gehörten der botanische Garten „Parco Del Paradiso“, die Kirche San Lorenzo Collegiate, der Palazzo Salis, die Via Dolzino und die Piazza Pestalozzi. Von der Schönheit der Orte und der Natur beeindruckt, gingen wir zum Mittagessen in die Hotel-Management-Schule, wo uns zu unserem Erstaunen Jugendliche unseres Alters bekochten und bedienten, und wir sozusagen ihre Testpersonen waren.

Geschenke nach erfolgreicher Schnitzeljagd

Nach dem sehr guten italienischen Essen stand das so genannte Orienteering auf dem Programm, das heißt, dass wir in den Bergen eine Art Schnitzeljagd veranstalteten und wanderten, um am Ziel, einer wunderschönen Wiese mit tollem Ausblick, anzukommen. Zurück in der Schule, wurden wir für unsere Sportlichkeit belohnt und bekamen kleine Geschenke in Form von Souvenirs aus Chiavenna. Das Abendprogramm war ein gemeinsames Treffen, bei dem wir draußen vor einem Café saßen.

Der nächste Tag ging mit einigen Unterrichtsstunden, die wir in der italienischen Schule besuchten, los. Schnell fielen uns Unterschiede zu unserem Alltag auf. Neben anderen Fächern, wie zum Beispiel Recht und obligatorisch Informatik, ist bei den Italienern auch das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern anders. Aufgefallen ist uns besonders der herzlichere, weniger leistungsbezogene Umgang miteinander im Unterricht.

Später trugen alle Teilnehmer des Projektes in der Schule ihre jeweiligen Präsentationen vor. Das Thema dieser Reise waren Zukunftsvisionen bezüglich der „Straßen, die uns verbinden“ in der Europäischen Union. Neben einigen Vorschlägen, wie zum Beispiel dem Gründen einer Institution namens Vereinigte Staaten von Europa, in der jeder heutige Staat zu einem großen Europa gehört und nicht mehr unabhängig wäre, gab es auch lustige Vorschläge wie die Idee, man könnte künftig Kommunikation telepathisch oder mittels Brieftauben einführen.

Kurz darauf hatten wir wieder Freizeit, die die meisten in einem Jugendcafé verbrachten, während sie sich bei ihrem „succo di arancia rossa“, „bicchiere d’acqua“ oder „latte macchiato“ unterhielten. Am Abend fuhren einige von uns mit ihren Gastgebern auf Motorrollern auf einen großen Berg, von dem aus man die ganze Stadt im Abendrot betrachten konnte.

Am Mittwoch fuhren wir mit dem Zug nach Varenna, einer idyllischen kleinen typisch-italienischen Stadt. Entlang des Lago Di Como, wo auch George Clooney einen Wohnsitz hat, wanderten wir die Brücke entlang und genossen sowohl die wunderschönen Ausblicke als auch das sehr gute Wetter. Nach etlichen Fotosessions ging es auf die Fähre, die uns nach Bellagio, einer kleinen Stadt am See mit vielen kleinen Gassen, gefüllt mit kleinen Geschäften, fuhr. Dort konnten wir die Stadt für einige Stunden auf eigene Faust erkunden. Zurück in Varenna warteten wir Eis essend auf einen finnischen Lehrer, der die Fähre verpasst hatte.

Interkulturelle Erfahrungen bereichern ungemein

Der letzte gemeinsame Tag begann erneut mit Unterricht und ging mit einigen Abschlussreden der Lehrer weiter. Darin wurden noch einmal der Wert und die Wichtigkeit eines solchen Austauschprojektes betont, um hervorzuheben, dass es interkulturelle Erfahrungen und große Bereicherungen ermöglicht – was wir anders gesagt hätten, aber genauso erfahren haben. Später fuhren wir nach Casenda und gingen die Via Francisca entlang, um nach einem langen und schönen Spaziergang in San Fedelino anzukommen und dort zu picknicken. Uns fiel auf, dass ein Picknick nach einem Spaziergang alle begeistert – egal, aus welchem Land man kommt. Wir genossen die Sicht auf den Fluss, besichtigten eine kleine Kapelle und kamen danach wieder in unsere Gastfamilien, um uns für die anschließende Abschlussparty fertig zu machen. Dort haben wir alle Spaß gehabt und noch einmal die gemeinsame Zeit genossen.

Nach einem emotionalen, teilweise tränenreichen Abschied von unseren Gastfamilien fuhren wir, traurig über das Wegfahren, aber glücklich über das Erleben der schönen Zeit in der Stadt unserer Comenius-Partnerschule, zum Flughafen in Milano Malpensa, von wo aus wir nach Hause flogen. Da wir mit Germanwings flogen, hatten wir anfänglich aufgrund des Flugzeugabsturzes der gleichen Flugzeuglinie etwa drei Wochen zuvor ein mulmiges Gefühl, das aber schnell verging. Die ganze Woche über schien die Sonne, nur nicht an unserem Abreisetag, was von allen als ein Zeichen gedeutet wurde, dass sogar der Himmel traurig über unsere Abreise war.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine sehr schöne Woche war, die uns um viele Erfahrungen, Freunde, Eindrücke und unvergessliche Momente reicher gemacht hat. Besonders in Erinnerung bleiben werden uns wohl die italienische Gastfreundschaft, das Essen, die Großzügigkeit, die Kultur und die lieben Menschen.

Erinnerungen für das ganze Leben

Die Begegnung in Chiavenna war vorerst die letzte im Rahmen des Comenius-Projekts an unserer Schule. Wie jede Fahrt in diesem Zusammenhang hat auch diese uns Schülern Erfahrungen beschert, die wir woanders nicht hätten bekommen können, denn wie kommt man sonst in eine Gastfamilie in kleineren oder größeren Städten und lernt die Kultur, die Gewohnheiten, Mentalität und Leute besser kennen als in einem solchen Projekt? Wir waren nicht Touristen, sondern Gäste, und wurden teilweise auch Freunde. Was man beim Austausch lernt, kann einem keiner wegnehmen und wird uns unser Leben lang in Erinnerung bleiben. Das können wir nur weiterempfehlen.

Julia Kalnik, Anne-Marie Kamp, beide Stufe Q1, Gymnasium An der Stenner